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ScharfschĂźtze
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Scharfschßtzen sind Soldaten, die im Schusswaffengebrauch durch selektiven gezielten Schusswaffeneinsatz ihren Auftrag mit einem Scharfschßtzengewehr ausfßhren. Polizisten im Besonderen Auftrag mit einem Präzisionsgewehr werden als Präzisionsschßtzen bezeichnet.
Contents
⢠Geschichte
⢠Koalitionskriege
⢠Burenkrieg
⢠Erster Weltkrieg
⢠Koreakrieg
⢠Vietnamkrieg
⢠Bosnienkrieg
⢠Irak 2003â2011
⢠Euromaidan
⢠Technik
⢠Einsatzkonzepte
⢠Scharfschßtzen
⢠Sonstige
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Monographien
⢠Zeitschriften
⢠Weblinks
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Herkunft des Begriffs
Das Wort âSchĂźtzeâ entstand im deutschen Sprachraum als ein Ausdruck fĂźr âSender fĂźr Geschosseâ, wobei kein Bezug zu der Form des Projektils oder der Schusswaffe bestand. Die BrĂźder Grimm als Autoren des Deutschen WĂśrterbuches leiten die Entwicklung dieses Begriffes aus dem althochdeutschen âscuzzoâ ab und verweisen auf die verwandten WĂśrter in anderen Sprachräumen, âskutâ im Angelsächsischen, âskyttâ und âskytteâ im Norwegischen, Schwedischen und Dänischen. In Anlehnung daran verweisen spätere Sprachforscher auf die enge Beziehung zum friesischen âskettaâ und dem niederdeutschen âschĂźtteâ, aus dem dann im Mittelhochdeutschen âschĂźtzeâ entstand.
Die Bezeichnung fĂźr einen besonders guten SchĂźtzen entstand in der deutschen Umgangssprache in Verbindung mit dem Wort âscharfâ, das auch mit âScharfblickâ, âscharfes Augeâ, aber auch mit âscharfe Munitionâ eine besondere Bedeutung erhält. Das FranzĂśsische kennt nur die Steigerung des âtireur dâĂŠliteâ, des Meister- oder EliteschĂźtzen. Am aufschlussreichsten sind die im Englischen entstandenen Begriffe: So bezeichnet englisch marksman jemanden, der mit Genauigkeit das âmarkâ (Ziel) trifft.
Der âsharpshooterâ entstand als LehnĂźbersetzung des deutschen Begriffs und ist spätestens seit dem 17. Jahrhundert bekannt. Auch die Herleitung von amerikanischen âsharpshootersâ, den SchĂźtzeneinheiten mit weitreichenden Sharpsgewehren, ist mĂśglich.
Zusätzlich kam der Begriff âsniperâ fĂźr den militärischen Spezialisten auf. In diesem Fall stammt er aus dem Jagdwesen. Jemand, der eine âsnipeâ (Schnepfe) mit einer BĂźchsenkugel, also nicht mit dem dafĂźr sonst Ăźblichen Schrotgewehr treffen konnte, musste schon ein sehr guter SchĂźtze sein, da diese VĂśgel äuĂerst scheu, gut getarnt und im Flug sehr gewandt sind. Sniper ist inzwischen auch in Deutschland eine gebräuchliche Bezeichnung fĂźr ScharfschĂźtzen. Das Russische Ăźbernahm das englische Wort: russisch ŃĐ˝Đ°ĐšĐżĐľŃ snajper.
Gelegentlich verwendet die deutschsprachige Presse die Bezeichnung HeckenschĂźtzen fĂźr feindliche ScharfschĂźtzen oder gewĂśhnliche Kriminelle, die aus dem Hinterhalt, meist mit einem Präzisionsgewehr, arbeiten. Diese haben oftmals keine militärische Ausbildung.cite-ref-1[1] Bekanntestes Beispiel ist der SerienmĂśrder John Allen Muhammad, der internationale Bekanntheit durch die Beltway Sniper Attacks erlangte.cite-ref-2[2]cite-ref-3[3] Er war kein ausgebildeter ScharfschĂźtze, aber ein sehr guter SchĂźtze. Er hatte bei der U.S. Army das Expert Rifleman's Badge erlangt, welches das US-Army-Ăquivalent zur SchĂźtzenschnur in Gold der Bundeswehr darstellt.
Geschichte
Wurzeln und erste Anfänge
Als Vorläufer des ScharfschĂźtzen kann man den mittelalterlichen ArmbrustschĂźtzen ansehen. In den deutschen Städten waren diese in den sogenannten SchĂźtzengilden organisiert. Ălteste urkundliche Erwähnungen von SchĂźtzengilden stammen aus dem Jahr 1139 aus Gymnich und 1190 aus DĂźsseldorf.cite-ref-4[4] Die städtischen SchĂźtzenvereine hatten hauptsächlich die Aufgabe ihre BĂźrger an der Waffe auszubilden, damit diese ihre Stadt verteidigen konnten. So hatte KĂśln bereits 1341 einen SchĂźtzenmeister fĂźr die ArmbrustschĂźtzen und später einen eigenen SchĂźtzenmeister fĂźr die ersten Feuerwaffen (Handrohr). Die EinfĂźhrung dieser beiden Waffen läutete den Niedergang der Ritterheere ein. Mit diesen Waffen konnte nun auch der einfache Infanterist einen adligen Ritter im Kampf besiegen.cite-ref-5[5] Die Kadenz der Armbrust war im Vergleich zu den im 13./14. Jahrhundert erfolgreicheren LangbĂśgen wesentlich niedriger (1 bis 2 Schuss pro Minute gegenĂźber max. 10 bis 12 beim Langbogen). Sie war daher weniger zur offenen Feldschlacht geeignet, sondern mehr als ScharfschĂźtzenwaffe fĂźr statische Belagerungskämpfe. Das berĂźhmteste Opfer eines ArmbrustschĂźtzen war Richard LĂśwenherz. Dieser wurde am 29. März 1199 wahrscheinlich von Pierre Basile bei der Belagerung der Burg Châlus-Chabrol beschossen und dabei tĂśdlich verwundet.cite-ref-6[6] Es liegt nahe, dass er den Sicherheitsabstand zu den feindlichen ArmbrustschĂźtzen unterschätzte, da er nur einen Helm als Schutz trug. Dadurch, dass der ArmbrustschĂźtze von erhĂśhter Position aus schoss (er schoss von der hĂśher gelegenen Burgmauer nach unten), wurde die ballistische Kurve âgestreckterâ und somit konnte der ArmbrustschĂźtze weiter schieĂen als auf einer horizontalen Ebene. Die gestrecktere Flugbahn resultiert aus dem physikalischen Prinzip, dass das Geschoss bei einem rechtwinkligen Dreieck zwar die komplette Länge der Hypotenuse fliegt, aber die Erdanziehungskraft nur auf der Länge der horizontalen Kathete auf das Geschoss wirkt.
Die Entwicklung des gezogenen Laufs
Die zwei entscheidenden Schritte im ScharfschĂźtzenwesen war die Entwicklung des gezogenen Laufs und die Aufstellung der Jägereinheiten ab 1631 in den deutschen Ländern. Das Prinzip des gezogenen Laufs mit ZĂźgen und Feldern wurde im 15. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum entwickelt. Namentlich bekannt ist Gaspard Kollner aus Wien, der um 1498 daran arbeitete. Der spiralfĂśrmig gerillte (das englische Wort rifle stammt ursprĂźnglich von dem deutschen Wort geriffelt ab) Gewehrlauf, so wie er heutzutage Verwendung findet, wird Augustus Kotter aus NĂźrnberg 1520 zugeordnet.cite-ref-7[7] Diese neuartigen Gewehre mit ZĂźgen und Feldern wurden BĂźchsen genannt. Das Wort BĂźchse wurde anfangs fĂźr jedes Gewehr angewandt. Erst im 17. Jahrhundert wurden damit Gewehre mit gezogenem Lauf bezeichnet. Mit BĂźchsen konnte man deutlich weiter und vor allem präziser schieĂen als mit Musketen. Die Muskete verfĂźgt nur Ăźber einen glatten Lauf (wie bei einer Flinte) und war bis Mitte des 19. Jahrhunderts die Standardwaffe der Soldaten. Der Vorläufer der Muskete war die Arkebuse, die bis zum Ende des 16. Jahrhunderts die Hauptwaffe der FuĂtruppen war. Der Nachteil der VorderladerbĂźchsen war der längere Ladevorgang und die deutlich teurere Herstellung. Der Ladevorgang dauerte ca. 2- bis 3-mal länger (je nach Erfahrung des SchĂźtzen) als bei einer Muskete, da man die Kugel in einen kleinen Lederlappen einwickeln musste, um der Kugel mehr Halt in dem gedrallten Lauf zu geben. Der Beschaffungspreis einer BĂźchse war damals fĂźnffach hĂśher als bei einer Muskete. Vor allem die teure Herstellung verhinderte den Einzug in die reguläre Infanterie bis ins 19. Jahrhundert. Des Weiteren war die Handhabung einer BĂźchse weitaus komplexer und bedurfte einer grĂźndlichen Ausbildung. So mussten z. B. die BĂźchsen intensiver gereinigt werden und da es kaum standardisierte Läufe gab, musste der SchĂźtze seine Kugeln oftmals selber gieĂen.cite-ref-8[8]cite-ref-diglib-uibk-ac-at-9-0[9]
Deutsche Jäger im 17. Jahrhundert
Die mit BĂźchsen ausgerĂźsteten deutschen Jäger- und SchĂźtzenbataillone aus dem 17. Jahrhundert wurden Ăźberwiegend aus freiwilligen FĂśrstern und Jägern rekrutiert. Aber auch Waldarbeiter und SchĂźtzen aus den städtischen SchĂźtzenvereinen waren dort vereinzelt zu finden. Vor allem die FĂśrster und Jäger brachten oftmals ihre eigenen Jagdwaffen mit gezogenen Läufen (BĂźchsen) mit. Die deutschen Jägereinheiten des 17. Jahrhunderts waren die ersten Soldaten, die ausschlieĂlich mit den deutlichen präziseren und weiterschieĂenden BĂźchsen ausgerĂźstet waren. DarĂźber hinaus erhielten sie eine wesentlich bessere SchieĂausbildung im gezielten Schuss als die reguläre Linieninfanterie.
Die erste bekannte Jägereinheit wurde 1631 von Wilhelm von Hessen-Kassel aufgestellt, die bereits die Aufgaben heutiger ScharfschĂźtzen hatte. Der Hauptauftrag der Jägertruppe war es, den Feind aufzuklären und mit gezieltem Schuss ausgewählte und weit entfernte Ziele (vor allem Offiziere und Kanoniere) zu bekämpfen und dadurch den Gegner zu schwächen. Aber auch das Ausschalten feindlicher Späher, Meldegänger und Kundschafter gehĂśrten zu ihrem erweiterten Aufgabengebiet. Sie agierten dabei in kleinen Gruppen oder als selbstständige EinzelschĂźtzen und nutzten das gegebene Gelände als Deckung aus. Da sie das Anpirschen von Berufs wegen her kannten, stand naturgemäà der gezielte scharfe Schuss im Vordergrund der Ausbildung, und es wurde häufig auf Zielscheiben geĂźbt, was es zu dieser Zeit bei der regulären Infanterie nicht oder kaum gab. Als Signalinstrumente wurden nur JagdhĂśrner und nie Trommeln verwendet. Die Aufträge erfolgten auĂerhalb der regulären Schlachtordnung, selbständig und ohne direkten Kontakt zur FĂźhrung (siehe FĂźhren mit Auftrag). Das Aufstellen und die Aufgaben dieser Jägereinheit 1631 war die Geburtsstunde des Konzeptes des ScharfschĂźtzen. Die Zugangsvoraussetzung fĂźr den Dienst bei den hessischen Jägern war, fĂźr die damalige Zeit, sehr hoch. Der Anwärter musste, neben der jagdlichen Ausbildung, unbescholten sein, einen guten Charakter vorweisen, Ăźber einen entsprechenden Bildungsstand verfĂźgen, bei guter Gesundheit sein und ein âweitesâ Auge fĂźr den gezielten Scharfschuss besitzen. Eine Aufstellungsorder von 1631 besagte wortwĂśrtlich, dass fĂźr âverlaufenes Gesindelâ in den Reihen der GrĂźnrĂścke kein Platz sei. Weitere Voraussetzung war die Vertrautheit mit Wald und Flur und die Entschlossenheit, zu jeder Jahreszeit und in jeder Gefechtslage selbständig zu kämpfen. Diese Anforderungen wurden grĂśĂtenteils auch von den Jägereinheiten der anderen deutschen Länder Ăźbernommen. Mit dieser konsequent betriebenen Auslese wurde eine Elitetruppe geschaffen, auf die sich die militärischen FĂźhrung, besonders in entscheidenden Situationen, verlassen konnte. Nach dem Ausscheiden aus der Jägertruppe wurden die Jäger oftmals auf eine Stelle im Staatsdienst Ăźbernommen. Auch diese Verfahrensweise fĂśrderte ungemein die Disziplin und den Zusammenhalt innerhalb der Jägertruppe. Ăber die hessischen Jäger ist dokumentiert, dass die Mannschaften auf 300 Schritte einen gezielten BĂźchsenschuss anbringen konnten, einzelne Jäger sogar bis 500 Schritte (aber mit einer etwas niedrigeren Trefferquote). Zum Vergleich: Mit der Standardmuskete der regulären Infanterie traf ein geĂźbter SchĂźtze maximal auf 80 Schritte zielgenau. Der elitäre Charakter der Jägertruppe von Hessen-Kassel spiegelte sich auch im Sold wider. So erhielten auch die einfachen Mannschaften eine Unteroffiziersentlohnung. Bei der Belagerung und dem anschlieĂenden Angriff auf Fritzlar am 9. September 1631 zeichneten sich die Jäger aus Hessen-Kassel durch gezieltes Feuer, vor allem auf die Kanoniere, aus und ermĂśglichten so die ErstĂźrmung. Dies ist der erste bekannte bzw. dokumentierte Fall von gezielter Ausschaltung von militärischem Funktionspersonal mittels einer BĂźchse. Auch bei der ErstĂźrmung der Feste Namur am 29. August 1695 waren die Jäger aus Hessen-Kassel entscheidend am Sieg beteiligt.
Neben einer präzisen BĂźchse mit gezogenem Lauf gehĂśrte fĂźr den Nahkampf der Hirschfänger, mit 60 cm Klingenlänge und ein kĂźrzeres Messer zur Bewaffnung. Dass die hessischen Jäger, neben dem präzisen Schuss, auch den Nahkampf mit dem Hirschfänger beherrschten, bewiesen sie am 28. Juli 1759 in OsnabrĂźck. Nachdem die Ăźberraschten franzĂśsischen Torwachen ausgeschaltet waren, entwickelte sich das Gefecht zu einem Häuserkampf. Nachdem die Musketiere beim StraĂen- und Häuserkampf nicht mehr weiter gekommen waren, schickte der bereits verwundete Stabskapitän Ludwig von Wurmb (1800 Generalleutnant) seine Jägereinheiten nach vorne, die die franzĂśsischen Einheiten mit der Kombination von BĂźchsenschuss und Hirschfängern restlos aus der Stadt vertrieben.cite-ref-die-hessischen-j-ger-1987-10-0[10]
In Bayern bestimmte Maximilian I. von Bayern 1641 eigens einen fĂźrstlichen Oberstjägermeister, der bei der Musterung der Soldaten die Jäger und FĂśrster in Jägereinheiten zusammenfasste. 1643 verfĂźgte das Herzogtum Bayern bereits Ăźber 2368 Mann dieser geschulten SchĂźtzen. Es wurden aber nicht wahllos alle Jäger oder FĂśrster in die Jägereinheiten eingebunden. So berichtet eine Quelle, dass mehrere Männer nicht Ăźber die erforderlichen Waffen- und SchieĂfertigkeiten verfĂźgten und so in reguläre Infanterieeinheiten versetzt wurden. Mit der Aufstellung von speziellen Jägertruppen folgten 1674 Brandenburg und 1744 PreuĂen. Die Uniformen der Jägereinheiten waren meist grĂźn und/oder braun. Glitzernde AusrĂźstungsgegenstände wurden im Einsatz in der Regel abgedeckt bzw. getarnt.cite-ref-die-hessischen-j-ger-1987-10-1[10] In der Schlacht bei Minden am 1. August 1759 hinterlieĂen die preuĂischen Jäger einen groĂen Eindruck auf die verbĂźndeten britischen Offiziere. Der britische Oberst George Hanger berichtete noch in seinem 1814 erschienenen Buch Ăźber das SchieĂen davon, wie die präzisen BĂźchsenschĂźsse der preuĂischen Jäger in der Schlacht bei Minden, die versteckt aus einem kleinen WaldstĂźck agierten, einige franzĂśsische Offiziere auf dem offenen Feld zu Fall brachten.cite-ref-11[11] Die preuĂischen Jäger waren auch die ersten, die ihre ScharfschĂźtzen bereits paarweise einsetzen. Dabei nahm der zweite SchĂźtze (Sekundant), neben der Beobachtung, hauptsächlich die Sicherungsaufgabe wahr. Da die präzisen BĂźchsen, im Gegensatz zu den Infanteriemusketen, einen deutlich längeren Ladevorgang benĂśtigten, war der ScharfschĂźtze in dieser Zeit ungeschĂźtzt und wurde von dem zweiten SchĂźtzen gesichert. Erst wenn der erste SchĂźtze wieder feuerbereit war, gab einer der beiden den nächsten Schuss ab.cite-ref-12[12]
Ăsterreich setzte Mitte 18. Jahrhundert einen neuen Standard in den Jägereinheiten. Dort gab es eine einheitliche AusrĂźstung, die vom Dienstherren gestellt wurde. Ihre Dienstwaffe war ab 1759 das Jägergewehr M1759 und ab 1768 der Doppelstutzen M1768 fĂźr GrenzerscharfschĂźtzen, eine zweiläufige Waffe im Kaliber 14,8 mm, Gesamtlänge 104 cm, Gewicht 5,4 kg, fĂźr den Beschaffungspreis von 30 Gulden. Der Ăźbliche Beschaffungspreis fĂźr Militärgewehre lag in der Regel bei 4 bis 8 Gulden.cite-ref-diglib-uibk-ac-at-9-1[9] Der obere Lauf war ein gezogener BĂźchsenlauf fĂźr weite DistanzschĂźsse und der untere Lauf war ein glatter Lauf fĂźr den Nahkampf. DarĂźber hinaus erhielten die Jäger einen SpieĂ fĂźr den Nahkampf, an dessen Seite ein Haken angebracht war. Dieser Haken diente als Gewehrauflage fĂźr einen sicheren, ruhigen Schuss (SchieĂstock). Die Kombination Distanz-/Nahkampfwaffe war fĂźr die damalige Zeit sehr fortschrittlich. Auch heute haben die meisten ScharfschĂźtzen eine sogenannte Backup-Waffe wie eine Pistole oder kurze Maschinenpistole. Wenn ScharfschĂźtzen paarweise, also mit Beobachter arbeiten, dann verfĂźgt dieser meist Ăźber ein Sturmgewehr fĂźr die Nahsicherung. Im Ăśsterreich-ungarischen Heer wurden 1788â1790 sogenannte WindbĂźchsen (frĂźhe Druckluftgewehre) als ScharfschĂźtzengewehr getestet. Das Problem war aber der empfindliche Mechanismus, der einen feldmäĂigen Einsatz ausschloss.cite-ref-13[13]
Ein weiterer groĂer Schritt im ScharfschĂźtzenwesen war das am 24. Februar 1788 herausgegebene KĂśnigliche Reglement fĂźr die KĂśniglich PreuĂische Leichte Infanterie, welches den Einsatz und die Anzahl (10 pro Kompanie) der BĂźchsen-/ScharfschĂźtzen regelte. So gab es genaue Anweisungen fĂźr die Taktiken, die heute noch GĂźltigkeit haben, wie zum Beispiel, dass der SchĂźtze vorzugsweise aus einer geschĂźtzten Deckung wie z. B. Graben oder Zaun zu agieren hat oder aus einer ĂźberhĂśhten Position wie zum Beispiel einem Baum oder einem Haus. Dabei muss er die Stellung so wählen, dass er sich von dort zur nächsten Stellung ungesehen fortschleichen kann (ScharfschĂźtzenprinzip der Wechselstellung). Ein Jahr später wurde das Reglement dahingehend erweitert, dass die ScharfschĂźtzen durch zusätzliches Training in der Lage sein mĂźssen, aus sämtlichen Stellungen und Lagen (stehend, kniend, liegend) im Gelände zu schieĂen. Dieses Reglement war die erste bekannte schriftlich festgehaltene Ausbildungsanweisung fĂźr ScharfschĂźtzen; damit war zugleich die Basis fĂźr einen modernen ScharfschĂźtzenlehrgang gelegt.cite-ref-14[14]
Im Doppelherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach wurde 1790 eine rund 750 KĂśpfe starke ScharfschĂźtzeneinheit gebildet, ein sogenanntes BĂźchsenschĂźtzen-Bataillon. Die Unteroffiziere waren meist gelernte Berufsjäger. In der Schlacht bei Auerstedt stand das Bataillon auf dem äuĂersten rechten FlĂźgel. Dort deckte es mit Bravour den RĂźckzug des Kalckreuthschen Reserve-Korps.cite-ref-15[15]
Die deutschen Jäger hatten einen ausgesprochenen Korpsgeist. Dieser neuartige Ansatz eines selbständig kämpfenden Soldaten manifestierte sich auch in einem anderen Verhältnis der Offiziere zu ihren Jägern. Wurde der gemeine Soldat in einem Linienregiment als âHundsfottâ abgetan und auch gelegentlich angeredet, war es in der Jägertruppe Ăźblich, sich im damals als vornehm geltenden FranzĂśsisch als Monsieur (dt. âHerrâ) bzw. in der Mehrzahl Messieurs anzusprechen. Alleine die respektvollere Anrede stärkte den Zusammenhalt in der Jägertruppe zwischen Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften untereinander. DarĂźber hinaus hatten sie eigene Abzeichen wie z. B. eine Achselschnur (Vorläufer der SchĂźtzenschnur). Der elitäre Charakter der Jägertruppe spiegelte sich auch in einer Anordnung des preuĂischen Militärs vom 10. März 1813 wider, der besagte, dass Jägereinheiten, sofern mĂśglich, am regulären Dienstbetrieb wie Lager- oder Arbeitsdienst nicht zu beteiligen seien.
Den frĂźhesten militärkundlichen Beitrag zum Einsatz der Jäger stammt vom hessischen Feldjägerhauptmann Johann von Ewald. Die â Abhandlung Ăźber den kleinen Krieg (Kassel 1785 -158 Seiten-) â schrieb er nach seinem Einsatz im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und gilt als das erste Werk der Militärliteratur Ăźber den Partisanenkrieg. Die 1800, stark erweiterte Neuauflage, erschien im Verlag RĂśhss, Schleswig (448 Seiten). Themen waren u. a. Kriegslisten, Scheinangriffe, Einsatz von Reserven, Expeditionen in unbekannte Gegenden, Ăberfälle, Hinterhalte, Verfolgen des Feindes, RĂźckzĂźge, Umgang mit Verrätern und Ăberläufern usw.
Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg
Im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg rekrutierte Daniel Morgan 1775 eine Schßtzenkompanie mit ausgezeichneten Schßtzen, die zumeist mit der präzisen Pennsylvania-Bßchse(Kentucky Rifle) ausgerßstet waren. Die Pennsylvania-Bßchse (Kentucky Rifle) hatte ihren Ursprung in der deutschen Pirschbßchse, die aber relativ schwer war. Laut den Historikern Timothy Trussell und Joel Dworsky von der Millersville University of Pennsylvania entwickelte Martin Meylin, ein deutscher Einwanderer aus Rheinland-Pfalz, das Kentucky Rifle, welches später als Pennsylvania Rifle bekannt wurde. Das Pennsylvania-Rifle/Kentucky Rifle war nur noch halb so schwer war wie die deutsche Pirschbßchse und hatte aber einen längeren Lauf. Dieser längere Lauf erhÜhte die Treffsicherheit auf Ziele, die bis zu 200 Meter entfernt waren. Auch das Kaliber wurde auf einen Durchmesser von 11,4 mm (Kaliber. 45) reduziert. Durch das kleinere Kaliber konnte der Schßtze deutlich mehr Munition und Pulver mit sich fßhren.cite-ref-16[16]cite-ref-17[17] Morgan geriet in britische Gefangenschaft, und im Zuge eines Gefangenenaustausches kam er 1777 wieder zur Kontinentalarmee. Dort wurde er Kommandeur einer 500 Mann starken Schßtzeneinheit, die als leichte Infanterie und Plänkler eingesetzt wurden. Deren bevorzugte Ziele waren, genau wie bei den deutschen Jägern, Offiziere und Kanoniere. Einer seiner besten Schßtzen war Timothy Murphy. 1777 war Murphy bereits sehr kampferprobt. 1776 kämpfte er sowohl bei der Belagerung von Boston als auch in der Schlacht von Long Island. Während dieser Zeit wurde er zum Unteroffizier befÜrdert. Während der Schlacht von Saratoga wurden die britischen Soldaten zurßckgedrängt. Brigadegeneral Simon Fraser konnte sie aber wieder erneut sammeln. Benedict Arnold (der berßhmteste Verräter Amerikas) erkannte dies und ritt zu General Morgan, zeigte auf Fraser und sagte ihm, dass dieser Mann ein Regiment wert sei. Der Legende nach rief Morgan Murphy zu sich und befahl ihm: Dieser tapfere Offizier ist General Fraser. Ich bewundere ihn, aber es ist notwendig, dass er stirbt; tun Sie Ihre Pflicht. Daraufhin soll Murphy auf einen Baum geklettert sein und drei Schßsse auf Fraser abgegeben haben. Der erste Schuss traf den Sattel des Generals, der zweite traf den Hals des Pferdes. Der dritte Schuss verwundete Fraser tÜdlich, er starb noch in derselben Nacht an seiner Schussverletzung. Murphys Leben ist das Thema von John Bricks Roman The Rifleman aus dem Jahr 1953.cite-ref-18[18] Ob Murphy wirklich der tÜdliche Schßtze war, der General Fraser erschoss, ist unter Experten umstritten, da Fraser ein sehr kampferprobter Soldat war. Spätestens nach dem zweiten Treffer hätte er bemerkt, dass er das Ziel eines Präzisionsschßtzen ist und hätte seine Position gewechselt bzw. wäre in Bewegung gewesen. Vielmehr geht man heute von mindestens zwei verschiedenen Schßtzen aus.
Auf britischer Seite wurde Captain Patrick Ferguson im Januar 1777 beauftragt, eine mit BĂźchsen ausgerĂźstete SchĂźtzeneinheit von 100 Mann aufzustellen. Am 4. September fĂźhrte Ferguson eine kleine Einheit, um die Lage aufzuklären. Er erkannte zwei amerikanische Offiziere. Ferguson verbot seinen Männern, auf diese zu schieĂen, da er es fĂźr unehrenhaft hielt, sie hinterrĂźcks zu erschieĂen. Ein paar Tage später erfuhr er, dass die beiden Offiziere mit groĂer Wahrscheinlichkeit George Washington und Kazimierz PuĹaski waren.cite-ref-19[19] Ferguson fiel 1780 in der Schlacht am Kings Mountain. Der Oberbefehlshaber der britischen Armee in Nordamerika, William Howe, lĂśste Ende 1777 Fergusons SchĂźtzenkompanien auf.
Hessische Jäger im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg
FĂźr den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg wurden 30.000 deutsche SĂśldner von den Briten angekauft. Da der GroĂteil dieser Truppe, nämlich 19.000 Soldaten, aus der Landgrafschaft Hessen-Kassel handelte, bĂźrgerte sich bald der Begriff Hessen bzw. Hessians fĂźr alle deutschen Truppen ein. Unter dem Eindruck der preuĂischen Jäger bei der Schlacht bei Minden waren die Briten sehr an deutschen Jägern interessiert, vor allem als Gegenpart zu den amerikanischen Riflemen. FĂźr einen ausgebildeten Jäger zahlten die Briten deutlich mehr Geld und aufgrund ihres Elitestatus waren die Jäger von manuellen Arbeitsdiensten befreit.cite-ref-20[20] Wie in Hessen-Kassel Ăźblich, zahlten auch die Briten den hessischen Jägern, aufgrund ihrer besseren Ausbildung, deutlich mehr Sold als den regulären Infanteristen. Während der reguläre Infanterist 12 Schilling erhielt, bekam der hessische Jäger ein Pound (Pfund) Sold. 12 Pence = 1 Shilling, 20 Shilling = 1 Pound (Pfund). Aufgrund der Tatsache, dass die Briten mehr fĂźr einen ausgebildeten Jäger zahlten, wurden die hessischen Jägerkompanien teilweise auch mit regulären Soldaten aufgefĂźllt, die nicht dem hohen Standard an AusrĂźstung und vor allem an Ausbildung entsprachen. Trotzdem reichten die âechtenâ hessischen Jäger aus, um ihren legendären Ruf zu begrĂźnden. Die hessischen Jäger operierten vorzugsweise in kleineren Einheiten. Ihre Hauptaufgaben waren die Ausschaltung der Riflemen, Aufklärungsdienst, Ausschaltung feindlicher Offiziere und Kanoniere. Bei groĂen Frontalangriffen hatten sie die Flanken zu sichern und bei amphibischen Unternehmen gingen sie stets als erste an Land und schirmten die Ausschiffung der Truppen ab. Zusätzlich waren sie auf Partisanen-Einsätze spezialisiert und das Anlegen von Hinterhalten.cite-ref-21[21] Ăber die Kampfweise der hessischen Jäger wurde berichtet, dass sie kaltblĂźtig warteten, bis sie einen Mann genau aufs Korn genommen hatten und die hohe Trefferzahl fĂźhrte meist zum RĂźckzug des Gegners.cite-ref-22[22] So behaupteten sich 33 hessische Jäger, von den Amerikanern auch âGreencoatsâ (GrĂźnrĂścke) genannt, unter der FĂźhrung des Hauptmanns Johann von Ewald beim RĂźckzugsgefecht am Pass bei Portsmouth gegen eine 800 Mann starke, vom Marquis de La Fayette gefĂźhrte Ăbermacht. Als deren Bajonettangriff im Feuer der verschanzten hessischen Jäger liegenblieb, forderte Lafayette die amerikanischen Riflemen an. So entstand eines der ersten bekannten ScharfschĂźtzengefechte. Die hessischen Jäger konnten jedoch aufgrund ihrer besseren Disziplin weiterhin die Oberhand behalten. Als Erkenntnis dieser Schlacht fĂźhrte La Fayette später in der franzĂśsischen Revolutionsarmee je eine Kompanie Jäger mit BĂźchsen carabine de Versailles pro Bataillon ein. Aufgrund mangelnder Ausbildung und ausbleibender Erfolge im Gefecht wurden diese Einheiten jedoch wieder aufgelĂśst bzw. später wieder mit Musketen bewaffnet.cite-ref-jan-boger-1987-23-0[23] Auch am 22./23. Dezember 1777 konnte Johann von Ewald mit seinen hessischen Jägern am Mount Holly (100 km sĂźdĂśstlich von Burlington) eine wesentlich stärkere amerikanische Einheit in die Flucht schlagen. In einem amerikanischen Bericht wurde Ăźber die hessischen Jäger geschrieben, dass sie alles mit ihrer BĂźchse erreichten, was ihr Blick erspähte. Aber auch Ăźber die amerikanischen Riflemen wurde respektvoll bei den hessischen Jägern gesprochen. Im Bericht eines hessischen EinheitsfĂźhrers hieĂ es Ăźber die Riflemen, dass sie sehr gute SchĂźtzen seien. âGenau wie wir (hessischen Jäger) erklimmen sie Bäume, kriechen auf dem Bauch, schieĂen präzise und verschwinden ebenso schnell wie sie aufgetaucht sindâ. FĂźr den guten Ruf der hessischen Jäger sorgte, neben der elitären Ausbildung, auch ihre Disziplin innerhalb der Truppe und ihr Verhalten gegenĂźber der ZivilbevĂślkerung. Am 16. September 1776 bei der Schlacht von Harlem Heights befreiten die hessischen Jäger die Scottish Highlander aus einer bedrohlichen Lage. Danach beschĂźtzten sie die Einwohner von Manhattanville vor britischen PlĂźnderern, obwohl sie mit den Briten verbĂźndet waren. Johann von Ewald und seine hessischen Jäger genossen bei ihren amerikanischen Gegnern einen so legendären Ruf, dass die amerikanischen Generäle Henry Knox und Alexander McDougall Ewald nach dem Krieg nach Fort West Point zum gegenseitigen Austausch von Kampferfahrungen einluden. Eine Einladung zum Verbleib in Amerika mit der Zusage einer grĂśĂeren Landzuweisung von General Knox lehnte Ewald hĂśflich ab.cite-ref-die-hessischen-j-ger-1987-10-2[10]
GroĂbritannien, Frankreich, Italien und Portugal
In GroĂbritannien wurde 1777 Captain Patrick Ferguson beauftragt eine SchĂźtzeneinheit mit 100 Mann, ausgerĂźstet mit BĂźchsen, aufzustellen. Als Antwort auf die amerikanischen BĂźchsenschĂźtzen, die in klassischer Jägermanier den Briten zusetzten. Der Oberbefehlshaber der britischen Armee in Nordamerika, William Howe, lĂśste Ende 1777 Fergusons SchĂźtzenkompanien auf. Des Weiteren wurde 1800 eine experimentelle SchĂźtzeneinheit aufgestellt, die 1802 in das reguläre Feldheer als 95th (Rifle) Regiment of Foot aufgenommen wurde. Sie waren mit der Baker Rifle, einer BĂźchse im Stil deutscher JägerbĂźchsen, bewaffnet und trugen dunkelgrĂźne UniformrĂścke sowie dunkelgrĂźne oder graue Hosen anstatt der auffälligen roten UniformrĂścke und weiĂen Hosen der Linieninfanterie. Der berĂźhmteste SchĂźtze dieser Einheit war Thomas Plunkett, der am 3. Januar 1809 den Brigadegeneral Auguste François-Marie de Colbert-Chabanais auf 140 Meter tĂśtete.cite-ref-elbierzodigital-com-24-0[24]
In den meisten europäischen Heeren, wie in Frankreich, Italien, Spanien und Portugal maà man der Entwicklung des Scharfschßtzenwesens bis zum Ersten Weltkrieg keine besondere Bedeutung bei.
In Frankreich fĂźhrte der Marquis de La Fayette, durch seine Erfahrungen mit den disziplinierten hessischen Jägern im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, in der franzĂśsischen Revolutionsarmee je eine Kompanie Jäger mit BĂźchsen carabine de Versailles pro Bataillon ein. Dies musste er aber bald wieder revidieren, da eine Waffe mit gezogenem Lauf aus einem BĂźrger von Paris noch keinen Jäger bzw. ScharfschĂźtzen machte. Diese SchĂźtzeneinheiten scheiterten kläglich, da ihre Mannschaften nicht Ăźber die erforderlichen SchieĂkenntnisse wie Ballistik, Pulvermenge, Geschossgewicht usw. verfĂźgten. Zudem fehlten ihnen essentielle Kenntnisse Ăźber das Verhalten und die Bewegung im Gelände. Nach den ersten Schlachten wurden diese Einheiten wieder aufgelĂśst bzw. später wieder mit Musketen bewaffnet.cite-ref-jan-boger-1987-23-1[23] Das berĂźhmteste Opfer der Koalitionskriege war Admiral Nelson. Er wurde durch den franzĂśsischen Marineinfanteristen Robert Guillemard aus ca. 50 Meter Entfernung am 21. Oktober 1805 in der Schlacht von Trafalgar erschossen. Ăber die Präzisionsfähigkeit von Guillemard streiten die Experten noch heute, da Guillemard nicht mit einer präzisen BĂźchse schoss, sondern lediglich mit einer Muskete vom Mast der Redoutable. FĂźr die Präzisionsfähigkeit von Guillemard spricht, dass es auch auf nur 50 m einen trainierten SchĂźtzen bedurfte, um mit einer Muskete auf diese relativ geringe Entfernung trotzdem zu treffen. Was wiederum fĂźr einen Zufallstreffer spricht, ist die Tatsache, dass beide Schiffe, alleine schon durch das Wasser, in Bewegung waren. Es wird vermutet, dass Guillemard auf dem Deck des britischen Flaggschiff Victory eine grĂśĂere Anzahl von hochdekorierten Offizieren sah und er einfach in die Mitte dieser Gruppe schoss, wo er mehr zufällig als gezielt Nelson traf.cite-ref-25[25]
In Italien bzw. im piemontesischen Heer wurden 1786 die Cacciatori (Jäger) aufgestellt. Diese gingen in die Bersaglieri Ăźber welche am 18. Juni 1836 gegrĂźndet wurden und bis heute in der italienischen Armee existieren. Die ursprĂźnglich als Jägertruppe aufgestellten Bersaglieri wandelten sich nach dem Zweiten Weltkrieg von einer schnellen, motorisierten Infanterietruppe zu einer mechanisierten Infanterietruppe. Da auch die âLinieninfanterieâ schrittweise mechanisiert wurde, gab es bald keine wesentlichen Unterschiede mehr zwischen beiden Truppengattungen.cite-ref-26[26] Die Bersaglieri tragen heute noch als markantes Teil ihrer Uniform schwarz/grĂźne Hahnenfedern an der rechten Seite ihres Hutes. Diesen Kopfputz aus Hahnenfedern befestigten sie teilweise, nach der EinfĂźhrung des Helmes im Jahre 1916, auch an ihre Helmen. Heutzutage beschränkt sich das Tragen der Hahnenfedern auf den Dienstanzug.cite-ref-27[27]
In Portugal wurde 1808 eine Heeresreform durchgefßhrt. Mit dieser Aufgabe wurde der britische Armeegeneral William Beresford betraut. Ein Teil dieser Reformen war die Aufstellung der Caçadores (Jäger) Bataillone. In diesen Bataillonen waren die meisten Kompanien aber mit Musketen ausgerßstet. Nur eine Kompanie pro Bataillon wurde mit Bßchsen ausgerßstet. Diese Soldaten wurden Atiradores genannt. Eines der auffälligsten Merkmale der Caçadores war ihre hellbraune Uniform im Gegensatz zu den grßnen Jägeruniformen der britischen und der verschiedenen deutschen Armeen. Die hellbraune Uniform wurde fßr die trockenen Gebiete der Iberischen Halbinsel als geeigneter angesehen. Die Bataillone und späteren Regimenter der Caçadores bildeten im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts weiterhin die leichte Infanterie der portugiesischen Armee. 1911 wurde entschieden die Caçadores-Einheiten aufzulÜsen und sie in Linieninfanterie-Regimenter umzuwandeln.cite-ref-28[28]
Koalitionskriege
Die spezielle preuĂische Ausbildung und das SchieĂtraining seit 1788 zeichnete sich spätestens in den Koalitionskriegen aus. Ăberall, wo die preuĂischen ScharfschĂźtzen des FuĂjägerregiments auf franzĂśsische Tirailleure trafen, zeigte sich die Ăźberlegene SchieĂleistung der preuĂischen Jäger: so wie beim RĂźckzugsgefecht am 1. November 1806 unter der FĂźhrung von Ludwig Yorck von Wartenburg bei Nossentin. In dem waldreichen Gebiet konnte die franzĂśsische Ăbermacht nur eingeschränkt kämpfen, und so fĂźgten die preuĂischen Jäger ihr starke Verluste zu. Aus dem Yorckschen Regiment sind namentlich zwei Jäger bekannt. Bei Wahren wurde dem Oberjäger Schubert die BĂźchse zerschossen und dabei die rechte Hand verletzt. Er griff zur BĂźchse eines gefallenen Kameraden und kämpfte weiter und wurde wenige Minuten später zum zweiten Mal, dieses Mal im Mundbereich, verwundet. Er spie die zerbrochenen Zähne aus und kämpfte weiter. Friedrich RittmĂźller, ein anderer Jäger aus dem Yorckschen Regiment, zeichnete sich dadurch aus, dass er sich mehrmals an franzĂśsische Kavallerieplänkler heranpirschte, sie vom Pferd schoss und die Beutepferde einsammelte. Eine Zeitlang kämpfte er mit den preuĂischen Husaren auf Streifenpatrouille, ritt auf BĂźchsenschussweite an die gegnerischen Abteilungen heran und schoss deren Offiziere ab. Diese Vorgehensweise, als ScharfschĂźtze in einer kleinen Kampfgruppe, entspricht dem heutigen GruppenscharfschĂźtzen.
Die Militärregierung der preuĂischen Provinz Schlesien erlieĂ am 26. April 1813 einen Befehl zur Aufstellung einer Jägereinheit aus Jägern, FĂśrstern und Wilderer. Den Wilderern wurde Straffreiheit und eine spätere Einstellung als Forstgehilfe zugesichert. DarĂźber hinaus wurden jedem Jäger 3 Taler versprochen fĂźr jeden feindlichen Infanteristen, der mittels Präzisionsschuss (feindlicher SchĂźtze hinter Wällen oder SchieĂscharten) getĂśtet wurde.cite-ref-29[29]
Eine Sonderform der deutschen Jägereinheiten bildeten die 1813 aufgestellten LĂźtzower Jäger oder auch Schwarze Jäger genannt, obwohl nur ein kleiner Teil der Truppe tatsächlich aus Jägern bestand. Die Jäger mussten fĂźr AusrĂźstung und Bewaffnung meist selbst sorgen, durften aber ihre Offiziere und Unteroffiziere frei wählen. Grundlage fĂźr die Aufstellung dieses und weiterer Freikorps war die AllerhĂśchste Kabinetts-Ordre (AKO) vom 3. Februar 1813 Ăźber die Aufstellung freiwilliger Jägerdetachements. Der preuĂische Generalleutnant und Heeresreformer Gerhard Johann von Scharnhorst leitete 1813 die Vorbereitungen zum Befreiungskrieg u. a. mit einem Konzept (âInstruktion fĂźr die Streifdetachementsâ â eine Anleitung zum Partisanenkrieg) fĂźr den operativen Einsatz des LĂźtzower Freikorps, benannt nach ihrem FĂźhrer Major Adolf von LĂźtzow, als eine Art Partisanentruppe, ein. Offiziell hieĂ der Verband KĂśniglich PreuĂisches Freicorps, aber bekannt wurden die Freischärler als Schwarze Jäger. Da sie ihre Uniformen selbst finanzieren mussten, hatte LĂźtzow dafĂźr die einzige Farbe gewählt, in die sich jede schon vorhandene Uniform/KleidungsstĂźck umfärben lieĂ. Des Weiteren war Schwarz als Uniformfarbe zur damaligen Zeit eher ungewĂśhnlich und hatte daher einen hohen Erkennungswert. Von den schwarzen Uniformen (schwarzes Tuch, rote Paspeln, goldene KnĂśpfe) leiteten sich die deutschen Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold her. Während der Truppe der Erfolg bei groĂen Schlachten verwehrt blieb, kämpfte die Einheit sehr erfolgreich im Partisanenkrieg wie z. B. am 26. August 1813 ca. 20 km vor Schwerin. Dort Ăźberfiel die Einheit eine franzĂśsische Nachschubkolone. Beim Verlust von nur vier eigenen Kämpfern lagen am Schluss mehr als 50 franzĂśsische Soldaten entweder tot oder verwundet am Wegesrand. Von den 40 Wagen konnten 38 erfolgreich in Besitz genommen werden. Mit der Abdankung von Napoleon am 6. April 1814 wurde das LĂźtzowsche Freikorps in zwei reguläre Regimenter umgewandelt. Der Dienst der freiwilligen Jäger aber war beendet und sie kehrten wieder ins Zivilleben zurĂźck.cite-ref-30[30]
Auch die hessischen Jäger kämpften in den Koalitionskriegen. Ăber ihre gute Ausbildung und Präzision ist eine Anekdote aus dem Ersten Koalitionskrieg Ăźberliefert. Gefangene franzĂśsische Soldaten urteilten, nach dem Gefecht am 6. September 1792 bei Clermont-en-Argonne, Ăźber die hessischen Jäger: âAh, mack Chasseur mit Chapeau (Jägerhut) puff â gleich sein kaputt; mack Chasseur mit Bonnet (FĂźsilierkappe der leicht Infanterie) puff, is nix, mack nix kaputt!â Neben dem aktiven Jägerkorps gab es auch bei den hessischen Jägern, im Rahmen des Landsturms, eine sogenannte Landjägertruppe. Diese wurde aber meist nur fĂźr den einfachen Patrouillendienst oder fĂźr den Bau von Sperren eingesetzt. Die Mannschaft setzte sich aus älteren FĂśrstern und Jägern zusammen.cite-ref-die-hessischen-j-ger-1987-10-3[10]
In der Schlacht von Waterloo am 18. Juni 1815 hatten die Jäger vom KurfĂźrstentum Braunschweig-LĂźneburg einen entscheidenden Anteil am Sieg der Koalition. Die 400 deutschen Jäger, unter dem Kommando des hannoverschen Majors Georg von Baring, waren ein Teil der KĂśniglich Deutschen Legion (Kingâs German Legion). Sie hatten den Auftrag, den Meierhof La Haye Sainte zu besetzen bzw. zu halten, der etwa 400 Meter vor der britischen Front lag und somit von zentraler Bedeutung war. Mit einer Ăbermacht von 10.000 franzĂśsischen Kavalleristen griff Marschall Ney, dem Napoleon das Kommando Ăźber das Zentrum Ăźbertragen hatte, um 15 Uhr La Haye Sainte und den benachbarten Bauernhof Hougoumont an. Nachdem sein Angriff erfolgreich abgewehrt wurde, befahl Ney am späten Nachmittag einen Infanterieangriff. Der hatte endlich Erfolg, vor allem, weil den Jägern die Munition ausging. Man schätzte, dass bei den Kämpfen um den Meierhof 2000 franzĂśsische Soldaten getĂśtet wurden. Vor allem aber verhinderte der Widerstand der Jäger, dass Napoleon frĂźh genug seinen Angriff gegen Wellingtons Zentrum vortragen konnte. Als die Alte Garde gegen 18:30 Uhr schlieĂlich vorrĂźckte, war es zu spät. Die PreuĂen, unter Generalfeldmarschall von BlĂźcher, hatten das Schlachtfeld erreicht und besiegelten die Niederlage von Napoleon. Laut des irischen Historikers Brendan Simms spielte die Verteidigung von La Haye Sainte eine entscheidende Rolle bei Napoleons Niederlage.cite-ref-31[31]
Amerikanischer BĂźrgerkrieg
Nach den Koalitionskriegen gab es keine Zweifel mehr, dass sich die KriegsfĂźhrung durch den Einsatz von BĂźchsen ändern wĂźrde. Der Sezessionskrieg zeigte bereits einige Elemente der modernen KriegsfĂźhrung wie die Verwendung von GeschĂźtzen mit gezogenem Lauf, Telegraphen und Eisenbahnen. Trotzdem standen sich die Soldaten noch grĂśĂtenteils Schulter an Schulter in Linie gegenĂźber, obwohl die Soldaten mehrheitlich bereits mit BĂźchsen ausgerĂźstet waren. Diese waren aber zum grĂśĂten Teil noch Vorderlader, während man z. B. bei der PreuĂischen Armee bereits das Dreyse-ZĂźndnadelgewehr (Hinterlader) Modell 1841 eingefĂźhrt hatte. Auch gab es bereits Mehrladergewehre, die aber von der militärischen FĂźhrung abgelehnt wurden mit der BegrĂźndung, dass bei Verwendung dieser Gewehre der Infanterist die Munition im ĂbermaĂ verschieĂen wĂźrde. Auf beiden Seiten wurden eigenständige ScharfschĂźtzeneinheiten aufgestellt, so etwa die Freiwilligen der United States Sharpshooters bzw. âBerdan-Sharpshootersâ (nach ihrem Kommandeur Hiram Berdan genannt) der Nordstaaten. Berdan war kein Absolvent einer Militärschule. Er war lediglich Maschinenbauingenieur und ein sehr guter SportschĂźtze. Er verdankte seinen Rang einzig dem Umstand, dass er die Aufstellung einer ScharfschĂźtzeneinheit Ăźbernommen hatte. Berdans Männer brachten anfangs ihre eigenen Jagd- oder Sportgewehre mit. Später erhielten sie das 5-Schuss-Revolvergewehr von Colt. Erst im Juni 1862 wurden sie mit dem Sharps Rifle ausgerĂźstet. Sie trugen dunkelgrĂźne UniformrĂścke, Hosen und FeldmĂźtzen anstatt der Ăźblichen dunkelblauen UniformrĂścke und hellblauen Hosen der Linieninfanterie. Das MĂźtzenabzeichen war ein Jagdhorn. Die Berichterstattung Ăźber Berdans ScharfschĂźtzen oder Ăźber die ScharfschĂźtzen des BĂźrgerkrieges im Allgemeinen waren oft gekennzeichnet von journalistischer Ăbertreibung bis hin zur Propaganda. So soll der SchĂźtze California Joe, von einer Baumkrone aus, einen Feind auf zwei Meilen Entfernung erschossen haben. Dies ist rein physikalisch nicht mĂśglich, da bei den meisten Schwarzpulvergewehren, selbst im gĂźnstigsten Abschusswinkel (ca. 35°), die Kugel bei maximal 1500 m zu Boden fällt. Des Weiteren ergaben verlässliche Berichte der Berdan-Sharpshooter, dass bei Schwarzpulvergewehren, aufgrund der schwachen Energie, der tĂśdliche Bereich fĂźr Menschen bei max. 300 m lag und Treffer Ăźber 200 m nur mit etwas GlĂźck mĂśglich waren. Aufgrund von Wundbrand waren aber auch schon kleinere Schussverletzungen oftmals tĂśdlich. Erwiesen ist aber, dass der Brigadegeneral Amiel Weeks Whipple den Berdan-SchĂźtzen am 7. Mai 1863 zum Opfer fiel.
Auf der konfĂśderierten Seite wurde 1862 ein ScharfschĂźtzenregiment aufgestellt. Die SĂźdstaaten hatten mit Materialknappheit, vor allem in Bezug auf präzise Waffen, zu kämpfen. Zusätzlich kam noch die Seeblockade der Union dazu. Trotzdem gelang es ihnen, im geringen MaĂ, an britische Whitworth-Gewehr zu gelangen, die fĂźr ihre Präzision bekannt waren. Entgegen der versorgungstechnischen Probleme gelangten ihnen einige Erfolge. Die vermutlich prominentesten Opfer der konfĂśderierten ScharfschĂźtzen waren die Nordstaaten-Generäle John Sedgwick und John Fulton Reynolds. Sedgwick starb durch einen ScharfschĂźtzen, weil er nicht in Deckung ging. Als seine letzten Worte gelten: Auf diese Entfernung kĂśnnen die KonfĂśderierten selbst einen Elefanten nicht treffen. Reynolds fiel in der Schlacht von Gettysburg.cite-ref-32[32]cite-ref-33[33] Ein weiteres bekanntes Opfer der konfĂśderierten ScharfschĂźtzen war der Generalmajor Hiram Gregory Berry der am 3. Mai 1863 in der Schlacht bei Chancellorsville fiel. Bei Fredericksburg verhinderten konfĂśderierte ScharfschĂźtzen stundenlang den Ăbergang Ăźber einen Fluss. Sie lieĂen sich auch nicht durch massiven Artilleriebeschuss vertreiben. Erst als ein Infanterieregiment auf Booten Ăźbersetze, konnten sie die KonfĂśderierten im Häuserkampf vertreiben. Die wenig verwendeten Zielfernrohre waren auf beiden Seiten meist ohne Linsen. Es waren in der Regel lange, Ăźber den gesamten Lauf reichende Messingrohre, sozusagen eine Zielhilfe ohne Optik, die nur sehr eingeschränkt einsetzbar waren, da man sie nicht verstellen konnte. Somit konnten sie nur fĂźr eine bestimmte Reichweite verwendet werden. DarĂźber hinaus musste der SchĂźtze gefĂźhlsmäĂig bzw. aufgrund von Erfahrung drĂźber oder drunter halten.cite-ref-34[34]
Burenkrieg
Im Burenkrieg erlitt die britische Armee starke Verluste durch burische ScharfschĂźtzen, vor allem als diese Ăźber das neue Mausergewehr Modell 95 im Kaliber 7 Ă 57 mm verfĂźgten. Der berĂźhmte amerikanische Schriftsteller und Jäger Jack OâConnor bezeichnete die 7 Ă 57 mm als eine der besten Patronen fĂźr den Allround-Einsatz.cite-ref-35[35] Während die Briten versuchten, die Buren konventionell zu besiegen, nutzten diese ihre guten Ortskenntnisse und Erfahrungen als Jäger aus. Ihre berittenen Kommandos verfĂźgten Ăźber eine hohe Mobilität und sie fĂźgten den britischen Verbänden schwere Verluste zu.cite-ref-36[36] Daraufhin stellte Lord Lovat die Lovat Scouts auf, deren Kern aus Jägern, WildhĂźtern und Waldarbeitern aus dem schottischen Hochland bestand. Im Einsatz waren die Lovat Scouts Major Frederick Russell Burnham unterstellt. Nach dem Zweiten Burenkrieg wurden die Lovat Scouts 1902 aufgelĂśst. Beide Seiten verwendeten keine Zielfernrohre. Einerseits waren sie technisch nicht ausgereift und anderseits sehr kostspielig. Auch waren die Montagen noch nicht fĂźr einen robusten Militäreinsatz geeignet. Dies änderte sich erst mit Beginn des Ersten Weltkrieges.
Beginn des modernen ScharfschĂźtzenwesens
Ein in der ScharfschĂźtzenliteratur kaum beachteter, aber wichtiger Zwischenschritt, war die Entwicklung des Hinterladergewehrs. Dies hatte neben dem deutlich schnelleren Ladevorgang den groĂen Vorteil, dass der SchĂźtze nicht nur aus der Deckung schieĂen, sondern nun auch in der Deckung sein Gewehr wieder laden konnte. Erste Versuche mit Hinterlader-HandbĂźchsen lassen sich bis in das späte 15. Jahrhundert zurĂźckverfolgen, die jedoch aufgrund zahlreicher technischer Probleme noch keine weitere Verbreitung fanden.cite-ref-37[37] Hinterlader von Ernst Friedrich von Holtzmann wurden zwar von Friedrich dem GroĂen im Krieg eingesetzt, jedoch wieder verworfen.cite-ref-38[38] Das erste praxistaugliche Hinterladergewehr, das Dreysesche ZĂźndnadelgewehr, wurde 1836 fĂźr die die preuĂische Armee entwickelt und gebaut. Es ist die Entwicklungsbasis fĂźr Repetierwaffen und Selbstlader. Das Dreyse-ZĂźndnadelgewehr Modell 1841 war wohl der bedeutendste Schritt in der Geschichte des Militärgewehrdesigns. Nach dem preuĂischen Erfolg in der Schlacht von KĂśniggrätz im Deutschen Krieg 1866 konnten sich Hinterladergewehre schlieĂlich auch in anderen Armeen durchsetzen.cite-ref-39[39]
Die Entwicklung des modernen ScharfschĂźtzenwesens im eigentlichen Sinne begann mit dem Ersten Weltkrieg. Bis dahin wurden die entscheidenden Elemente eines präzisen ScharfschĂźtzengewehres entwickelt wie die industrielle Herstellung von Gewehren mit gezogenem Lauf, zuverlässige Patronen aus Metall, rauchloses Nitrocellulosepulver und brauchbare Optiken. Der frĂźheste grĂśĂere Truppenversuch mit Zielfernrohrgewehren fand Mitte der 1890er Jahre in Deutschland statt, schwerpunktmäĂig mit dem Gewehr 88. Dabei wurden u. a. Zielfernrohre getestet, die Ernst Abbe (Zeiss) nach den Vorgaben des Freiherrn von Beaulieu-Marconnay entwickelte. Als Problem zeigte sich damals u. a. das Fehlen einer stabilen feldtauglichen Montage fĂźr den robusten Kriegseinsatz. Ein Ergebnis des damaligen Truppenversuchs war die Mauser Single Square Bridge Montage.
Erster Weltkrieg
Aufbau des deutschen ScharfschĂźtzenwesens
Als groĂer Vorteil fĂźr das deutsche Heer erwies sich der Umstand, dass es in Deutschland eine groĂe Jagd- und SchieĂkultur gab. Bis ins 12. Jahrhundert reichte die Tradition der deutschen SchĂźtzenvereine. Fast jeder Ort, vom Dorf bis zur Stadt, hatte einen SchĂźtzenverein. Die jährlichen SchĂźtzenfeste waren vielerorts der gesellschaftliche HĂśhepunkt. Dadurch waren viele junge Männer bereits geĂźbte SchĂźtzen, wenn sie vom Militär eingezogen wurden. Die relativ hohe Anzahl von FĂśrstern und Jägern im deutschen Heer beruhte auf zwei Faktoren. Nach der Revolution von 1848 durfte auch der nichtadlige BĂźrger offiziell jagen und aufgrund seiner GrĂśĂe (Ohne Kolonien: 541.000 Quadratkilometer, davon ein Drittel Wald) waren Forstwirtschaft und somit auch die Jagd ein bedeutender Industriezweig im Deutschen Reich von 1914. In GroĂbritannien war die Jagd hingegen ein exklusiver und teurer Sport und weitgehend den oberen Klassen vorbehalten.cite-ref-40[40] Ein weiterer Vorteil war, dass in Deutschland und Ăsterreich vielfach die Ansitzjagd, die Pirsch und Gebirgsjagd praktiziert wurde und so der Gebrauch von Zielfernrohren auf JagdbĂźchsen bereits lange vor Kriegsausbruch gebräuchlich war. Der Hamburger Versandkatalog Alfa, bot bereits 1911 auf 7 Seiten Montagen und Zielfernrohre der Firma SchĂźtz, Voigtländer, Fuess, Busch, Oigee, und Zeiss an. Die weltweit fĂźhrende deutsche Optikindustrie offerierte Ăźber 20 unterschiedliche Fabrikate mit fĂźnf VergrĂśĂerungsstufen von zwei bis achtfach und mehr als ein Dutzend verschiedene Absehen.cite-ref-41[41]
Ăber das deutsche ScharfschĂźtzenwesen existiert kaum mehr Dokumentation, da das preuĂische Militärarchiv bei einem Bombenangriff auf Potsdam am 14. April 1945 fast vollständig zerstĂśrt wurde.cite-ref-42[42] Dass die aufgefĂźhrten deutschen ScharfschĂźtzen alle aus Bayern kommen, resultiert daraus, dass das Bayrische Kriegsarchiv noch existiert. Aber auch dort sind Informationen Ăźber ScharfschĂźtzen kaum vorhanden, weil die Offiziere zwar sehr wohl die Effizienz der eingesetzten ScharfschĂźtzen erkannten, aber ihre Tätigkeit im Allgemeinen als hinterhältig und somit unehrenhaft galt. Dies erklärt auch, warum selbst die erfolgreichsten ScharfschĂźtzen kaum Ăźber dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet wurden. Einer der ganz wenigen bekannten ScharfschĂźtzen, der das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen bekam, war der Vizefeldwebel Franz Dumann 5. Kompanie/Reserve-Infanterie-Regiment 239, der am 25. November 1916 vor Tahure in Frankreich fiel. Seine genaue Abschusszahl ist nicht bekannt, aber auf seinem Grabstein stand u. a.: âEr war der beste ScharfschĂźtze des Regiments.âcite-ref-43[43] Die unterschiedlichen Ansichten bzw. Bewertung der ScharfschĂźtzen erkennt man auch bei den chronikfĂźhrenden Offizieren. Während ScharfschĂźtzen und ihre Tätigkeit bei einigen bayrischen Einheiten regelmäĂig erwähnt wurden wie z. B. beim KĂśniglich Bayerischen 12. Infanterie-Regiment âPrinz Arnulfâ, wurden sie bzw. ihre Tätigkeit bei den meisten Einheiten Ăźberhaupt nicht oder nur bei Ordensverleihungen erwähnt.cite-ref-44[44]
Im Herbst 1914 lieĂ der deutsche Herzog von Ratibor (Victor II. Amadeus von Ratibor, 1895 Präsident ADJV) ca. 20.000 Jagd- und Sportgewehre im Militärkaliber 7,92 Ă 57 mm mit Zielfernrohren an die erstarrte Westfront schicken. Parallel wurden zusätzlich weitere 15.000 Gewehre 98 mit Zielfernrohr bestellt. Da die Deutschen im Dezember 1914 mit einer ScharfschĂźtzenausbildung begannen, wurden die ersten Gewehre hauptsächlich den Jägerbataillonen zugeteilt und im Gegensatz zu anderen Ländern in der Regel nur an Soldaten ausgegeben, die im Umgang mit Zielfernrohren ausgebildet waren, wie Jäger, FĂśrster oder SportschĂźtzen.cite-ref-45[45]cite-ref-46[46]cite-ref-47[47] Auch an Wilderer wurden Zielfernrohrgewehre ausgegeben. So an den am 2. Mai 1891 in Reisbach geborenen, mehrfach vorbestraften bayrischen Wilderer Georg Herrnreiter, der es mit 121 bestätigten AbschĂźssen zum Gefreiten brachte. Einzelne Quellen berichten von 150 AbschĂźssen. Es ist anzunehmen, dass er die Zahl 121 bis zu seiner Verleihung der Bayerischen Tapferkeitsmedaille erzielte und 150 sein Gesamtergebnis ist.cite-ref-48[48] Seine enorme Anzahl an AbschĂźssen erzielte er grĂśĂtenteils innerhalb einer relativ kurzen Zeit. Dies lag daran, dass er die meisten AbschĂźsse am Anfang des Krieges erzielte und die Alliierten diese AbschĂźsse fĂźr Zufallstreffer oder Querschläger hielten. Die Alliierten waren zu diesem Zeitpunkt mit dem deutschen ScharfschĂźtzenwesen bzw. mit ScharfschĂźtzen allgemein nicht vertraut. Erst als sie die ersten Zielfernrohrgewehre in den deutschen SchĂźtzengräben entdeckten, erkannten sie, dass es sich um gezielte SchĂźsse von ScharfschĂźtzen handelte.cite-ref-referencea-49-0[49] Trotz seiner Vorstrafen wurde Herrnreiter mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und der Bayerischen Tapferkeitsmedaille in Gold ausgezeichnet, der hĂśchste Tapferkeitsauszeichnung Bayerns fĂźr Nicht-Offiziere.cite-ref-50[50]
Mit der Bayerischen Tapferkeitsmedaille in Gold wurden ebenfalls der Gefreite der Reserve Karl Riedl, ScharfschĂźtze der 3. Kompanie des 12. bay. Res.-Inf.-Regiment, geboren in Feldheim, und Leonhard Schober, ScharfschĂźtze der 2. Kompanie, ebenfalls vom 12. bay. Res.-Inf.-Regiment, ausgezeichnet. Schober, im Zivilen herzoglicher Jäger, geboren in Scharling (Kreuth), erhielt seine Auszeichnung fĂźr das Gefecht am 26. November 1914 bei Ăcurie vor Arras, wo er als ScharfschĂźtze durch ruhiges und wohlgezieltes Feuer zur Niederhaltung des Gegners wesentlich beitrug.
Obwohl die Tätigkeit des ScharfschĂźtzen eine klassische Mannschaft/Unteroffiziersaufgabe ist, gab es aber auch deutsche Offiziere an der vordersten Front, mit jagdlichem Hintergrund, die sich ânebenbeiâ als ScharfschĂźtzen betätigten. Oftmals verwendeten sie dafĂźr ihre eigenen Jagdwaffen. So z. B. der Leutnant Graf Schall-Riaucour vom Generalkommando XII. Im Bericht des KĂśniglich Sächsisches Infanterie-Regiment Nr. 102 vom 3. Januar 1915 wird erwähnt, dass wenn er das Regiment besuchte, dass er dann mit seiner âFernrohrbĂźchseâ erfolgreich franzĂśsische Soldaten tĂśtete. Seine âFernrohrbĂźchseâ war sein privates Mauser-Jagdgewehr. Da er kein Frontoffizier an der vordersten Front war, ist es fraglich inwieweit seine ScharfschĂźtzentätigkeit mit seinem eigentlichen Auftrag Ăźbereinstimmte. Wahrscheinlich sahen seine Vorgesetzten, aufgrund seiner Erfolge, wohlwollend darĂźber hinweg.
Bereits am Anfang des Ersten Weltkriegs bewiesen deutsche ScharfschĂźtzen, dass sie ganze Angriffe zum Erliegen bringen konnten, wie Wilhelm BĂźttner aus SchĂśnberg in Mittelfranken. Der Vizefeldwebel der Landwehr von der 7. Kompanie des bayr. Res.-Infanterie-Regiment Nr. 15 wehrte zusammen mit dem Gefreiten Lindner mit ihren Zielfernrohrgewehren am 11. April 1915 im Bois-La-Faux-Ferry einen franzĂśsischen Angriff ab. BĂźttner wurde unter anderem mit der Bayerischen Tapferkeitsmedaille in Silber und dem Militärverdienstkreuz 2. Klasse ausgezeichnet.cite-ref-bayrisches-kriegsarchiv-1928-51-0[51] Der durch ein Foto mit seinem Beobachter bekannteste deutsche ScharfschĂźtze war der Gefreite Walter Schmidt mit 200 bestätigten und vielen weiteren unbestätigten AbschĂźssen.cite-ref-kaiser-s-men-2011-52-0[52] Ebenfalls ein bekannter ScharfschĂźtze war der Gefreite Anton Gaskowski von der 5. Kompanie, IR 176. Innerhalb eines Jahres (Juli 1916 bis Juni 1917) hatte er 79 bestätigte AbschĂźsse. Als einer der schnellsten ScharfschĂźtzen galt der ehemalige Wilderer Georg MĂźhlberger. Durch seine extrem schnelle Zielerfassung und Schussabgabe galt er als einer der schnellsten und effektivsten ScharfschĂźtzen. Diese Fähigkeit war im direkten Angriff und Verteidigung von groĂem Vorteil, was er mit hohen Abschusszahlen bei diesen Gefechtsarten mehrfach unter Beweis stellte. Einige Einheiten zahlten Kopfprämien fĂźr bestätigte AbschĂźsse aus ihrer Regimentskasse, so z. B. zahlte das IR 141 fĂźr jeden Soldaten 10 Mark und 20 Mark fĂźr jeden getĂśteten Offizier. Dies war zur damaligen Zeit viel Geld, da der durchschnittliche Bruttomonatslohn eines Arbeiters zu dieser Zeit 100 Mark entsprach. Diese fragwĂźrdige Praxis fĂźhrte bei anderen Einheiten zu Kontroversen.cite-ref-53[53]cite-ref-54[54]
In der Armeeabteilung B wurden neben den regulären Scharfschßtzen in den jeweiligen Kompanien zusätzlich ab 3. April 1915 erstmalig geschlossene Scharfschßtzeneinheiten aufgestellt, die sogenannten Abschusskommandos. Sie wurden in einer Stärke von einem Offizier, vier Unteroffizieren und 48 Scharfschßtzen gebildet. Unterteilt wurde die Kommandos in vier Gruppen à 12 Scharfschßtzen, mit einem Unteroffizier als Gruppenfßhrer. Die Abschusskommandos wurden den Divisionen zugeteilt und operierten selbständig bei den jeweiligen Brennpunkten. Der bekannteste Scharfschßtze der Abschusskommandos war der Gefreite Bohlen, der an einer einzigen Stelle des franzÜsischen Grabensystems 20 franzÜsische Soldaten tÜtete. Des Weiteren rettete Bohlen durch einen schnellen Schuss Leutnant von Raven, der von einem franzÜsischen Alpenjäger anvisiert wurde. Am 24. Oktober 1915 sprach Generalleutnant Adolf von Wencher den Abschusskommandos in seinem Tagesbefehl fßr die hervorragende Zusammenarbeit mit seiner Einheit seinen Dank aus.cite-ref-55[55]
Die Dominanz der deutschen ScharfschĂźtzen, vor allem in den ersten zwei Kriegsjahren, war neben ihrer guten Ausbildung auch auf die deutsche Optikindustrie zurĂźckzufĂźhren, die mit Herstellern wie Busch, Fuess, Gerard, Goertz, Hensoldt, Oigee, Voigtländer, Reichert und Zeiss fĂźhrend auf dem Weltmarkt waren. Ein Beleg fĂźr die hohe Qualität der deutschen Zielfernrohre war das britische Zielfernrohr Pattern ´18. Es ähnelte in seiner gesamten Bauweise, einschlieĂlich der Einhak-Montage, dem typischen deutschen Zielfernrohr. Durch die gute Qualität der deutschen Optiken konnten die deutschen ScharfschĂźtzen, im Gegensatz zu den Alliierten, auch nachts bei entsprechendem Mond eingesetzt werden, so z. B. in der Nacht 26/27 Februar 1915 bei Nieuwkerke. Aufgrund der starken deutschen ScharfschĂźtzenaktivitäten tagsĂźber verlegten die Briten ihre Arbeitstrupps in die Nacht. Da es aber kurz vor Vollmond war, wurde der Pionier Alex Hamilton von den 59th Field Company Royal Engineers um Mitternacht Opfer eines deutschen ScharfschĂźtzen. FĂźr den regulären Infanteristen entwickelte die Firma Carl Zeiss aus Jena ein zielfernrohrartiges Gerät fĂźr NachtabschĂźsse. Es bestand aus einem kurzen Tubus mit einer bifokalen Linse. Diese als Dämmerungsvisiereinrichtung bezeichnete Zieleinrichtung mit 2,5facher VergrĂśĂerung konnte ohne weiteres auf das Visier eines jeden gebräuchlichen Gewehrs 98 aufgesetzt werden. Des Weiteren wurde ein Hilfskorn mit einem weiĂen Dreieck auf das Korn aufgesteckt. Der SchĂźtze konnte das Ziel durch das Fernrohr erfassen und musste lediglich das Hilfskorn auf den Haltepunkt richten. Durch die vergleichsweise unkomplizierte Handhabung konnte nun auch ein gewĂśhnlicher SchĂźtze, wenn er daran ausgebildet war, relativ befriedigende Ergebnisse bei Dämmerung oder Mondnächten erzielen.cite-ref-56[56]cite-ref-57[57]cite-ref-58[58]
Ausbildung, Taktiken, Schussentfernungen und Gefechtsdienst deutscher ScharfschĂźtzen im Ersten Weltkrieg
Das ScharfschĂźtzenwesen besteht aus drei Säulen: SchieĂtechnik, Gefechtsdienst und Taktik. Schwerpunkt der Feldausbildung ist Tarnung und die Pirsch.
Ausbildung deutscher ScharfschĂźtzen
⢠Die Praxis zeigte, dass ein ausgezeichneter SportschĂźtze an der Front ohne Ausbildung oder zumindest jagdliche Erfahrung in der Regel nicht Ăźberleben wird. Wie im Fall des britischen Offiziers Leutnant Harcourt Ommundsen von der Honourable Artillery Company (ist eine reine Infanterieeinheit, auch wenn der Name fälschlicherweise eine Artillerieeinheit suggeriert). Ommundsen war ein SportschĂźtze von Weltklasseformat und zweimaliger olympischer Silbermedaillengewinner. Beide Silbermedaillen errang er im Mannschaftswettbewerb und war dabei jeweils der beste SchĂźtze der Mannschaft. Seine Spezialität war das 600-Meter-SchieĂen mit dem Armeegewehr, was selbst nach heutigen MaĂstäben eine sehr groĂe Entfernung war. Am 30. September 1915 wurde er bei Ypern Opfer eines deutschen ScharfschĂźtzencite-ref-59[59]cite-ref-60[60] (obwohl einzelne Quellen von Granatbeschuss als Todesursache sprechen). Auch Private Harry Frost vom 5th Bataillon Manchester Regiment betätigte sich als ScharfschĂźtze, ohne jagdlichen Hintergrund oder fundierte Ausbildung als ScharfschĂźtze. Als er am 18. Mai 1916 einen deutschen ScharfschĂźtzen entdeckte, beschloss er, auf ihn zu schieĂen. Um zu sehen, ob er auch wirklich getroffen hatte, hob er seinen OberkĂśrper Ăźber den Grabenrand, lieĂ dabei alle Regeln der Tarnung und Wechselstellung auĂer Acht und wurde geradewegs von einem anderen deutschen ScharfschĂźtzen erschossen. Dies belegt die Taktik, dass die deutschen ScharfschĂźtzen oftmals in zwei Zweierteams (zwei ScharfschĂźtzen mit jeweils einem Beobachter) agierten und beide Teams sich gegenseitig sicherten.cite-ref-john-l-2017-61-0[61]
⢠Englische und franzĂśsische Berichte sprachen immer dann von heftiger ScharfschĂźtzentätigkeit, wenn sie einem deutschen Jägerbataillon gegenĂźberlagen.cite-ref-62[62] Der britische Major Hesketh-Prichard bemerkte, dass sich die Anzahl der Opfer von ScharfschĂźtzen jedes Mal signifikant erhĂśhte, sobald auf der deutschen Seite Jäger-Bataillone in den Graben einzogen. Da in diesen Einheiten eine groĂe Zahl von Jägern und FĂśrstern eingesetzt waren, titulierte er die ScharfschĂźtzen spaĂhaft als Fritz der FĂśrster. Sowohl der erfolgreichste ScharfschĂźtze des Ersten Weltkrieges Francis Pegahmagabow, als auch der erfolgreichste ScharfschĂźtze des Zweiten Weltkrieges Simo Häyhä hatten nie einen ScharfschĂźtzenlehrgang absolviert. Alleine durch ihre jagdliche Erfahrung wurden sie zu den erfolgreichsten ScharfschĂźtzen ihrer Zeit. Häyhä arbeitete Ăźberdies in den meisten Fällen nur mit Kimme und Korn. Seine Spezialität war ursprĂźnglich die Jagd auf FĂźchse und VĂśgel. An beiden lernte er das Anpirschen und das präzise SchieĂen.cite-ref-63[63]
⢠Die erste Erwähnung einer Scharfschßtzenausbildung findet man im Kriegstagebuch des KÜniglich Sächsischen Infanterie-Regiments Nr. 102 vom 24. Dezember 1914. Unteroffiziere, die bereits als Scharfschßtzen bezeichnet wurden, wurden dort auf Gewehre mit Zielfernrohren in der Bedienung eingewiesen.
⢠Der erste belegte ScharfschĂźtzenlehrgang der Militärgeschichte wurde im April 1915 bei der 87. Infanterie-Division durchgefĂźhrt und wurde als Zielfernrohr-Kursus bezeichnet (siehe Bild: ScharfschĂźtzenlehrgänge im deutschen Heer).cite-ref-64[64] Auch auf dem, damalig deutschen, TruppenĂźbungsplatz Elsenborn wurden ScharfschĂźtzen ebenfalls bereits 1915 ausgebildet.cite-ref-0-65-0[65] Das Infanterie-Regiment 28 hatte bereits Anfang 1915 eine eigene ScharfschĂźtzenabteilung. Das Schreiben des Stellv. Gen. Kdo. des II bayerischen Armeecorps vom 20. Januar 1916 legte fest, dass ab Januar 1916 die besten SchĂźtzen der Inf.-Ersatz-Bataillone zu ScharfschĂźtzen ausgebildet werden. Auch in der deutschen Landwehr gab es ScharfschĂźtzenschulen wie z. B. in der Armeeabteilung B. Das KĂśniglich Bayerische 3. Landwehr-Infanterie-Regiment hatte ganze ScharfschĂźtzenzĂźge in einer Stärke von 50 Mann. Auch bei deutschen StoĂtrupps wurden ScharfschĂźtzen teilweise mit eingesetzt. Dies war die erste bekannte Form des modernen GruppenscharfschĂźtzen.cite-ref-66[66]
Tarnung und Schussabgabe deutscher ScharfschĂźtzen
⢠Die deutschen Scharfschßtzen waren exzellent in der Tarnung, Zielansprache und Schussabgabe. So wurde ein britischer Offizier vom West Yorkshire Regiment, der im September 1916 nur kurz seinen Kopf ßber den Grabenrand hob, gleichzeitig von zwei verschiedenen deutschen Scharfschßtzen getroffen. Captain Harry A. C. Pilkington berichtete, dass eine Schaufel, die ein britischer Soldat bei Grabenarbeiten verwendete, acht Mal von einem deutschen Scharfschßtzen getroffen wurde, als er den Erdaushub ßber den Grabenrand schaufelte. Wahrscheinlich trainierte der deutsche Scharfschßtze den Schuss auf bewegte Ziele oder wollte die Briten einschßchtern oder er sah dies von der humorvollen Seite.cite-ref-john-l-2017-61-1[61] Um ihren Auftrag auch in Kampfpausen zu erfßllen, waren die deutschen Scharfschßtzen von der Grabenarbeit und vom Wachdienst befreit und konnten sich frei in der Frontlinie bewegen. Patronenverbrauch und Trefferergebnisse mussten schriftlich festgehalten werden.
⢠Laut den Memoiren des britischen Major Crum vom Kingâs Royal Rifle Corps waren die Deutschen ScharfschĂźtzen so präzise, dass selbst die Objektive der Grabenspiegel und Periskope nicht verschont wurden.cite-ref-67[67]
⢠Der sackartige deutsche ScharfschĂźtzenanzug (siehe Bild: Deutscher ScharfschĂźtzenanzugâŚ) hatte den Vorteil, dass der SchĂźtze ihn relativ schnell und unkompliziert der jeweiligen Umgebung anpassen konnte, indem er sich z. B. auf dem Boden wälzte oder Erde und Schlamm per Hand auftrug, wobei die reguläre Uniform darunter dabei unberĂźhrt blieb. Zusätzlich wurde der Anzug mit Blätter und Ăsten getarnt, soweit diese im jeweiligen Frontabschnitt noch existierten. Neben dem ScharfschĂźtzenanzug gab es noch einen ScharfschĂźtzenmantel mit einer Knopfleiste und einem ebenfalls getarnten GĂźrtel. Dieser war bereits ab Werk mit einem Tarnmuster versehen, welches dem Sumpftarn der Wehrmacht ähnelte. Das Tarnmuster hatte flieĂende Ăbergänge mit den Farben beige, hell- bis dunkelbraun, grĂźn und feldgrau. Die Kapuze incl. Gesichtsmaske, die auch den Hals tarnte und mit Ăffnungen fĂźr Augen und Mund versehen war, war am hinteren Kragen befestigt. Eines der letzten Exemplare ist im Imperial War Museum in London ausgestellt. Auch die AusrĂźstung wurde getarnt. So wurden die Gewehre entweder mit einem unregelmäĂigen Tarnmuster bemalt oder mit Stoff oder Jutestreifen umwickelt, die in den Farben der jeweiligen Umgebung eingefärbt wurden.cite-ref-68[68] Die deutschen ScharfschĂźtzen verstanden es, sich auch in bebauten Gebieten perfekt zu tarnen. So wurde Generalmajor Sir Thompson Capper am 27. September 1915 von einem deutschen ScharfschĂźtzen erschossen, der sich in einer Häuserreihe entlang der britischen VormarschstraĂe versteckte. Die Briten gingen irrtĂźmlicherweise davon aus, dass sich kein gegnerischer Soldat mehr in den Häusern befand.cite-ref-69[69]
⢠Um Alliierte Schutzschilde zu durchbrechen wurde bereits zu Beginn des Jahres 1915 panzerbrechende Munition an die ScharfschĂźtzen ausgegeben und es ist bekannt, dass im weiteren Verlauf des Krieges das Tankgewehr M1918 auch bei den deutschen ScharfschĂźtzen zum Einsatz kam. Mit diesem Gewehr, das ursprĂźnglich zur Bekämpfung der Alliierten Tanks entwickelt worden war, wurden z. B. befestigte MG Stellungen der Alliierten sowohl die Waffe als auch deren Bedienungsmannschaft erfolgreich ausgeschaltet.cite-ref-70[70] Inwieweit die deutschen ScharfschĂźtzen Explosivgeschosse eingesetzt haben, ist nicht genau geklärt. In den wenigen deutschen Unterlagen ist nichts zu finden. Aber Frontberichte von englischen Soldaten lassen auf die Verwendung solcher Geschosse schlieĂen. So berichtete ein Kamerad des am 22. Juli 1915 gefallenen Sergeant Matthew Williamson Taylor vom 7th Battalion of the Northumberland Fusiliers: âWir hatten gerade zusammen gefrĂźhstĂźckt und gingen die SchĂźtzengräben entlang, als er (Sgt. Taylor) einige Deutsche sah. Er stand auf, um auf sie zu schieĂen, und tĂśtete zwei, aber er blieb zu lange oben und wurde von einem ScharfschĂźtzen mit einer dieser explodierenden Kugeln erwischt.âcite-ref-71[71]
Taktiken deutscher ScharfschĂźtzen
⢠Die Taktik des gegenseitigen Sicherns entwickelten die Deutschen bereits in den ersten Monaten des Krieges. Erster bekannter Beleg dieser Taktik war der Vorfall am ersten Weihnachtsfeiertag 1914. In einigen Abschnitten herrschte der berĂźhmte Weihnachtsfrieden von 1914. Aber nicht in den Gräben bei Festubert. Die Deutschen hingen am Heilig Abend kleine Laternen Ăźber die SchĂźtzengräben und schlugen einen temporären Waffenstillstand Ăźber die Weihnachtsfeiertage vor. Die Briten in diesem Frontabschnitt verweigerten diesen, indem sie auf die Laternen schossen. Am nächsten Tag, 25. Dezember 1914, wurde Private Percy Huggins vom Hertfordshire Regiment Opfer eines deutschen ScharfschĂźtzen. Sein ZugfĂźhrer Lance Sergeant Tom Gregory, ein Veteran des Burenkrieges, konnte den deutschen ScharfschĂźtzen ausmachen und tĂśten. Daraufhin wurde Gregory wiederum von einem anderen deutschen ScharfschĂźtzen getĂśtet. Da es erster Weihnachtsfeiertag war und es im Hertfordshire Regiment so gut wie keine Toten gab, auĂer die Soldaten, die davor verletzt im Lazarett lagen und ihren schweren Verletzungen an diesem Tag erlagen, wurde der stellvertretende Kommandeur des Hertfordshire Regiments, Brigadegeneral Henry Page-Croft, auf diesen Vorfall und somit auf die deutschen ScharfschĂźtzen aufmerksam. Er begann sich damit näher zu befassen, da das ScharfschĂźtzenwesen auf Seiten der Entente relativ unbekannt war.cite-ref-72[72]cite-ref-73[73]cite-ref-74[74]
⢠Vereinzelt arbeiteten die deutschen Scharfschßtzen und MG-Schßtzen im Team zusammen. Dies hatte fßr beide Parteien Vorteile. Zum einen beobachtete der Scharfschßtze mit seinem Zielfernrohr die Treffpunktlage des MGs und gab Korrekturen durch, zum anderen verschleierte der MG-Schßtze mit einer Salve die Anwesenheit bzw. den Schuss des Scharfschßtzen. Zusätzlich schßtzten sie sich gegenseitig. Nachteilig war die schlechtere Tarnung und dass der Wechsel in eine andere Stellung (Prinzip der Wechselstellung), durch das schwere MG, deutlich aufwendiger war.
⢠Wie zivile Jäger bezogen die deutschen Scharfschßtzen oftmals schon vor Sonnenaufgang im Dunkeln ihre Stellungen und blieben dort, je nach Lage oder Schussabgabe, oftmals bis nach Sonnenuntergang. Diese Vorgehensweise galt hauptsächlich fßr Stellungen im Niemandsland bzw. zwischen den verfeindeten Gräben.cite-ref-kaiser-s-men-2011-52-1[52]
⢠Um britische Soldaten dazu zu animieren, ihren Kopf Ăźber den Grabenrand zu strecken, waren die deutschen ScharfschĂźtzen sehr kreativ. So lieĂen sie bei gĂźnstigen Wind Drachen mit britischen Zeichen, Wappen oder englischer Beschriftung steigen. Unerfahrene Soldaten hoben dann oftmals ihren Kopf Ăźber den schĂźtzenden Grabenrand und wurden so zum Opfer der deutschen ScharfschĂźtzen.
⢠Während die britischen Scharfschßtzen rotierten, blieben die deutschen Scharfschßtzen immer eine längere Zeit in einem bestimmten Einsatzgebiet. Dies hatte den Vorteil, dass sie sehr vertraut damit waren und jede noch so kleine Veränderung wahrnahmen. Ab 1917 ßbernahmen auch die Briten dieses Konzept fßr ihren Scharfschßtzeneinsatz.cite-ref-hell-1989-75-0[75]
⢠Die deutschen ScharfschĂźtzen entwickelten auch die Taktik der vermeintlich âToten Stellungâ. Es wurden ScharfschĂźtzen-Stellungen angelegt, die von der Gegenseite leicht als solche zu erkennen waren. Diese wurde dann Ăźber einen längeren Zeitraum nicht benutzt. Nachdem dann auf alliierter Seite ein GewĂśhnungseffekt einsetzte, wurde dann aus dieser Stellung geschossen. Ein weiterer Einsatz war das Verschleiern der eigentlichen Stellung, die sehr gut getarnt, in der Nähe einer toten Stellung errichtet wurde. Wenn aus dieser Stellung geschossen wurde, konzentrierte sich dann das alliierte Gegenfeuer auf die bekannte tote Stellung, weil man von dort die Schussabgabe vermutete.cite-ref-76[76]
⢠Die Taktik des Immobil-SchieĂens (âLockvogelâ) wurde erstmalig dokumentiert 1915 von deutscher Seite im Ersten Weltkrieg praktiziert: Ein ScharfschĂźtze schieĂt ohne TĂśtungsabsicht auf einen feindlichen Soldaten, der dadurch immobil wird. Seine Schmerzensschreie sollen dann seine Kameraden aus der Deckung locken. Die zwei ersten dokumentierten Fälle fanden im März 1915 bei Neuve-Chapelle statt. Beide Male wurden die Soldaten beim Versuch einen verletzten Kameraden zu bergen von einem deutschen ScharfschĂźtzen getĂśtet. Am 12. März 1915 versuchte Second Lieutenant Sir Edward Hamilton Westrow Hulse seinen verletzten Vorgesetzten Major George Paynter bei der Schlacht von Neuve-Chapelle zu retten und bezahlte dies mit seinem Leben. Das gleiche Schicksal erlitt nur wenige Tage später am 31. März 1915, ebenfalls bei Neuve-Chapelle, der Olympiasieger Captain Wyndham Halswelle. Auch er wurde beim Versuch, einen zwischen den Fronten immobilen Offizier zu retten, von einem deutschen ScharfschĂźtzen erschossen. Ein weiterer dokumentierter Fall ereignete sich am 9. Oktober 1917 bei Passchendaele. Ironischerweise versuchte ausgerechnet Sergeant Charles Edgar Salmon vom 5. Bataillon des East Lancashire Regiment, der bereits seit 6 Monaten an der Front und selber ScharfschĂźtzenausbilder war, den Soldaten seiner Einheit zu retten, der von einem deutschen ScharfschĂźtzen absichtlich nur angeschossen worden war. Entweder kannte Sergeant Salmon das Prinzip des âLockvogelsâ nicht, weil dies kein Bestandteil der britischen ScharfschĂźtzenausbildung war, oder er dachte, dass er aufgrund seiner herausragenden Physis â er war lokaler Schwimm-Champion â schnell genug sei, seinen verletzten Kameraden zu retten. Während er seinen verletzten Kameraden trug, wurde er von dem deutschen ScharfschĂźtzen erschossen.cite-ref-77[77]cite-ref-h-hestketh-prichard-2004-78-0[78]cite-ref-79[79] Neben den Beinen waren auch die Nieren ein bevorzugtes Ziel des Immobil-SchieĂens. Wie der WehrmachtsscharfschĂźtze Josef Allerberger berichtete, lĂśste der Schuss durch eine Niere extrem starke Schmerzen aus, die wiederum zu lauten Schmerzensschreien fĂźhrten. Die Lage der Nieren war fĂźr die ScharfschĂźtzen relativ leicht zu bestimmen: Beim direkt gegenĂźberstehenden Gegner war der Treffpunkt dort, wo die gedachte senkrechte Linie von einer Brustwarze hinunter die Koppel bzw. die obere Koppelkante kreuzt. Während die Mannschaften an dieser Stelle ihre gefĂźllten Patronentaschen trugen, die ihnen etwas Schutz boten, hatten die Offiziere meist nur ihre Kurzwaffe wie Revolver oder Pistole an der rechten Seite der Koppel. Die Taktik des Immobil-SchieĂens wird im amerikanischen Kriegsthriller The Wall von 2017 thematisiert: Ein irakischer ScharfschĂźtze lockt 2007 zwei amerikanische ScharfschĂźtzen an eine Pipeline mitten in der irakischen WĂźste, indem er die dortigen Pipelinearbeiter und deren Sicherheitspersonal erschieĂt und liegen lässt. Während einer der beiden ScharfschĂźtzen nach längerer Beobachtungszeit die Situation direkt klären will, wird er von dem irakischen ScharfschĂźtzen absichtlich nur angeschossen bzw. verletzt. Daraufhin versucht ihn sein Partner zu retten und gerät dabei unter Beschuss des irakischen ScharfschĂźtzen. Die Taktik des Immobil-SchieĂens ist bis heute, auch unter militärischer Perspektive, sehr umstritten (siehe Irak 2003â2011).cite-ref-80[80]
Schussentfernungen deutscher ScharfschĂźtzen
⢠In einem Bericht der 87. Infanterie-Brigade an das XVII. Armee-Korps wurde berichtet, dass die typischen Einsatzdistanzen zwischen 100 und 400 Metern lagen. Obwohl nachweislich Treffer auf Entfernungen von ßber 800 Metern erzielt wurden, war es oft unmÜglich, die tatsächliche Wirkung solcher Schßsse aus dieser Entfernung zu beobachten und zu bestätigen.
⢠Eine der weitesten dokumentierten TĂśtungen geschah am 20. Februar 1915. Der Brigadegeneral Sir John Edmond Gough besuchte seine alte Einheit die Rifle Brigade (Prince Consortâs Own) etwa 3 km nĂśrdlich von Neuve-Chapelle. Dabei wurde er von einer einzelnen Kugel im Bauch getroffen und starb daran zwei Tage später. Da die deutschen Linien ca. 1000 Yards (914 m) entfernt waren, konnten die Briten sich nicht vorstellen, dass es sich um einen gezielten Schuss gehandelt habe, und dachten an einen Querschläger von einem deutschen ScharfschĂźtzen.cite-ref-81[81]cite-ref-82[82] Einige Tage später am 31. Mai 1915 wurde auch Brigadegeneral George Colborne Nugent, ebenfalls während einer ruhigen Phase, von einer einzelnen Kugel getroffen. Auch hier gingen die Briten irrtĂźmlich von einer âverirrtenâ Kugel aus.cite-ref-83[83]cite-ref-thebignote-com-84-0[84] FĂźr einen gezielten Schuss auf General Gough spricht, dass ausgewählte deutsche ScharfschĂźtzen sehr wohl in der Lage waren, einen stehenden Soldaten auch auf diese Entfernung (wenngleich nicht mit 100%iger Trefferquote) zu treffen. Die Trefferwahrscheinlichkeit auf diese Entfernung resultiert aus dem Streukreis des SchĂźtzen und den Witterungsbedingungen. Mit einem 98er Gewehr mit ausgesuchtem Lauf, einer qualitativ hochwertigen Optik und einer dementsprechend guten Munitions-Charge war ein trainierter SchĂźtze durchaus in der Lage, auf 100 m einen Streukreis (mit 5 Schuss) von 4 cm zu produzieren. Bei einer linearen Zunahme betrĂźge der Streukreis bei 900 m dann 36 cm unter âLaborbedingungenâ. Durch äuĂere Umweltfaktoren und Tagesform des SchĂźtzen kann sich dieser Streukreis im Feld verdoppeln. Der Rumpf eines stehenden Soldaten hat ca. 50 cm Breite und 70 cm HĂśhe. Eine weitere zwingende Voraussetzung fĂźr solche DistanzschĂźsse ist die Gewehrauflage. Im Idealfall hat der SchĂźtze eine 4-Punkt-Auflage. D.h. Vorderschaft, SchulterstĂźtze, FĂźhrarm (bei Rechtshändern der linke Ellenbogen) und Abzugsarm (bei Rechtshändern der rechte Ellenbogen) liegen aufcite-ref-85[85] (siehe Bild: Deutscher ScharfschĂźtze mit einer 4-Punkt-Auflage). Der begrenzende Faktor war weniger das Gewehr, sondern die Optik. Zwar hatten die meisten deutschen Zielfernrohre eine HĂśhenverstellung bis 1000 m, wie das vielfach verwendete Voigtländer Zielfernrohr, aber nur eine drei- oder vierfache VergrĂśĂerung. Selbst bei vierfacher VergrĂśĂerung wird das Ziel auf diese Entfernung relativ klein im Zielfernrohr dargestellt, und wenn das Ziel noch eine der Umgebung angepasste Uniform trug, war es kaum zu erkennen. Auch wenn die deutsche Optikindustrie damals weltweit fĂźhrend war, so waren SchĂźsse Ăźber 800 m nur bei besten Bedingungen mĂśglich. 2019 bestätigte der US-SportschĂźtze und Youtuber Henry Chan, dass es mĂśglich ist, mit einem 98er Gewehr und einem alten bzw. originalen Zeiss Zielvier Zielfernrohr mit nur 4-facher VergrĂśĂerung und einem Absehen 1 auf Ăźber 1000 m zu treffen. Das Ziel auf 1100 Yards (1006 m) war eine Metallplatte in der RumpfgrĂśĂe eines Menschen. Nachdem die ersten zwei SchĂźsse zu tief waren, traf er trotz Wind dreimal hintereinander das Ziel. Das Absehen 1, das nach dem Zweiten Weltkrieg kaum mehr Verwendung fand, offenbarte dabei einen groĂen Vorteil. Das Ziel konnte auf der Spitze aufgesetzt werden und verdeckte somit nicht den Zielbereich.cite-ref-youtube-com-86-0[86]
Allgemeiner Gefechtsdienst deutscher ScharfschĂźtzen
⢠Laut einem Bericht der 87. Infanterie-Brigade an das XVII. Armee-Korps lag der Verteilungsschlßssel bei 10-15 ausgebildeten Scharfschßtzen pro Kompanie.
⢠Die deutschen ScharfschĂźtzen wechselten nach einigen SchĂźssen ihre Position, was es besonders schwierig machte, sie auszumachen. Vor allem junge Offiziere ohne Fronterfahrung bezahlten den Kontakt mit den deutschen ScharfschĂźtzen oftmals mit ihrem Leben (siehe Bildergalerie). So Leutnant William Gladstone, ein Enkel des viermaligen britischen Premierministers William Ewart Gladstone, der nach seiner Offiziersausbildung am 23. März 1915 an die Front nach Laventie in Nordfrankreich kam. Trotz der Warnung seiner Soldaten versuchte er am 13. April 1915 einen deutschen ScharfschĂźtzen ausfindig zu machen, von dem er dann erschossen wurde.cite-ref-87[87] Solche selbstĂźberschätzende Aktionen waren bei jungen und unerfahrenen Offizieren kein Einzelfall. Der 20-jährige Leutnant Eric Walker kam am 1. November 1915 an die vorderste Front bei Armentières und wollte trotz der Warnung seines Vorgesetzten mit seinem Offiziersburschen (im Englischen Batman genannt) Private William Lewis am 29. Dezember 1915 das Versteck eines deutschen ScharfschĂźtzen aufklären, der dann gleich beide erschoss. Der bekannteste junge Offizier, ohne Fronterfahrung, war Lieutenant Bernard Montgomery, der später zum Generalfeldmarschall (Field Marshal) aufstieg. Am 13. Oktober 1914 wurde Montgomery während einer Offensive nahe Bailleul durch einen Schuss durch die rechte Lunge, von einem deutschen ScharfschĂźtzen schwer verwundet. Einer seiner Männer versuchte ihn zu retten, wurde jedoch, sehr wahrscheinlich vom gleichen ScharfschĂźtzen erschossen und brach tot Ăźber Montgomery zusammen. Der ScharfschĂźtze feuerte weiter und Montgomery wurde zusätzlich noch am Knie getroffen. Er konnte erst in der Nacht geborgen werden. Sein Gesundheitszustand war so schlecht, dass die Ărzte vom Feldlazarett keine Hoffnung mehr hatten und sie bereits die Aushebung seines Grabes anordneten. Wie durch ein Wunder Ăźberlebte Montgomery. Vom Feldlazarett wurde er in ein Krankenhaus verlegt, danach nach England evakuiert, wo er nach seiner vollständigen Genesung im FrĂźhjahr 1915 den Dienst wieder aufnehmen konnte.cite-ref-88[88]cite-ref-89[89]
⢠Oftmals genßgte nur ein kleiner Augenblick der Unaufmerksamkeit, der tÜdlich enden konnte, wie etwa beim britischen Oberleutnant Henry Heatly am 22. Februar 1915 bei Steenwerck. Er inspizierte mit einem Pionieroffizier einen Schßtzengraben. Dabei hob er versehentlich seinen Kopf kurz ßber den Rand des Schßtzengrabens und wurde sofort von einem deutschen Scharfschßtzen erschossen.cite-ref-90[90] Nicht nur junge Offiziere, sondern auch Unteroffiziere, die an vorderster Front kämpften, waren bevorzugte Opfer der deutschen Scharfschßtzen. Fielen im Kampf die Offiziere aus, ßbernahmen in der Regel die Unteroffiziere die Einheit und fßhrten den Kampf weiter, so wie bei dem bekannten Victoria-Kreuz-Träger Korporal William Clamp. Am 9. Oktober 1917 gelang es ihm, in der Schlacht von Poelcappelle trotz heftiger deutscher Gegenwehr mit einigen wenigen Männern eine deutsche Stellung zu stßrmen und etwa zwanzig Gefangene zu machen. Danach griff er mehrere deutsche Scharfschßtzenposten an. Von ihnen wurde er dann erschossen. Ebenso waren Spähtruppfßhrer, in der Regel erfahrene Unteroffiziere, ein ausgewiesenes Ziel der deutschen Scharfschßtzen. Der US-amerikanische Schriftsteller und Dichter Sergeant Joyce Kilmer fßhrte am 30. Juli 1918 eine Erkundungsgruppe an, um die Position eines deutschen Maschinengewehrs zu finden. Um besser sehen zu kÜnnen, spähte er ßber den Rand eines kleinen Hßgels und wurde sofort von einem deutschen Scharfschßtzen getÜtet.
⢠Bei älteren und erfahrenen Offizieren waren es teilweise unsinniger Stolz, Nachlässigkeit durch Routine oder fehlende Kondition, die sie das Leben an vorderster Front kostete. Ein Beispiel war der Brigadegeneral Charles Bulkeley Bulkeley-Johnson. Am 11. April 1917 wollte er die deutschen Stellungen in der Nähe von Monchy-le-Preux erkunden. Vom Captain des Frontabschnittes wurde er eindringlich vor deutschen ScharfschĂźtzen gewarnt und er solle immer diagonal von Granatloch zu Granatloch springen. Bulkeley-Johnson missachtete diesen Ratschlag und marschierte geradeaus. Ein Kopfschuss durch einen deutschen ScharfschĂźtzen beendete seine Erkundung. In einer Nachkriegsstudie der Universität Birmingham Profiles of Western Front generals, part of the Lions led by donkeys research project (LĂśwen, angefĂźhrt von Eseln) ist sein Name u. a. auch zu finden.cite-ref-91[91]cite-ref-92[92] Auch der Brigadegeneral Francis Earl Johnston war bereits sehr kampferfahren. So kämpfte er 1915 in Ăgypten und danach in der Schlacht von Gallipoli. Dort wurde er u. a. auch mit den sehr effektiven tĂźrkischen ScharfschĂźtzen konfrontiert. Trotz seiner Erfahrung wurde er, bereits nach wenigen Tagen an der Westfront, am 7. August 1917 von einem deutschen ScharfschĂźtzen, als er die vorderste Front inspizierte, erschossen. Vermutlich unterschätzte er den Sicherheitsabstand an der Westfront. Während die tĂźrkischen ScharfschĂźtzen mit Kimme und Korn in der Regel bis 300 Meter treffsicher waren, agierten die deutschen ScharfschĂźtzen mit ihren Zielfernrohrgewehren auf die doppelte Entfernung und teilweise noch weit darĂźber.cite-ref-93[93] Auch Brigadegeneral John Frederick Hepburn-Stuart-Forbes-Trefusis unterschätzte den Sicherheitsabstand zu den deutschen ScharfschĂźtzen. Aufgrund der starken Verluste veranlasste er die AblĂśsung seiner Brigade von der vordersten Front. Als er den Brigadegeneral, der ihn ablĂśste, am 24. Oktober 1915 durch die SchĂźtzengräben fĂźhrte, wurde er von einem ScharfschĂźtzen in die Stirn geschossen.cite-ref-thebignote-com-84-1[84]
⢠Jeweils zwanzig Mitglieder des House of Commons und House of Lords fielen im Ersten Weltkrieg. Des Weiteren noch drei ehemalige Mitglieder des House of Commons. Drei dieser 43 Parlamentarier (Lieutenant William Glynne Charles Gladstone, Captain Thomas Charles Reginald Agar-Robartes und Lord Lieutenant-Colonel Ninian Crichton-Stuart) wurden Opfer deutscher Scharfschßtzen. Ein Denkmal in der Westminster Hall, auf dem Gelände des Palace of Westminster, erinnert u. a. an diese 43 Parlamentarier.cite-ref-94[94]cite-ref-95[95]
⢠Die Dominanz der deutschen ScharfschĂźtzen in den ersten zwei Kriegsjahren ist vom britischen Militär relativ gut dokumentiert. So fielen z. B. in einem britischen Sektor vom 14. September 1914 bis zum 24. Dezember 1914 insgesamt 53 Offiziere den deutschen ScharfschĂźtzen zum Opfer. Die Dokumentation begann erst Mitte September, da man die ersten TĂśtungen fĂźr Zufallstreffer hielt und erst Mitte September erkannte, dass es sich um Opfer von ScharfschĂźtzen handelte. Vom 1. Januar 1915 bis 21. Juni 1915 wurden 87 britische, kanadische und australische Offiziere Opfer der deutschen ScharfschĂźtzen. DarĂźber hinaus fielen auch 14 Generäle in den ersten zwei Kriegsjahren durch deutsche ScharfschĂźtzen.cite-ref-96[96] Laut einer britischen Statistik vom Dezember 1915 gab es in einem Grabenabschnitt 3285 Tote und schwer Verwundete. Davon hatten 23 % einen Kopfschuss. Diese waren zum grĂśĂten Teil auf ScharfschĂźtzen zurĂźckzufĂźhren.cite-ref-hell-1989-75-1[75]
Aufbau des britischen ScharfschĂźtzenwesens
Im Februar 1915 kam der britische Major Hesketh Vernon Prichard als Kriegsberichterstatter (er wurde aufgrund seines Alters von 37 als kämpfender Soldat abgelehnt) an die Westfront und wurde Zeuge, wie bei einem von ihm besuchten Bataillon (zu dieser Zeit ca. 800 Soldaten) 18 Soldaten an nur einem Tag Opfer der gut ausgebildeten deutschen ScharfschĂźtzen wurden. In seinem Buch "Sniping In France 1914â18" beschrieb Hesketh-Prichard die vorgefundene Lage mit den Worten: Zu dieser Zeit war das KĂśnnen der deutschen ScharfschĂźtzen zu einem geflĂźgelten Wort geworden, und in den frĂźhen Tagen des Stellungskriegs lagen tapfere deutsche ScharfschĂźtzen zwischen den Linien und schossen ihre Kugeln durch den Kopf jedes Offiziers oder Soldaten, der es wagte, Ăźber unsere Brustwehr zu blicken.cite-ref-97[97] Nach den Kriegserinnerungen von Frank Richards war es zu dieser Zeit durchaus Ăźblich, dass britische Bataillone täglich 15-18 Männer durch deutsche ScharfschĂźtzen verloren. Des Weiteren war Hesketh-Prichard bestĂźrzt Ăźber die schlechte Ausbildung der britischen Soldaten, die so gut wie nie einen deutschen ScharfschĂźtzen ausfindig machen konnten. DarĂźber hinaus stellte er fest, dass die wenigen britischen Zielfernrohrgewehre zum grĂśĂten Teil wahllos an nicht ausgebildete Soldaten ausgegeben wurden und dass 80 % der Optiken aufgrund unsachgemäĂer Bedienung falsch eingestellt waren. Er erkannte auch das deutsche Geschick beim Bau von GrabenbrĂźstungen. Während es bei den Briten Ăźblich war, dass Grabenränder âkorrektâ in einer sauberen Geraden verliefen, herrschte bei den Deutschen scheinbar absolutes Chaos. Neben den zerklĂźfteten Grabenrändern lag zusätzlich noch allerlei GerĂźmpel auf und vor den deutschen Grabenrändern. Hesketh Prichard erkannte das System, das sich dahinter verbarg. Die scheinbar unordentlichen Grabenränder boten den deutschen ScharfschĂźtzen perfekte VersteckmĂśglichkeiten, während sich die britischen Soldaten geradezu perfekt von den geraden Grabenkanten abhoben und somit ein perfektes Ziel boten. Als passionierter Jäger erkannte er den sofortigen Handlungsbedarf. Als SofortmaĂnahme sammelte er in GroĂbritannien Jagdgewehre und Optiken ein und finanzierte diese zum Teil mit seinem eigenen Geld oder Spenden. Da ein Jagdgewehr aus einem Soldaten weder einen Jäger noch einen ScharfschĂźtzen macht, erstellte er ein Konzept zur ScharfschĂźtzenausbildung auf Grundlage seiner jagdlichen Erfahrung. Im August 1916 startete der erste Lehrgang der First Army School of Sniping im Dorf Linghem in Nordfrankreich mit sechs Soldaten.cite-ref-h-hestketh-prichard-2004-78-1[78]cite-ref-98[98]
Im Grabenkrieg wurden auch die ersten bekannten Sniperdummys auf beiden Seiten eingesetzt, wobei die Briten, vor allem auf Betreiben von Hesketh-Prichard, diese Technik perfektionierten: Aus PappmachĂŠ wurden kunstvolle SoldatenkĂśpfe gefertigt, die den feindlichen ScharfschĂźtzen zur Schussabgabe animieren sollten.cite-ref-99[99] Hesketh-Prichard erkannte auch von Anfang an, dass der grĂśĂte Feind des feindlichen ScharfschĂźtzen der eigene ScharfschĂźtze ist. So entstanden im Grabenkrieg regelrechte ScharfschĂźtzenduelle (Countersniping). Das bekannteste Duell ist der letzte Kampf des kanadischen ScharfschĂźtzen Henry Norwest. Am 18. August 1918 in der Nähe von Fouquescourt hatten Norwest und zwei weitere kanadische ScharfschĂźtzen den Auftrag, einen deutschen ScharfschĂźtzen zu bekämpfen. Von diesem deutschen ScharfschĂźtzen wurde Norwest durch einen einzigen Kopfschuss getĂśtet. Auf seinem vorläufigen Grabstein schrieben seine Kameraden: âEs muss ein verdammt guter ScharfschĂźtze gewesen sein, der Norwest erwischt hat.â Sein Ross-Gewehr ist im Militärmuseum in Calgary ausgestellt. Es ist das zweite von drei Gewehren, welches er benutzte. Sein zuletzt verwendetes Gewehr soll von dem deutschen ScharfschĂźtzen als Trophäe erbeutet worden sein.cite-ref-100[100]cite-ref-101[101]cite-ref-102[102]cite-ref-103[103]
Der bekannteste britische ScharfschĂźtze war der SportschĂźtze und zweimalige olympische Silbermedaillengewinner Arthur Fulton vom 16th Battalion of the London Regiment. Er war in der Mannschaft von Harcourt Ommundsen. Auch seine Paradedisziplin waren die 600 Meter mit dem Armeegewehr. Am Anfang des Krieges 1914 diente er noch als MaschinengewehrschĂźtze. Aber aufgrund seiner auĂergewĂśhnlichen Fähigkeiten wechselte er dann zu den ScharfschĂźtzen Ăźber. FĂźr seine geschätzten 100 AbschĂźsse gibt es keine offizielle Bestätigung.cite-ref-the-sniper-encyclopaedia-2019-104-0[104]
Als der sĂźdafrikanische Selfmade-Millionär Sir Abraham Bailey von den starken Verlusten der Briten durch die deutschen ScharfschĂźtzen hĂśrte, rekrutierte er 1916 die besten 18 Jäger und SportschĂźtzen aus SĂźdafrika und Rhodesien. UrsprĂźnglich plante Bailey seine Einheit in einer Stärke von 100 Mann. Dies konnte er aber nicht erreichen, da er zum einen sehr hohe Anforderungen an die SchieĂkĂźnste der jeweiligen SchĂźtzen stellte und zum anderen die guten SchĂźtzen teilweise bereits an der Front waren. In seiner Einheit war auch der bekannte Jäger und SportschĂźtze Neville Methven, der nach eigenen Angaben 103 AbschĂźsse erzielte, die aber nie offiziell bestätigt wurden. Bailey rĂźstete die kleine Einheit, auf eigene Kosten, mit Zielfernrohrgewehren aus. Die Baileys South African Sharpshooters kamen Mitte 1916 an die Westfront und kämpften dort zum Teil sehr erfolgreich. 1919 wurde er fĂźr seine Verdienste in den Adelstand bzw. zum Baronet erhoben.cite-ref-the-sniper-encyclopaedia-2019-104-1[104]cite-ref-105[105]cite-ref-106[106]
Kanadische, franzĂśsische, australische, tĂźrkische, italienische und amerikanische ScharfschĂźtzen
Während die Deutschen seit Beginn des Krieges und die Briten Ende 1916 Ăźber hervorragend ausgebildete ScharfschĂźtzen verfĂźgten, waren es bei den Kanadiern vor allem Männer mit Jagderfahrung und indigenen Wurzeln wie z. B. die erfolgreichsten kanadischen ScharfschĂźtzen Francis Pegahmagabow und Henry Norwest, die sich, ohne ScharfschĂźtzenlehrgang, aber mit jagdlicher Erfahrung, erfolgreich als ScharfschĂźtzen bewährten. Viele indigenen Soldaten kamen ins 52. Bataillon. Der Kommandeur Colonel Hay war voll des Lobes Ăźber die indigenen Soldaten. Einer der AngehĂśrigen des 52. Bataillons war Private Roderick Cameron. Dieser ging bei einem SchieĂwettbewerb gegen die besten SchĂźtzen aus 12 Bataillonen als Sieger hervor. Er kämpfte an der Westfront erfolgreich als Kundschafter und ScharfschĂźtze, bis er am 15. September 1916 bei der Schlacht von Flers-Courcelette fiel.cite-ref-107[107]cite-ref-108[108] John Shiwak, ebenfalls Kanadier mit indigenen Wurzeln und auch ohne ScharfschĂźtzenausbildung, aber mit jagdlicher Erfahrung, diente in der britischen Armee und betätigte sich dort erfolgreich als ScharfschĂźtze und Kundschafter. Er verglich seine Tätigkeit als ScharfschĂźtze mit der Robbenjagd wo er ebenfalls geduldig darauf wartete, dass eine Robbe ihren Kopf aus dem Wasser streckte, um Luft zu holen. Nur in diesem kleinen Zeitfenster hatte er die Chance auf einen Schuss. Shiwak fiel am 21. November 1917 bei Masnières.cite-ref-109[109]cite-ref-110[110] Der kanadische Major Armstrong baute 1917 fĂźr die 2. Armee eine ScharfschĂźtzenschule auf, die später zur Royal Marine Sniper School wurde.cite-ref-111[111]
Ăber ein franzĂśsisches ScharfschĂźtzenausbildungsprogramm ist nichts bekannt bzw. dokumentiert. Es existieren auch nur ganz wenige Fotos die franzĂśsische Soldaten mit Zielfernrohrgewehren zeigen. Wenn Ăźberhaupt, dann waren diese Soldaten nur oberflächlich ausgebildet und stellten keine ernsthafte Bedrohung fĂźr die deutschen Streitkräfte dar.cite-ref-112[112]
Die australische Armee verfĂźgte ebenfalls Ăźber kein eigenes ScharfschĂźtzenausbildungsprogramm. Trotzdem betätigte sich Billy Sing (William Edward Sing) erfolgreich 1915 als ScharfschĂźtze in der Schlacht von Gallipoli. Sing (chinesischer/englischer Abstammung) war vor dem Krieg u. a. Jäger und ein erfolgreicher SportschĂźtze gewesen. Am 10. März 1916 wurde er mit der Distinguished Conduct Medal ausgezeichnet, die im Ersten Weltkrieg ca. 25000 Mal verliehen wurde. In der VerleihungsbegrĂźndung hieĂ es: âFĂźr herausragende Tapferkeit von Mai bis September 1915 beim ANZAC als ScharfschĂźtze, wo er kein Risiko scheute.â Des Weiteren wurde in britischen und amerikanischen Zeitungen Ăźber ihn berichtet. Die Regimentsaufzeichnungen fĂźhrten Sing mit 150 bestätigten TĂśtungen. Wie die meisten ScharfschĂźtzen konnte er wahrscheinlich noch weitere unbestätigte TĂśtungen verbuchen. Nach Gallipoli kam er im Januar 1917, an Syphilis erkrankt, an die Westfront, wo er mehrfach verwundet wurde. Als ScharfschĂźtze konnte er dort seine Erfolge von Gallipoli nicht wiederholen, was einerseits an dem deutlich hĂśheren Niveau der deutschen ScharfschĂźtzen und anderseits an den erheblich weiteren Schussdistanzen der Westfront im Vergleich zu Gallipoli lag. Mitte Februar 1918 kam er wegen einer Schusswunde im RĂźcken ins Lazarett. Diese und eine alte Gasvergiftung beendeten seine Militärkarriere. 1918 wurde ihm noch das belgische Croix de Guerre verliehen.cite-ref-referencea-49-1[49]cite-ref-113[113]
Die tßrkischen Scharfschßtzen zeigten sich in der Schlacht von Gallipoli zwar als Meister der Tarnung, kamen aber nicht an das hohe Niveau der deutschen Scharfschßtzen heran, was nicht zuletzt deren Ausbildung und Ausrßstung geschuldet war. Die Halbinsel Gallipoli war hßgelig, felsig und ßbersät mit kleinen Gebßschen. Die verfeindeten Gräben waren manchmal sogar in Handgrantenweite voneinander entfernt. Aufgrund der niedrigen Distanzen und der buschreichen Vegetation war das Element der Tarnung weitaus wichtiger als der präzise Distanzschuss.cite-ref-114[114]
In der italienischen Armee wurden ScharfschĂźtzen nur sehr begrenzt eingesetzt. Deshalb gab es auch dort keine ScharfschĂźtzenausbildung. Die wenigen ZF-Gewehre wurden nur an ausgesuchte SchĂźtzen ausgegeben. Entweder an hervorragende SchĂźtzen oder an Soldaten, die bereits mit ZF-Gewehren vertraut waren. Mit dem Carcano Modell 1891 und der Optik La Filotecnica â Milano wurde ab 1916 lediglich ein Handout (Uniformi e Armi n° 151) fĂźr den Gebrauch und den Einsatz von ZF-Gewehren ausgegeben.
Amerikanische ScharfschĂźtzen wurden Ende 1917 von britischen Ausbildern zum Teil in den USA, aber auch direkt in Frankreich ausgebildet. Durch den späten Kriegseintritt der USA spielten sie aber auf dem europäischen Kriegsschauplatz keine grĂśĂere Rolle. Wie bei den kanadischen ScharfschĂźtzen waren in ihren Reihen auch indigene Soldaten zu finden.cite-ref-115[115]
Kriegsverbrechen an ScharfschĂźtzen
Laut dem Historiker Richard Rubin haben amerikanische Soldaten während der Maas-Argonnen-Offensive einen starken Hass gegen alle Soldaten des Deutschen Heeres entwickelt. Der Hass aber auch die Angst vor den deutschen Gegnern resultierte durch Erzählungen, Gerßchten, aber auch durch gezielte Propaganda ßber angebliche Gräueltaten der deutschen Soldaten an alliierten Soldaten und Zivilisten. Vor allem die Effizienz der deutschen Scharfschßtzen bestätigte geradezu die Hinterhältigkeit der deutschen Soldaten allgemein. Deshalb zählten die deutschen Scharfschßtzen, neben Maschinengewehrpersonal, als prägnanteste Hassgruppe und wurden oftmals von der lebenden Gefangennahme ausgeschlossen und an Ort und Stelle getÜtet.cite-ref-116[116]
Bildergalerie
Die folgende Bildleiste zeigt beispielhaft die extreme Aktivität und Effizienz der deutschen ScharfschĂźtzen, bereits von Anfang des Krieges. Der Schwerpunkt lag bei der Ausschaltung von FĂźhrungspersonal bzw. Offizieren. Diese Aktivität veranlasste den britischen Major Hesketh Vernon Prichard dazu, im August 1916 die First Army School of Sniping zu grĂźnden. Deutsche ScharfschĂźtzenaktivitäten gab es an allen Frontabschnitten; die Tatsache, dass die aufgefĂźhrten Soldaten, auĂer Leutnant Addenbrooke, in einem einzigen Frontabschnitt von ca. 35 km Breite in Nordfrankreich fielen, resultiert indes daraus, dass sich Major Prichard Hauptinteresse insbesondere diesem Teil der britischen Frontlinie galt und daher entsprechende Dokumentationen zusammentragen lieĂ. Dementsprechend richtete Major Prichard die ScharfschĂźtzenschule âvor Ortâ im nordfranzĂśsischen Dorf Linghem ein, ca. 30 km hinter diesem britischen Brennpunkt.cite-ref-h-hestketh-prichard-2004-78-2[78] Der Erfolg von Hesketh Prichard lässt sich auch in der Liste der bekannten Personen, die durch ScharfschĂźtzen den Tod fanden, erkennen. Waren die Verluste der englischen Offiziere durch deutsche ScharfschĂźtzen bis Mitte des Krieges noch sehr hoch, so gingen sie ab 1917 kontinuierlich zurĂźck. Die Bildergalerie zeigt auch anschaulich den Lernprozess der britischen Offiziere gegenĂźber den deutschen ScharfschĂźtzen auf. Wurden die Offiziere am Anfang des Krieges bereits zum Teil nach wenigen Tagen/Wochen Opfer der deutschen ScharfschĂźtzen so Ăźberlebten sie ab Mitte 1915 deutlich länger an der Front.
Zigaretten-Aberglaube/Three on a match
Der weitverbreitete (Aber-)Glaube, dass das AnzĂźnden von drei Zigaretten mit einem einzigen Streichholz UnglĂźck bringe, hat seinen Ursprung im Ersten Weltkrieg. Dieser Aberglaube ist hauptsächlich im englischsprachigen Raum zu finden und hat seine Wurzeln in der Dominanz der deutschen ScharfschĂźtzen vor allem in den ersten zwei Jahren des Ersten Weltkriegs. Im Englischen wird es Three on a match genannt. Tatsächlich wurde so einem mĂśglichen deutschen ScharfschĂźtzen Zeit gegeben, die Anwesenheit des Feindes zu bemerken (erste Zigarette), in Anschlag zu gehen (zweite Zigarette) und zu schieĂen (dritte Zigarette).cite-ref-117[117] Besonders aufmerksame ScharfschĂźtzen brauchten nicht einmal drei Zigaretten fĂźr Three on a match. Am 27. Mai 1915 meldete der britische Leutnant Cyrel Graham die TĂśtung eines Soldaten durch einen deutschen ScharfschĂźtzen: âEr muss aufgestanden sein, um sich eine Zigarette anzuzĂźnden, denn man fand ihn mit einer Schusswunde durch den Kopf, einer Zigarette in der einen und einem Feuerzeug in der anderen Hand.âcite-ref-118[118]
Unter anderem wird Three on a match in der britischen Satire/KomÜdie Ein tollkßhner Himmelhund aus dem Jahr 1983 behandelt. Dieser beginnt in den Schßtzengräben des Ersten Weltkriegs mit dem Helden der Geschichte, Captain Bullshot Crummond, der einigen der jungen Soldaten unter seinem Kommando das Konzept von Three on a match erklärt bzw. demonstriert. Am Ende seiner Erklärung wird der dritte Soldat von einem deutschen Scharfschßtzen erschossen. Auch in der US-amerikanischen Serie Archer, Staffel 2, Episode 5 (The Double Deuce) wird ein Soldat von einem deutschen Scharfschßtzen getÜtet, nachdem er um eine Zigarette gebeten hat und der Feuergebende drei StreichhÜlzer benÜtigt hat, um diese anzuzßnden.
In der Serie Downton Abbey hält der Soldat Thomas Barrow im SchĂźtzengraben, während es bereits dunkel ist, absichtlich seine Hand mit einem brennenden Feuerzeug Ăźber den SchĂźtzengrabenrand. Nach sechs Sekunden durchschieĂt ein deutscher ScharfschĂźtze seine Hand und Barrow hat seinen absichtlich herbeigefĂźhrten Heimatschuss. Damit seine SelbstverstĂźmmelung ihn im weiteren Leben nicht zu sehr behindert, hatte er das brennende Feuerzeug absichtlich in die linke Hand genommen
⢠First Light The sniper saw you. (âErstes Streichholz Der ScharfschĂźtze hat dich gesehen.â)
⢠Second Light Took careful aim. (âZweites Streichholz Er zielte sorgfältig.â)
⢠Third Light He pulled the trigger on the gun. (âDrittes Streichholz Er drĂźckte den Abzug der Waffe.â)
⢠Dead dead dead. (âTot tot tot.â)
Zweiter Weltkrieg
ScharfschĂźtzen der Wehrmacht
Das ScharfschĂźtzenabzeichen der Reichswehr fĂźr Unteroffiziere und Mannschaften bestand aus einem nach oben geĂśffneten Winkel â SchenkelmaĂ acht Zentimeter, ähnlich dem Gefreitendienstgradabzeichen der Wehrmacht. Dieses Abzeichen wurde am linken Unterarm getragen.cite-ref-120[120] Die Reichswehr errechnete nach den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs einen Sollbestand von zwĂślf Gewehren mit Zielfernrohr (ZF) pro Infanteriekompanie. ZwĂślf ScharfschĂźtzengewehre bedeutet, dass sich in jeder Gruppe (ca. 10-12 Soldaten) ein ScharfschĂźtze befindet. Mitte der 1930er Jahre standen jedoch fĂźhrende deutsche Offiziere der AusrĂźstung der Infanterie mit Zielfernrohr-Gewehren ablehnend gegenĂźber. In der Wehrmacht erbrachten VergleichsschieĂen zwischen den hervorragend ausgebildeten Berufssoldaten der Reichswehr mit dem Karabiner 98k mit offener Visierung und mit Zielfernrohr keine wesentlich unterschiedlichen SchieĂergebnisse, eine EinfĂźhrung von Zielfernrohren als Standard wurde daher abgelehnt. Daraufhin wurden bis 1938 die damit ausgerĂźsteten Gewehre teilweise zurĂźckgebaut und die Optiken verkauft. Erst am 7. März 1938 wurde diese Praxis durch einen Erlass des OKH gestoppt, um den verstärkten RĂźstungsanstrengungen auch in dieser Hinsicht gerecht zu werden. Ausgesuchte Karabiner 98k wurden mit einem Zielfernrohr ausgestattet und als Präzisions- und ScharfschĂźtzengewehr genutzt. Der VerteilungsschlĂźssel blieb aber unter den von der Reichswehr festgelegten zwĂślf ZF-Gewehren pro Infanteriekompanie, da u. a. das deutsche Konzept des Blitzkrieges keine langen Stellungskämpfe vorsah, sondern einen schnellen Bewegungskrieg mit eigenständigen Panzerverbänden, die von der Luftwaffe unterstĂźtzt werden. Dies war die Hauptursache fĂźr die Vernachlässigung des deutschen ScharfschĂźtzenwesens, da ScharfschĂźtzen optimal in SchĂźtzengräben oder im urbanen Gelände bzw. in Verteidigung und RĂźckzugsgefechten eingesetzt wurden.cite-ref-121[121]
Im Gegensatz zur Wehrmacht und aufbauend auf Erfahrungen des Ersten Weltkrieges, erkannte man in der Waffen-SS von Anfang an den militärischen Wert von ScharfschĂźtzen. Bereits Anfang 1940 plante man die Aufstellung von geschlossenen ScharfschĂźtzen-Kompanien. Der ReichsfĂźhrer SS schrieb hierzu am 29. März 1940 an Reichsjustizminister Franz GĂźrtner, dass sämtliche WildschĂźtzen (Wilderer), besonders bayrischer und ostmärkischer Herkunft der Waffen-SS angegliedert werden und in ScharfschĂźtzenkompanien Verwendung finden sollten. Durch entsprechende militärische Leistungen sollten sie so ihre Strafe im Fronteinsatz abbĂźĂen. Wilderer, die mit der Kugel jagten, galten als ideale ScharfschĂźtzen: Sie mussten wie Jäger die Tarnung, das Anpirschen und den präzisen Schuss beherrschen, aber darĂźber hinaus noch auf âfeindlicheâ Jäger und FĂśrster achten (siehe z. B. Georg Herrnreiter oder Georg MĂźhlberger). Zur beabsichtigten Aufstellung kam es aber nicht; man geht von einer Intervention des Reichsjägermeister Hermann GĂśring aus, der die Wilderer zutiefst verabscheute und diese lieber im Konzentrationslager, als an der Front sah.cite-ref-122[122] Zwar wurde im Mai 1940 das âWilddiebkommando Oranienburgâ aufgestellt, welche in das SS-Sonderkommando Dirlewanger Ăźberging, aber da neben ca. 250 Wilderern im Laufe des Krieges die Einheit mit gewĂśhnlichen Kriminellen und Berufsverbrechern auf ca. 2150 Soldaten aufgestockt wurde, hatte diese Einheit somit nicht den Status einer ScharfschĂźtzeneinheit und wurde als solche auch nie eingesetzt.
Im weiteren Verlauf des Zweiten Weltkriegs wurden ScharfschĂźtzen in den Streitkräften aller kriegsbeteiligten Nationen eingesetzt, besonders in der Roten Armee. Der Roten Armee wurde der Wert dieser Spezialisten besonders im Finnisch-sowjetischen Winterkrieg 1939â1940 bewusst, als taktisch besonnen eingesetzte finnische ScharfschĂźtzen, wie zum Beispiel Simo Häyhä, den sowjetischen Einheiten schwere Verluste zufĂźgten. Als Konsequenz aus diesen Erfahrungen wurde das ScharfschĂźtzenwesen fortan in den sowjetischen Streitkräften besonders gefĂśrdert.
Auch in Deutschland setzte ein Umdenken erst durch die erlittenen Verluste im Krieg gegen die Sowjetunion 1941â1945 durch gegnerische ScharfschĂźtzen ein, und es wurden wieder spezielle ScharfschĂźtzenschulen eingerichtet. In der deutschen Wehrmacht war dieser Waffengattung zunächst wenig Bedeutung beigemessen worden. FĂźr die Bestätigung eines Abschusses waren die HĂźrden in der Wehrmacht relativ hoch. Ein bestätigter Abschuss musste von einem Beobachter mit eigenen Augen gesehen und von einem Offizier oder Unteroffizier bestätigt werden. Da die deutschen ScharfschĂźtzen oftmals einzeln und auf sich gestellt operierten, wurden viele AbschĂźsse nicht bestätigt. Des Weiteren sahen einige deutsche Offiziere ScharfschĂźtzenabschĂźsse als selbstverständliche soldatische Pflicht und somit nicht explizit erwähnenswert an. Auch gab es Offiziere, die ScharfschĂźtzen als hinterlistige, unehrenhafte Soldaten ansahen und deshalb eine Bestätigung verweigerten. Im Gegensatz zur Roten Armee wurden AbschĂźsse im direkten Angriff oder der Verteidigung bei der Wehrmacht nicht gezählt.cite-ref-123[123] Eine konstante Zählung der AbschĂźsse begann bei den meisten ScharfschĂźtzen erst mit der Stiftung des ScharfschĂźtzenabzeichens am 20. August 1944. Zur Anerkennung frĂźherer AbschĂźsse kam es in der Regel nicht, vielmehr wurden nur die gezählt, die ab 1. September 1944 erfolgten. Dies erklärt, warum viele deutschen ScharfschĂźtzen, obwohl bereits länger an der Front, ihre bestätigten AbschĂźsse alle in den letzten 8 Monaten des Krieges erzielten, wie z. B. der erfolgreichste WehrmachtsscharfschĂźtze Matthäus Hetzenauer.cite-ref-124[124] Deshalb dĂźrfte die tatsächliche Abschusszahl um ein vielfaches hĂśher liegen als die Anzahl der bestätigten AbschĂźsse. In der Sowjetunion erkannte man schon von Anfang an den propagandistischen Wert der ScharfschĂźtzen. ScharfschĂźtzen kamen in der Regel aus dem Mannschaftsstand. Mit solch einfachen Soldaten konnte sich die BevĂślkerung oder der einfache Infanterist eher identifizieren als mit hochdekorierten Offizieren. Die Tätigkeit der deutschen ScharfschĂźtzen rĂźckte erst 1944 in den Fokus der Propaganda mit der EinfĂźhrung des ScharfschĂźtzenabzeichens. Dieses wurde im Fronteinsatz so gut wie nicht getragen, da man bei Gefangennahme mit sofortiger ErschieĂung, zumindest aber mit schweren Misshandlungen rechnen musste. Das ScharfschĂźtzenabzeichen war hochangesehen, und das NS-Regime instrumentalisierte die ScharfschĂźtzen, indem es herausragende SchĂźtzen durch Ehrungen propagandistisch herausstellte. In der Verleihungsbestimmung wurde ausdrĂźcklich betont, dass das Abzeichen nur an ausgebildete ScharfschĂźtzen verliehen werden durfte. ScharfschĂźtzen, die sich ohne den vierwĂśchigen ScharfschĂźtzenlehrgang seit Jahren als solche, zum Teil sehr erfolgreich, betätigten, konnten das Abzeichen nicht verliehen bekommen.cite-ref-125[125] Die Qualität des deutschen ScharfschĂźtzenlehrgangs war auf sehr hohem Niveau. Im Interview aus dem Jahre 1967 von Hauptmann Hans Widhofner fĂźr die Zeitschrift Truppendienst gab der ScharfschĂźtzenausbilder Helmut Wirnsberger, der mit 64 AbschĂźssen ein erfahrener Ostfrontkämpfer war, an, dass die meisten deutschen ScharfschĂźtzen aus 400 m Entfernung einen Kopf, aus 500â600 m einen OberkĂśrper und aus 600â800 m einen stehenden Soldaten sicher trafen. Er gab auch an, dass sehr gute ScharfschĂźtzen noch weiter schossen wie z. B. Matthäus Hetzenauer, der bestätigt auf 1100 m einen stehenden russischen Soldaten tĂśtete. Hetzenauer selber argumentierte im Zusammenhang mit diesem Abschuss damit, dass er dem Feind beweisen wollte, dass er selbst auf diese Entfernung sich nicht sicher fĂźhlen konnte.cite-ref-youtube-com-86-1[86]cite-ref-referenceb-126-0[126]
Neben dem ScharfschĂźtzenabzeichen in den drei Stufen (fĂźr 20, 40, 60 AbschĂźsse) konnten Soldaten noch wie folgt gewĂźrdigt werden: Eisernes Kreuz 2. Klasse fĂźr 10 bestätigte AbschĂźsse und fĂźr 50 bestätigte AbschĂźsse das Eiserne Kreuz 1. Klasse. Bei 100 bestätigten AbschĂźssen konnte der Soldat fĂźr das Deutsche Kreuz in Gold und bei 200 AbschĂźssen fĂźr das Ritterkreuz eingereicht werden. Des Weiteren lieĂ es sich Reichsmarschall Hermann GĂśring in seiner Funktion als âReichsjägermeisterâ nicht nehmen, ScharfschĂźtzen nach ihrem 50. bestätigten Abschuss mit entsprechenden Fotos und Filmaufnahmen fĂźr die Wochenschau persĂśnlich zur Jagd einzuladen.cite-ref-128[128] Offiziell wurden nur zwei WehrmachtsscharfschĂźtzen mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet und drei weitere fĂźr das Ritterkreuz vorgeschlagen: Verliehen wurde das Ritterkreuz an Matthäus Hetzenauer fĂźr 345 bestätigte AbschĂźsse, die von ihm alle in den letzten 8 Monaten des Krieges getätigt wurden, und an Friedrich Pein fĂźr seinen 200. bestätigten Abschuss. Josef (Sepp) Allerberger mit 257 bestätigten AbschĂźssen und Josef Roth mit 201 bestätigten AbschĂźssen wurden fĂźr das Ritterkreuz eingereicht, aber aufgrund der Wirren der letzten Tage des Krieges gab es von offizieller Seite keine Bestätigung mehr.cite-ref-the-sniper-encyclopaedia-2019-104-2[104] Besonders verworren ist die Verleihungssituation beim Oberjäger Jakob Hechl von der 3. Kompanie des Gebirgsjägerregiments 91 der 4. Gebirgsdivision. FĂźr das Ritterkreuz waren seine 121 bestätigten AbschĂźsse nicht ausreichend, aber in Verbindung mit seinem auĂergewĂśhnlichen Einsatz als Späh- und StoĂtruppfĂźhrer wurde ihm das Ritterkreuz am 12. März 1945 durch Generalfeldmarschall Ferdinand SchĂśrner verliehen. Dies ist so im Bozener Tageblatt vom 18. April 1945 nachzulesen. Im Standardwerk Die Ritterkreuzträger 1939â1945 ist zu diesem Fall lediglich vermerkt: Nicht im Bundesarchiv nachweisbar. Es liegt nahe, dass Generalfeldmarschall SchĂśrner dem Oberjäger Hechl das Ritterkreuz in Eigenregie, also ohne offizielle Einreichung verliehen hat. Bruno Sutkus mit 209 bestätigten AbschĂźssen und Odo Willscher von der Waffen-SS mit 248 bestätigten AbschĂźssen hätten beide die Anforderungen fĂźr das Ritterkreuz erfĂźllt, wurden aber auch nicht fĂźr das Ritterkreuz vorgeschlagen. Bei Auszeichnungen unterhalb des Ritterkreuzniveaus war die Verleihung ebenfalls kein Automatismus. Das deutsche Kreuz in Gold wurde an den Gefreiten Hans Gruber fĂźr seinen 102. Abschuss, an den Obergefreiten Willi Pfirmann vom 2./Grenadier-Regiment 689 fĂźr 178 bestätigte AbschĂźsse und an den Gefreiten Georg Burdinski vom 5./Grenadier-Regiment 689 fĂźr 169 bestätigte AbschĂźsse verliehen. Burdinski soll bis Kriegsende 246 AbschĂźsse getätigt haben. FĂźr Unteroffizier BĂźhler von der 547. Volksgrenadier-Division, Unteroffizier Roschorrek von der 561. Volksgrenadier-Division, Unteroffizier Georg Kleber und den Gefreiten Artur ZĂźhlke vom 1./Grenadier-Regiment 1087, alle vier ScharfschĂźtzen mit Ăźber 100 bestätigten AbschĂźssen, ist hingegen keine Verleihung des deutschen Kreuzes bekannt. Auch beim Gefreiten Deffner vom 13./ Grenadier-Regiment 278 mit insgesamt 158 AbschĂźssen und Leopold Meier vom 144. Gebirgsjäger Regiment mit 180 AbschĂźssen ist eine Verleihung nicht nachgewiesen.cite-ref-the-sniper-encyclopaedia-2019-104-3[104]cite-ref-129[129]cite-ref-130[130]cite-ref-131[131]cite-ref-132[132]cite-ref-133[133]
Die deutschen ScharfschĂźtzen verwendeten bereits seit Anfang des Krieges die hochwertigen Zeiss Zielvier (4fach), Zielsechs (6fach) und Zielacht (8fach) Zielfernrohre. Vereinzelt ist in der Literatur zu lesen, dass das ZF41 ebenfalls als ScharfschĂźtzenoptik verwendet wurde. Das ZF41 wurde nie als ScharfschĂźtzenoptik konzipiert und 98er Gewehre mit ZF 41 wurden nur in der Anfangszeit als ĂbergangslĂśsung als ScharfschĂźtzengewehre eingesetzt, da die deutsche Optikindustrie der groĂen Nachfrage an qualitativ hochwertigen Optiken aus Ressourcenmangel nicht nachkommen konnte. Alleine die geringe VergrĂśĂerung von 1,5fach und die schlechte Dämmerungsleistung widerspricht einer Optik fĂźr den ScharfschĂźtzeneinsatz, deswegen wurde das ZF41 von den ScharfschĂźtzenschulen abgelehnt. Vielmehr sollte das ZF41 den normalen Infanteristen zum präziseren SchĂźtzen bis mittlere Entfernung (250 m) befähigen. Die Problematik des Kimme und KornschieĂen ist, dass das menschliche Auge nicht zwei verschiedene Punkte gleichzeitig scharf sehen kann. Entweder sieht der SchĂźtze Kimme und Korn scharf und dafĂźr das Ziel verschwommen oder umgedreht. Diese Problematik konnte mit dem ZF41 behoben bzw. der Kampfwert des normalen Infanteristen in puncto Präzision gesteigert werden. Das Konzept des ZF41 war seiner Zeit weit voraus wie man z. B. am Sturmgewehr 77 (Steyr AUG) erkennen kann. Das Standardgewehr des Ăśsterreichische Bundesheeres besitzt ebenfalls in der GrundausfĂźhrung ein relativ kleines schmales Zielfernrohr mit 1,5-facher VergrĂśĂerung. Bis Kriegsende 1945 wurden mehr als 100.000 ZF41-Zielfernrohre hergestellt. UrsprĂźnglich war geplant, die meisten Kampfeinheiten mit dem ZF41-Zielfernrohr auszustatten, aber nur 6 % der deutschen Waffenproduktion konnten mit dem Zielfernrohr ausgerĂźstet werden.cite-ref-134[134]cite-ref-135[135]cite-ref-136[136]cite-ref-137[137]cite-ref-138[138]
In der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs kamen bei der Wehrmacht nachweislich vereinzelt Schalldämpfer bei den ScharfschĂźtzen zum Einsatz. DafĂźr wurde extra eine 7,92 mm Gewehr-Nahpatrone entwickelt, die eine MĂźndungsgeschwindigkeit von ca. 300 m pro Sekunde besaĂ und damit unter der Schallgeschwindigkeit lag. Dies schränkte zwar den Wirkungsbereich ein, aber der verräterische Geschossknall blieb aus, während der MĂźndungsknall vom Schalldämpfer unterdrĂźckt wurde. Trotz dieser Vorteile standen die deutschen ScharfschĂźtzen dieser Kombination sehr kritisch gegenĂźber. GrĂźnde dafĂźr waren der reduzierte Wirkungsbereich, aber auch die Tatsache, dass gefangene ScharfschĂźtzen meist mit sofortiger ErschieĂung rechnen mussten, aber jene, die mit schallgedämpften Waffen in Gefangenschaft gerieten, noch zusätzlich mit schwerster Folter.cite-ref-139[139]
Deutscher ScharfschĂźtzeneinsatz in Verteidigung und RĂźckzugsgefechten
Ein ideales Einsatzszenario bietet fßr Scharfschßtzen die Verteidigung oder Rßckzugsgefechte. Dies bewiesen, nach dem Ersten Weltkrieg, erneut die finnischen Scharfschßtzen im Winterkrieg 1939 gegen die Sowjetunion. josef-allerbergerSepp Allerberger, mit 257 bestätigten Abschßssen einer der erfolgreichsten Scharfschßtzen der Wehrmacht, beschrieb seine Taktik an der Ostfront wie folgt:
âIch wartete ruhig ab, bis die nächsten vier Angriffswellen sich auf unsere Linien zubewegten. Dann feuerte ich schnell auf die zwei hinteren Wellen, wobei ich jeweils auf den Magenbereich zielte. Diese unerwarteten Opfer im hinteren Angriffsbereich und die fĂźrchterlichen Schreie der Verwundeten brachten den Angriff in den hinteren Reihen schon bald zum Stehen. Das wiederum verursachte Unruhe in den beiden fĂźhrenden Angriffsreihen, so dass der ganze Angriff zu stocken begann. Jetzt konnte ich mich auf Ziele in den beiden ersten Reihen konzentrieren. Ich schoss dabei auf alle sowjetischen Soldaten, die sich weniger als 50 m vor meiner eigenen Stellung befanden. Als Ziel wählte ich das Herz oder den Kopf aus. Wenn sich feindliche Soldaten umdrehten und wegliefen, dann sorgte ich mit einem Schuss in die Nieren dafĂźr, dass sie schreiend zusammenbrachen. Zu diesem Zeitpunkt war der Angriff dann schon vollkommen zusammengebrochen.â
An solchen Kampflagen erzielte Allerberger oft ßber 20 Abschßsse, die allerdings bei der Wehrmacht nicht gezählt wurden, da diese im direkten Angriff oder Verteidigung getätigt wurden.cite-ref-140[140]
Oftmals war es auch taktisches UnvermÜgen, weshalb die alliierten Soldaten Opfer deutscher Scharfschßtzen wurden. So wie im Fall von Private Vincent McHardy Smith. Am 8. März 1944 während des alliierten Italienfeldzuges musste eine wichtige Nachricht an die Front gelangen. Ein Meldefahrer wurde losgeschickt, der von einem deutschen Scharfschßtzen erschossen wurde. Der zweite Meldefahrer wurde ebenfalls von einem deutschen Scharfschßtzen erschossen. Der kommandierende Offizier bat um einen Freiwilligen, worauf sich Private Smith meldete. Auch er wurde das Opfer eines deutschen Scharfschßtzen.cite-ref-141[141]
An der Westfront boten die langgezogenen Heckenreihen der Normandie den deutschen Scharfschßtzen ideale Stellungen. Oft gruben sie sich unter den Hecken ein und waren so vor MÜrserbeschuss geschßtzt. Zwischen den Hecken platzierten sie auch oft Sprengfallen, Minen und Stolperdrahtsprengfallen. Aus solch geschßtzten Stellungen heraus konnten die deutschen Scharfschßtzen oftmals mehrere Schßsse abgeben, bevor sie in eine Wechselstellung mussten. Mit nur wenigen Schßssen erzeugten sie leicht Panik und Chaos unter den meist kampfunerfahrenen GI´s.
Eines der hochrangigsten Opfer der deutschen Normandie-ScharfschĂźtzen war der US Brigadegeneral James Edward Wharton. Er Ăźbernahm am 12. August 1944 als kommandierender General die 28. US-Infanteriedivision. Am selben Tag inspizierte er an der Front das 112. Infanterieregiment in der Nähe von Sourdeval in der Normandie, um sich ein Bild von der aktuellen Lage zu machen, und wurde nach nur wenigen Stunden im âAmtâ von einem deutschen ScharfschĂźtzen erschossen. Ebenfalls am 12. August 1944 wurde der bekannte amerikanische Footballspieler Jim Mooney, auch von der 28. Infanteriedivision, von einem deutschen ScharfschĂźtzen erschossen.cite-ref-142[142]cite-ref-143[143]cite-ref-144[144]
Im Zusammenhang mit den Kämpfen in der Normandie berichtete ein englischer Sergeant ßber den Gefreiten Kurt Spengler:
âSpengler war als einziger Soldat seiner Einheit in einem Minenfeld bei Hermanville, 13Km nĂśrdlich von Caen, zurĂźckgeblieben, als sich das deutsche Gros nach SĂźden absetzte. Tag und Nacht hielt er das Vorfeld unter Feuer und schoss einen Spähtrupp nach dem anderen von uns ab. Er war nicht kleinzukriegen. Rings um ihn herum war totes Niemandsland, gespickt mit Minen besonderer Art. Als wir nach tagelanger massierter Artillerieeinwirkung durchbrachen, fanden wir ihn tot. In der Nähe lagen die leeren Dosen der Konserven, von denen er gelebt hatte und viele leere PatronenhĂźlsen. Nach der Einnahme von Hermanville wies der Kommandeur unseres Regiments mit einem Befehl darauf hin, dass diese Zähigkeit des deutschen ScharfschĂźtzen, der Spengler hieĂ, fĂźr uns das beste Beispiel von Tapferkeit und Haltung sei.âcite-ref-145[145]
Der berĂźhmte Journalist und Kriegsberichterstatter Ernie Pyle beschrieb die Problematik mit deutschen ScharfschĂźtzen in der Normandie 1944 mit den Worten: âHier in der Normandie gibt es Ăźberall deutsche ScharfschĂźtzen. Die ScharfschĂźtzen sitzen in den Bäumen, in Gebäuden, in Ruinen und im Gras. Hauptsächlich verstecken sie sich aber in den hohen Heckreihen, mit denen die Felder hier in der Normandie eingegrenzt werden und die sich neben jeder StraĂe und neben jedem Weg befinden.âcite-ref-146[146] Der Hass auf die deutschen ScharfschĂźtzen in der Normandie ging so weit, dass dieser zu vorsätzlichen Kriegsverbrechen fĂźhrte. Ernie Pyle notierte in Brave Men (New York 1944) ein Gespräch mit einem befreundeten Offizier. Dieser teilte ihm mit, dass er bzw. seine Einheit keine deutschen ScharfschĂźtzen lebend in Gefangenschaft brachten.cite-ref-147[147] Kriegsverbrechen an deutschen ScharfschĂźtzen wurden teilweise von hĂśchster Stelle toleriert, so z. B. vom US General Patton, der Ăźber das von amerikanischen Soldaten verĂźbte Biscari-Massaker folgende Aussage in sein Tagebuch schrieb:
âI told Bradley that it was probably an exaggeration, but in any case to tell the Officer to certify that the dead men were snipers or had attempted to escape or something, as it would make a stink in the press and also would make the civilians mad. Anyhow, they are dead, so nothing can be done about it.â
âIch sagte Bradley, dass es sich wahrscheinlich um eine Ăbertreibung handle, aber in jedem Fall solle dem Offizier gesagt werden, dass er bestätigen solle, dass die toten Männer ScharfschĂźtzen gewesen seien oder versucht hätten zu fliehen oder so etwas, denn die Presse kĂśnnte Ărger machen und damit auch die Zivilisten verrĂźckt machen. Jedenfalls wären sie jetzt tot, und dagegen kĂśnne sowieso nichts mehr getan werden.âcite-ref-148[148]
Die Wehrmacht setzte mit dem Zielgerät 1229 (auch als Vampir bezeichnet) als erste Armee ein aktives Nachtsichtgerät ein. Die so ausgerĂźsteten Soldaten wurden vom Oberkommando der Wehrmacht als Nachtjäger bezeichnet. Vampirgeräte wurden zum ersten Mal im Februar 1945 eingesetzt, obwohl die Produktion der Geräte bereits seit Anfang 1944 im kleinen Rahmen lief. Bis zum Kriegsende wurden nachweislich 310 Einheiten an die Wehrmacht geliefert, die sie hauptsächlich an der Ostfront einsetzte. In Berichten von Zeitzeugen kann man von ScharfschĂźtzen, die nächtens mit groĂen, nicht leuchtenden Scheinwerfern, montiert auf ebenso enorme Zielfernrohre, Jagd auf Gegner machten lesen.
ScharfschĂźtzen der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg
Die Basis fßr das sowjetische Scharfschßtzenwesen wurde ironischerweise von der deutschen Reichswehr und der deutschen Optikindustrie Mitte der 1920er-Jahre geschaffen. Deutschland und die Sowjetunion waren von den damaligen ßbrigen Nationen isoliert. Deshalb unterhielt die deutsche Reichswehr in den 1920er-Jahren ein Ausbildungs- und Beratungsprogramm, zusammen mit der Roten Armee, in dem auch die deutschen Erfahrungen im Hinblick auf die taktischen Verwendungen von Scharfschßtzen weitergegeben wurden. Die durch Inflation und mangelnder Auftragslage wirtschaftlich angeschlagene deutsche Optikindustrie lieferte ganze Jahresproduktionen an die Rote Armee. Diese Zusammenarbeit ging sogar so weit, dass eine ganze Fabrikeinrichtung zur Herstellung optischer Geräte incl. Maschinen, Fertigungsplänen und technischem Know-how an die Sowjetunion verkauft wurde. Deutsche Optikmeister ßberwachten die Fertigung und bildeten ihre russischen Kollegen in der Technologie aus. U. a. ein Ergebnis dieser deutsch-russischen Zusammenarbeit war das Standardzielfernrohr der Roten Armee, das PEM-Zielfernrohr mit einer lichtstarken Optik, HÜhen- und Seitverstellung, welches von Berliner Emil Busch AG entwickelt wurde.cite-ref-149[149]
Zwar verfßgte die Rote Armee im sowjetisch-finnischen Krieg 1939 ßber Scharfschßtzen, aber diese wurden noch in der taktischen Konzeption eines Stellungskrieges ausgebildet. Währenddessen waren die Finnen mit ihren Skiern hochmobil und fßgten den sowjetischen Soldaten und Scharfschßtzen empfindliche Verluste zu. Die Rote Armee hatte aus diesen Erfahrungen gelernt und deshalb wurde ihre Ausbildung intensiviert, taktisch angepasst und die Anzahl der sowjetischen Scharfschßtzen während des Krieges ständig erhÜht.cite-ref-150[150]cite-ref-151[151]
Die zwei berĂźhmtesten âEdelschĂźtzenâ bzw. âAusgezeichneten ScharfschĂźtzenâ (Bezeichnung eines ScharfschĂźtzen der Roten Armee mit 50 tĂśdlichen Treffern) waren Wassili Saizew und Ljudmila Pawlitschenko. Saizew erzielte 252 AbschĂźsse. Er zeichnete sich besonders während der Schlacht von Stalingrad und später als erfahrener Ausbilder aus. Pawlitschenko war mit 309 bestätigten tĂśdlichen Treffern die erfolgreichste ScharfschĂźtzin und war damit stark im Fokus der sowjetischen Medien. Sie wurde nach Kanada und in die USA auf eine PR-Reise geschickt und wurde zur ersten SowjetbĂźrgerin, die von einem US-amerikanischen Präsidenten â Franklin D. Roosevelt â im WeiĂen Haus empfangen wurde.cite-ref-152[152] Die angeblich 70 getĂśteten ScharfschĂźtzen von Leutnant Golosov sind hingegen im Bereich Legendenbildung und Propaganda einzuordnen, da dieser bereits im August 1943 fiel und keine seriĂśse Quelle diese Zahl bestätigt. Die Quelle in der russischen Wikipedia bestätigt zwar die GesamttĂśtungszahl von Golosov, aber die 70 getĂśteten ScharfschĂźtzen werden dort nicht erwähnt. Wenn Ăźberhaupt, dann wurde wahrscheinlich der einzelne hervorragend schieĂende deutsche Infanterist zum ScharfschĂźtzen deklariert. Die Rote Armee stellte an die Bestätigung eines Abschusses deutlich geringere Anforderungen als die Wehrmacht, da sie ihre ScharfschĂźtzen in noch deutlich grĂśĂerem MaĂe als die deutsche Seite fĂźr die Propaganda instrumentalisierte. Durch die Armeezeitung Na Saschtschitu Rodiny entstand ein regelrechter Kult um das ScharfschĂźtzentum, das ideologisch verbrämt und als Kriegsabenteuer romantisiert wurde. Bekannte ScharfschĂźtzen wurden von der BevĂślkerung wie Sportidole verehrt und erhielten starken Zulauf von Freiwilligen. ScharfschĂźtzen erhielten aufgrund ihrer Bedeutung und ihres besonderen Status eine bessere Einzelausbildung und wurden wesentlich besser verpflegt und versorgt als das Massenheer.cite-ref-153[153] Ein bekanntes Beispiel der sowjetischen Propaganda ist der Fähnrich Mikhail Surkov. Bei seiner hohen Abschusszahl ist es unerklärbar, warum er nicht als Held der Sowjetunion ausgezeichnet wurde, sondern ânurâ den Leninorden verliehen bekam, zumal viele sowjetischen ScharfschĂźtzen, die deutlich unter seiner angeblichen Leistung waren, als Helden der Sowjetunion ausgezeichnet wurden. Einige Quellen schreiben Surkov 702 AbschĂźsse zu. Nachkriegsuntersuchungen zeigten jedoch, dass diese Zahl maĂlos Ăźbertrieben ist und nur der Propaganda diente.cite-ref-154[154]
Der groĂe Erfolg der sowjetischen ScharfschĂźtzen in Stalingrad lag hauptsächlich daran, dass sie in relativ groĂer Anzahl eingesetzt wurden und dass urbanes Gelände ideal fĂźr den ScharfschĂźtzeneinsatz ist. Es gibt dort Häuserruinen, Mauerreste, ausgebrannte Panzer, Kellerräume und ähnliche Standorte, die vom Gegner schlecht eingesehen werden kĂśnnen und von wo sich der ScharfschĂźtze ungesehen in eine Wechselstellung begeben kann. In Stalingrad erreichte das mediale Interesse, vor allem mit Saizew (s. o.), seinen HĂśhepunkt. Dort entstand auch das bekannteste Beispiel der sowjetischen ScharfschĂźtzenpropaganda. Ein Aufeinandertreffen in Stalingrad mit einem unbekannten, aber âsehr fähigen deutschen ScharfschĂźtzenâ, wie Saizew in seiner Biographie vermerkte, wurde von der damaligen sowjetischen Propaganda zu einem mehrtägigen Duell verklärt. Demnach sei ein gewisser Major Erwin KĂśnig, Leiter einer deutschen ScharfschĂźtzenschule in Zossen, auf obersten Befehl nach Stalingrad entsandt worden, um Saizew aufzuspĂźren und zu tĂśten. Oberst Batjuk, Kommandeur der 284. SchĂźtzen-Division, habe daraufhin Saizew persĂśnlich den Befehl erteilt, Arbeitsweise, Tarnung und SchieĂgewohnheiten von Major KĂśnig zu studieren, um ihn gezielt zu bekämpfen.cite-ref-155[155] Das angebliche Duell zwischen Saizew und Major KĂśnig wurde als eine Art personalisierte EinzelkriegsfĂźhrung inmitten der Massenschlacht von Stalingrad hingestellt. Nach tagelangen mehreren gegenseitigen TäuschungsmanĂśvern habe Saizew Major KĂśnig mit einem Kopfschuss tĂśten kĂśnnen.cite-ref-156[156] Erwähnt wurde dieses angebliche Duell nur von sowjetischen Quellen.cite-ref-157[157] In den Unterlagen der deutschen Wehrmacht findet sich kein Major Erwin KĂśnig; auĂerdem galt die Tätigkeit als ScharfschĂźtze in der deutschen Armee als eines Offiziers âunwĂźrdigâ und wurde in der Regel von Mannschaftsdienstgraden oder Unteroffizieren ausgeĂźbt. So kamen selbst die erfolgreichsten und hĂśchstdekorierten ScharfschĂźtzen der Wehrmacht, Matthäus Hetzenauer und Friedrich Pein, nie Ăźber den Dienstgrad eines Gefreiten bzw. Oberjägers (Unteroffizier der Gebirgstruppe) hinaus. Schon 1973 verĂśffentlichte der Autor und Historiker William Craig (1929â1997) in seinem Buch Enemy at the Gates â The battle for Stalingrad auch im Westen eine Beschreibung des angeblichen ScharfschĂźtzenduells. Saizew selbst verĂśffentlichte seine Memoiren schlieĂlich im Jahre 1981.cite-ref-158[158] Nachdem seine Geschichte erstmals auch in einem Film ĐĐ˝ĐłĐľĐťŃ ĐĄĐźĐľŃŃи (Todesengel)cite-ref-159[159] dargestellt worden war, griffen westliche Medien das Thema wieder vermehrt auf. Im Jahre 1998 kam der britische Historiker Antony Beevor in seinem Buch Stalingrad zu dem Schluss, dass die Geschichte trotz einiger realer Anleihen im Wesentlichen Fiktion sei.cite-ref-160[160] Gleichwohl erschien nur ein Jahr darauf der Roman War of the Rats von David L. Robbins, in dem das Duell wieder ein zentrales Motiv darstellte.cite-ref-161[161] Dieser bildete wiederum die Grundlage zu dem Film Duell â Enemy at the Gates von Jean-Jacques Annaud aus dem Jahre 2001, in dem Saizews Rolle von Jude Law verkĂśrpert wurde.
Japanische ScharfschĂźtzen im Zweiten Weltkrieg
ScharfschĂźtzenschulen oder eine standardisierte ScharfschĂźtzenausbildung gab es bei der japanischen Armee nicht. Vielmehr wurden die wenigen Zielfernrohrgewehre an hervorragend schieĂende Infanteristen ausgegeben, die dann in den jeweiligen Einheiten vermehrtes SchieĂtraining mit ihren Zielfernrohrgewehren absolvierten. Da im Dschungelkampf die meisten Entfernungen unter 100 m lagen, war das Element der Tarnung weitaus wichtiger als das âweiteâ SchieĂen. Dies erklärt die bescheidene AusrĂźstung. Das gebräuchlichste ScharfschĂźtzengewehr der Japaner war das Arisaka Typ-97 mit einer Seitenmontage, worauf ein Zielfernrohr mit einer nur 2,5fachen VergrĂśĂerung ohne Verstellung montiert war. Die Gläser wurde u. a. von Nikon oder Toshiba gefertigt. Nur wenige Gewehre waren mit einstellbaren 4-fach-Zielfernrohren ausgestattet. Oftmals arbeiteten die japanischen ScharfschĂźtzen mit dem regulären Infanteriegewehr Arisaka Typ 38 ohne Zielfernrohr. Dabei handelte es sich um ausgesuchte Gewehre mit hoher Präzision. Die Defizite in AusrĂźstung und Ausbildung glichen die japanischen ScharfschĂźtzen aber mit guter Tarnung, Fanatismus und Selbstopferung bzw. den Kampf bis zum eigenen Tod aus.cite-ref-162[162]
ScharfschĂźtzen der Vereinigten Staaten im Zweiten Weltkrieg
In den Streitkräften der Vereinigten Staaten war die ScharfschĂźtzenausbildung nur sehr rudimentär und beschränkte sich hauptsächlich auf die SchieĂausbildung. So mussten Amerikanische ScharfschĂźtzen einen KĂśrper auf 400 Metern Entfernung und einen Kopf aus 200 Metern Entfernung treffen kĂśnnen. Wichtige Elemente der ScharfschĂźtzenausbildung wie Taktik und Tarnung wurden nicht oder nur ansatzweise gelehrt. Des Weiteren gab es keine einheitliche Ausbildung, was zu groĂen Unterschieden in den Fähigkeiten der ScharfschĂźtzen fĂźhrte. Die mangelnde ScharfschĂźtzenausbildung der US Army erwies sich in der Normandie und im Feldzug in Westeuropa als verheerend, wo sie auf die gut ausgebildeten deutschen ScharfschĂźtzen trafen.cite-ref-referenceb-126-2[126]
Während der FeldzĂźge im Pazifikkrieg gegen die japanischen Truppen wurden die amerikanischen Truppen mit japanischen ScharfschĂźtzen konfrontiert. Obwohl diese nach deutschen oder sowjetischen MaĂstäben kaum ausgebildet waren bargen sie aufgrund ihres Fanatismus und der Eigenschaft bis zum Tode zu kämpfen ein hohes Gefahrenpotential fĂźr die US-Truppen. Daraufhin fĂźhrte der US-amerikanische General Douglas MacArthur 1943 ScharfschĂźtzen innerhalb des United States Marine Corps, die sogenannten Scout Sniper (Kundschafter-ScharfschĂźtzen), ein. Sie unterschieden sich von den amerikanischen Truppen in Europa bzw. den regulären ScharfschĂźtzen der United States Army vor allem durch bessere AusrĂźstung und einer etwas besseren Ausbildung. Sie wurden mit dem verbesserten Springfield M1903 A4 mit Zielfernrohren ausgerĂźstet, welche eine 8-fache VergrĂśĂerung hatten. In der Ausbildung lernten sie, neben dem SchieĂtraining, das Kartenlesen, Anfertigen von Militärzeichnungen und das Interpretieren von Luftaufnahmen. Obwohl die Ausbildung ein etwas hĂśheres Niveau als die der regulären ScharfschĂźtzen der United States Army hatte, erreichte sie damals nicht die hohe Qualität der deutschen oder sowjetischen Ausbildung. Bis heute werden die Scout Sniper im United States Marine Corps ausgebildet und eingesetzt.
Koreakrieg
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Ausbildung, wie bereits nach dem Ersten Weltkrieg, von Scharfschßtzen in allen Armeen wieder weitgehend eingestellt. Im Zeitalter der Atomwaffen glaubte man fßr sie keine weitere Verwendung mehr zu haben. Dies änderte sich wieder im Koreakrieg. Hierbei wirkte es sich besonders vorteilhaft aus, dass sich in dem Kontingenten der ANZAC und der Kanadier viele Farmer befanden, zu deren Alltag die Jagd gehÜrte.
Aus dem Koreakrieg sind zwei ScharfschĂźtzen bekannt. Zhang Taofang (chinesisch: ĺź ćĄčł; traditionelles chinesisch: ĺźľćĄčł; Wade-Giles: Zhang Tao-fang) war ein chinesischer ScharfschĂźtze. Genau wie Simo Häyhä arbeitete er ohne Zielfernrohr, nur mit Kimme und Korn. Er traf 7 Ziele mit 9 SchĂźssen. Mit dieser Quote Ăźbertraf er viele erfahrene ScharfschĂźtzen, die mit Zielfernrohren arbeiteten. Laut chinesischen Berichten soll er im Alter von 22 Jahren in nur 32 Tagen 214 amerikanische Soldaten mit 442 SchĂźssen getĂśtet oder verwundet haben. Eine erstaunlich hohe Zahl in einer sehr kurzen Zeit. Von den meisten Experten werden diese Zahlen angezweifelt. Sehr wahrscheinlich ist aber davon auszugehen, dass die AbschĂźsse im direkten Angriff und in der direkten Verteidigung, genau wie bei den sowjetischen ScharfschĂźtzen, hierbei mit einberechnet wurden. Nach dem Krieg lieĂ er sich als Kampfpilot auf einer MiG-15 ausbilden. 2022 wurde in China ein Film Ăźber sein Wirken im Koreakrieg verĂśffentlicht.cite-ref-163[163]cite-ref-164[164]
Der zweite bekannte ScharfschĂźtze war der australische Warrant Officer Ian Robertson, der bereits seit frĂźhester Jugend auf die Jagd ging. Zur Jagd brachte ihn sein Onkel bereits in jungen Jahren, der ihm auch das präzise SchieĂen beibrachte. Aufgrund der besseren Fleischverwertung musste Robertson kleine Kaninchen stets per Kopfschuss mit einem Kleinkalibergewehr (.22 lfB) tĂśten. Da ein Kleinkalibergewehr aber Ăźber eine deutlich geringere Geschossenergie als ein durchschnittliches Jagdgewehr verfĂźgt, lernte Robertson, sich bis auf 50 m an die Kaninchen anzupirschen. Im Einsatz verwendete er ein Lee-Enfield.303 Gewehr mit Zielfernrohr. Ăber die Anzahl seiner AbschĂźsse bewahrte Robertson stets Stillschweigen, da es seine grĂśĂte Angst war, dass man ihn in Kriegszeiten als Held, in Friedenszeiten dann aber als MĂśrder bezeichnen wĂźrde.cite-ref-165[165]
Zu den technischen Neuerungen fßr die amerikanischen Scharfschßtzen in Korea zählte das Sniper Scope Infrarot Nachtsichtgerät, dass aus dem deutschen Zielgerät ZG 1229 Vampir hervorging. Diese Nachtsichtgeräte waren unhandlich und schwer. Besonders hinderlich war der separat mitgefßhrte Batteriekasten, der die Stromversorgung sicherstellte. Trotzdem kamen sie erfolgreich zum Einsatz.cite-ref-166[166]
Vietnamkrieg
Als die USA 1965 mit Bodentruppen in den Vietnamkrieg eingriffen, beschloss der Kommandeur der 3rd Division den Aufbau einer ScharfschĂźtzenschule. Mit diesem Aufbau wurde der passionierte SportschĂźtze Captain âBobâ Russell beauftragt. Nachdem er fĂźnf Unteroffiziere als Ausbilder gewinnen konnte, schickt er diese zunächst auf Patrouille damit diese Fronterfahrung sammeln konnten. Im November 1965 begannen die ersten Lehrgänge. Im folgenden Jahr wurden bei verschiedenen Divisionen weitere Schulen eingerichtet. Russell kehrte zum Hauptquartier der Marines nach Quantico zurĂźck und schrieb dort das Ausbildungshandbuch fĂźr Scout Sniper.cite-ref-167[167]
Da es im Vietnamkrieg noch keine speziell konzipierten ScharfschĂźtzengewehre gab, arbeiteten die ScharfschĂźtzen meist mit Jagd-/Sportgewehren, die zum Teil auf militärische BedĂźrfnisse modifiziert wurden, so zum Beispiel die Remington 700, die unter der Bezeichnung M40 bekannt und bei den U.S. Marines seit 1966 als ScharfschĂźtzengewehr im Einsatz ist. Die ersten Modelle wurden im Remington Custom-Shop gefertigt und erhielten einen Holzschaft. Aufgrund der Feuchtigkeit im Dschungel von Vietnam wurde dieser jedoch bald durch einen Fiberglasschaft der McMillan Brothers Rifle Company ersetzt. Durch den neuen Schaft und andere Modifikationen war das M40A1 geboren, es wurde in Handarbeit von BĂźchsenmachern des Marine Corps hergestellt. Alle Modelle wie das M40A1 und das M40A3 (seit 1996) basieren auf einem modifizierten Remington-700-System. U. a. arbeitete Sgt. Charles âChuckâ Mawhinney mit dem M40 und einem Redfield Zielfernrohr 3-9x40.cite-ref-168[168] Er erzielte in 16 Monaten, zwischen 1968 und 1969, 103 bestätigte AbschĂźsse mit dem M40. Er war begeisterter Jäger aus Oregon und trat 1967 â nach der Hirschjagdsaison â dem US Marine Corps bei. In einem Interview 2012 der Zeitschrift American Rifleman (Magazin der NRA) gab er an, dass es fĂźr ihn keinen groĂen Ăbergang von der Jagd in Oregon zum ScharfschĂźtzen gab. In einem anderen Interview mit der Los Angeles Times beschrieb er seine ScharfschĂźtzentätigkeit als den ultimativen Jagdausflug.cite-ref-169[169]cite-ref-170[170]
Auch das Winchester-Modell 70 im Kaliber 7,62 à 63 mm (.30-06). fand bei den amerikanischen Scharfschßtzen Verwendung, so z. B. bei dem berßhmtesten Scharfschßtze des Vietnamkriegs, Carlos Hathcock, der 93 bestätigte Abschßsse verbuchen konnte, darunter einen nordvietnamesischen General. Im Einsatz schwer verwundet, konnte Hathcock später zwar nicht mehr als Scharfschßtze eingesetzt werden, war jedoch weiterhin als Ausbilder tätig und war in fßhrender Position bei der Grßndung einer Ausbildungseinrichtung fßr Späher und Scharfschßtzen (Scout Sniper School) in der Marine Corps Base Quantico beteiligt. Zu Hathcocks Auszeichnungen gehÜren u. a. das Purple Heart und der Silver Star.cite-ref-171[171] Ein weiterer bekannter Scharfschßtze war der Master Sergeant Eric Roy England. Er hatte 98 bestätigte Abschßsse und war im Zivilleben ein erfolgreicher Sportschßtze, der einige nationale und internationale Wettbewerbe gewann.cite-ref-172[172] Der erfolgreichste US-Scharfschßtze des Vietnamkrieges war Staff Sergeant Adelbert Francis Waldron von der 9th Infantry Division mit 109 bestätigten Abschßssen in nur 8 Monaten. Nach seinem Vietnameinsatz arbeitete er bis 1970 als Scharfschßtzenausbilder.cite-ref-the-sniper-encyclopaedia-2019-104-4[104]
Nordirlandkonflikt
Im Nordirlandkonflikt wurden von der South Armagh Brigade zwei ScharfschĂźtzenteams, die sogenannten South Armagh Snipers, eingesetzt. Die South Armagh Brigade war eine Brigade innerhalb der Provisional Irish Republican Army, die während des Nordirlandkonfliktes vor allem im SĂźden der Grafschaft Armagh operierte und als eine der berĂźchtigtsten IRA-Einheiten galt. Die zwei South Armagh Sniper Teams operierten so, dass jeweils das eine im Osten und das andere im Westen aktiv war. Beide Teams sollen aus jeweils vier SchĂźtzen bestanden haben. Von März 1990 bis Mitte 1992 wurden acht Sniper-Angriffe auf Sicherheitskräfte registriert, bei denen niemand verletzt wurde. Die Attacken erfolgten hauptsächlich mit den Kalibern 12,7 Ă 99 mm (.50 BMG) und 7,62 mm. Experten des MI5 vermuteten, dass bei einigen Angriffen ein PSG1-ScharfschĂźtzengewehr von Heckler & Koch im Kaliber 7,62 Ă 51 mm NATO verwendet worden sein kĂśnnte. Von August 1992 bis Dezember 1993 wurden in South Armagh sechs Soldaten und zwei Polizisten durch ScharfschĂźtzen getĂśtet, ehe von August 1994 bis Februar 1996 ein Waffenstillstand herrschte. Im Februar 1997 wurde in South Armagh der Soldat Stephen Restorick getĂśtet, womit sich die Anzahl von Todesopfern durch die South Armagh Snipers auf neun erhĂśhte. Sechs davon waren durch SchĂźsse des Kalibers. 50 BMG ums Leben gekommen, drei weitere durch das Kaliber 7,62 mm. Die meisten der rund 24 Sniper-Angriffe erfolgten aus einer Entfernung von unter 300 Metern, was grĂśĂtenteils daran lag, dass die Distanzen im urbanen Gelände meist unter 150 Meter liegen. Etwa 16 der Angriffe wurden aus einem modifizierten Fahrzeug heraus durchgefĂźhrt, wobei der SchĂźtze im Kofferraum lag und durch ein Stahlgestell gegen Beschuss geschĂźtzt war. Die Taktik des aus dem Kofferraum schieĂenden HeckenschĂźtzen wurde auch von den Beltway Snipers 2002 in den USA angewandt.
Die Bedrohung durch ScharfschĂźtzen war fĂźr die Sicherheitskräfte während Patrouillen sowie Checkpoints allgegenwärtig und hatte damit eine hohe psychologische Wirkung. Schutzwesten waren nicht nur kostspielig (4000 ÂŁ), sondern auch schwer (14,5 kg oder 32 lbs) und schränkten die Bewegungsfreiheit ein, z. B. beim schnellen Ein und Aussteigen aus Fahrzeugen. Neben den Kosten und dem Gewicht kam durch das Volumen der Schutzwesten eine weitere Problematik hinzu: Die Schutzwesten verdeckten die Taschen an der Uniformjacke und die AusrĂźstung am Koppeltragegestell. Deswegen musste die AusrĂźstung reduziert oder in einen Rucksack verpackt werden. Der naheliegende LĂśsungsansatz, dass die AusrĂźstung mittels MOLLE-System direkt an der Schutzweste angebracht wurde, offenbarte das nächste Problem: Die Luken der gepanzerten Fahrzeuge waren in einer Zeit konzipiert worden, in der Soldaten mit Schutzwesten nicht Ăźblich waren. Somit war der Lukendurchmesser oftmals zu gering fĂźr einen Soldat, der an seiner Schutzweste noch weitere AusrĂźstungsgegenstände mit sich fĂźhrte. Teilweise blieben Soldaten daher in ihren sicheren Unterständen, anstatt auf offener StraĂe Fahrzeuge zu kontrollieren. Die Bedrohung fĂźhrte zu einer Umverteilung von Ressourcen und zu einer Miteinbeziehung dieser Gefahr bei Routineoperationen, etwa bei dem Einsatz von Hubschraubern. Lieutenant General Sir Roger Wheeler, Oberkommandierender der britischen Truppen in Nordirland, sah die Sniper als eine Hauptbedrohung in South Armagh und machte deren Ergreifung zur Priorität. Bei der katholischen BevĂślkerung wurden die ScharfschĂźtzen hingegen teilweise gefeiert, erhielten Spitznamen wie Goldfinger, Terminator oder One Shot Paddy und wurden in Folk-Songs verewigt. Dreieckige StraĂenschilder mit der Abbildung eines ScharfschĂźtzen und der Aufschrift âSniper at Workâ waren verbreitet. Am 10. April 1997 gelang dem Special Air Service (SAS) in einem Farmkomplex bei Crossmaglen die Festnahme der IRA-Mitglieder Michael Caraher, Bernard McGinn, Seamus McArdle und Martin Mines. Mit der Festnahme dieses Sniperteams endeten die Aktivitäten der South Armagh Snipers, obwohl das andere Sniperteam nie festgenommen werden konnte.cite-ref-173[173]cite-ref-174[174]cite-ref-175[175]cite-ref-176[176]cite-ref-177[177]cite-ref-178[178]
Schlacht von Mogadischu 1993
In der Schlacht von Mogadischu fielen am 3. Oktober 1993 in Mogadischu die ScharfschĂźtzen Randall Shughart und Gary Ivan Gordon beim Versuch, einen abgeschossenen MH-60 âBlack Hawkâ und dessen verletzten Piloten Michael J. Durant gegen die zahlenmäĂig weit Ăźberlegenen somalischen Milizen zu verteidigen. Shughart und Gordon, die beide aus der Luft ScharfschĂźtzendeckung gaben, baten mehrfach um diesen Auftrag, obwohl keine weitere UnterstĂźtzung zu erwarten war und beide nur mit je einem ScharfschĂźtzengewehr und einer Pistole bewaffnet waren. Die Absturzstelle wurde Ăźberrannt und beide Soldaten wurden getĂśtet. Der abgestĂźrzte Pilot geriet in Gefangenschaft und wurde elf Tage später freigelassen. Beide ScharfschĂźtzen erhielten (postum) fĂźr ihren Einsatz Medal of Honor. Sie waren die Ersten, die seit dem Vietnamkrieg diese Auszeichnung erhielten.cite-ref-179[179]cite-ref-180[180] Insbesondere die Fernsehbilder getĂśteter und durch die StraĂen Mogadischus geschleifter US-Soldaten fĂźhrten in den USA zu einem Wandel der Ăśffentlichen Meinung Ăźber das Engagement in Somalia. Erst nach dieser Schlacht beschloss die US-Regierung, gepanzerte Truppentransporter, Panzer und AC-130H-Gunship-Flugzeuge nach Somalia zu entsenden. US-Präsident Bill Clinton kĂźndigte am 6. Oktober an, dass bis Ende März 1994 alle US-Soldaten aus dem Land abgezogen werden sollten.
Bosnienkrieg
Während der Belagerung von Sarajevo erlangte die Sniper Alley eine traurige BerĂźhmtheit. Sniper Alley (zu Deutsch ScharfschĂźtzengasse; bosnisch, kroatisch und serbisch: Snajperska aleja / ХнаŃпоŃŃка аНоŃа) war der informelle Name der breiten HauptverkehrsstraĂe Zmaja od Bosne, die von Westen nach Osten in die Innenstadt von Sarajevo fĂźhrte. Die StraĂe verbindet das städtische Industriegebiet mit der historischen Altstadt. Der Boulevard hat viele Hochhäuser, von denen aus sich ScharfschĂźtzen weitläufige Schussfelder boten. Während der Belagerung von Sarajevo war dieser Boulevard von serbischen ScharfschĂźtzenstellungen gesäumt und als gefährlichster Ort in Sarajevo berĂźchtigt. Bewohner, die sich tagsĂźber in diesem Bereich aufhielten, riskierten ihr Leben. Schilder mit der Aufschrift Pazi â Snajper! (Vorsicht â ScharfschĂźtzen!) warnten die Menschen. Um dem ScharfschĂźtzenfeuer zu entgehen, bewegten sich die Bewohner in diesem Bereich meistens rennend, von Deckung zu Deckung. Als weitere SchutzmaĂnahme gegen die ScharfschĂźtzen wurden Gegenstände (beispielsweise Container oder Bretterwände) platziert, in deren Sichtschutz man sich bewegen konnte. Laut vom ICTY gesammelten Daten tĂśteten die ScharfschĂźtzen allein im Zeitraum zwischen dem 10. September 1992 und dem 10. August 1994 253 Zivilisten und 406 Soldaten. Unter den GetĂśteten befanden sich Ăźber 60 Kinder. Im selben Zeitraum wurden 1296 Zivilisten und 1815 Soldaten durch SchĂźsse der ScharfschĂźtzen verletzt.cite-ref-181[181] Zu den Opfern zählten nicht nur einheimische Männer, Frauen und Kinder, sondern auch Journalisten, AngehĂśrige von Hilfs- und Rettungsorganisationen sowie UN-Soldaten. Besonders der Bereich um das Hotel Holiday Inn, das als Unterschlupf zahlreicher Kriegsberichterstatter und Journalisten galt, erhielt den Ruf einer âTodeszoneâ. Zwischen bosnisch (z. B. Dobrinja) und serbisch (z. B. Grbavica) besetzten Stadtteilen kam es zu Duellen von HeckenschĂźtzen, vereinzelt wurden Ziele auch von beiden Seiten beschossen. Die Bergung der Verwundeten und Toten nahm oftmals Stunden, in manchen Fällen auch Tage in Anspruch, da eintreffende Rettungsmannschaften ebenfalls unter Beschuss gerieten.
Im Gefolge des Bosnienkrieges wurde die SFOR-Schutztruppe mit deutscher Beteiligung aufgestellt. U. a. unterhielt die Bundeswehr das Feldlager Rajlovac bei Sarajevo. Durch den SFOR-Einsatz erkannte die Bundeswehr die Bedeutung des Scharfschßtzenwesens und beschaffte fßr diesen Einsatz das Präzisionsgewehr G22 und implementierte die Scharfschßtzenausbildung wieder kontinuierlich.cite-ref-182[182]
Die Sniper Alley und der ScharfschĂźtzeneinsatz in Sarajevo wurden in dem Film The Battle â Vertrauter Feind (Originaltitel: Shot through the heart) von 1998 thematisiert. Zwei Freunde und hervorragende SportschĂźtzen werden durch den Krieg, aufgrund der verschiedenen Ethnien, zu verfeindeten ScharfschĂźtzen. Der Film beruht, laut Filmdienst, auf einer wahren Begebenheit. Der Film erhielt mehrere Normierungen bzw. Auszeichnungen wie z. B. TCA Awards oder Gemini Award.cite-ref-183[183]cite-ref-184[184]cite-ref-185[185]cite-ref-186[186]cite-ref-187[187]
Krieg in Afghanistan 2001â2021
Im Krieg in Afghanistan 2001â2021 wurden mehrere ScharfschĂźtzenrekorde gebrochen. Den ersten bekannten Rekord stellte im März 2002 der kanadische Master Corporal Arron Perry mit einem Gewehr McMillan TAC-50 im Kaliber .50 BMG (12,7 Ă 99 mm NATO) auf. Ihm gelang damit eine TĂśtung auf eine Entfernung von 2310 Metern. Im gleichen Jahr wurde Perry von den kanadischen Streitkräften des unehrenhaften Verhaltens im Kampfeinsatz beschuldigt. Laut den VorwĂźrfen habe er die Leiche eines Talibankämpfers geschändet, indem er ihr einen Finger abschnitt, ihr eine Zigarette in den Mund steckte und ein Schild mit der Aufschrift âFuck Terrorismâ auf der Brust angebracht habe. Die Untersuchung wurde vom Canadian Forces National Investigation Service (CFNIS) durchgefĂźhrt. Zwar wurde das besagte Schild gefunden, aber man konnte nicht beweisen, dass es Perry angefertigt hatte. Zehn Monate später wurde die Untersuchung mangels Beweisen eingestellt und ihm wurde der Bronze Star verliehen.cite-ref-188[188] Perrys Rekord wurde nur wenige Tage später von dem kanadischen Corporal Rob Furlong Ăźberboten, der zu derselben Einheit wie Perry gehĂśrte. Furlong erzielte, ebenfalls noch im März 2002, einen aufgezeichneten und bestätigten Abschuss auf 2430 m, mit einem Gewehr McMillan TAC-50. Im Zuge der Operation Anaconda in Afghanistan lokalisierte Furlongs Beobachter einen MG-SchĂźtzen der Taliban, auf den Furlong daraufhin feuerte. Insgesamt benĂśtigte Furlong drei Versuche, um ihn tĂśdlich zu treffen. Das erste Projektil verfehlte sein Ziel. Der zweite Schuss traf den Rucksack des Taliban. Obwohl dieser das bemerkte, verlieĂ er seinen SchĂźtzenstand nicht. Dieser Rekord wurde schlieĂlich im November 2009 mit einem Gewehr im Kaliber .338 Lapua Magnum von dem britischen Corporal Craig Harrison in der Provinz Helmand in Afghanistan mit einer Entfernung von 2475 m Ăźberboten. Laut Harrison und seinem Beobachter ermĂśglichten ihm die idealen Wetterbedingungen, nach insgesamt neun Schuss zur Visierausrichtung, einen feindlichen MG-SchĂźtzen tĂśdlich zu treffen, wobei dieser zehnte Schuss zugleich der erste auf den KĂśrper des Gegners gezielte war. Windstille, klare Sicht und geringe Temperaturen (Hitze hätte zu Flimmern durch vom Boden aufsteigende Luft gefĂźhrt) waren begĂźnstigende Umstände. Harrison konnte weiterhin erkennen, dass ein zweiter feindlicher Kämpfer versuchte, die Waffe des getĂśteten SchĂźtzen aufzunehmen. Harrison tĂśtete auch diesen mit einem weiteren gezielten Schuss. Danach zerstĂśrte er mit einem nochmaligen Schuss das Maschinengewehr.cite-ref-189[189] Der aktuelle Entfernungsrekord (Stand 2022) wurde mutmaĂlich vom kanadischen ScharfschĂźtzen Dallas Alexander von der Canadian Special Operations Forces Command Joint Task Force 2 (JTF2) mit einem McMillan Tac-50-ScharfschĂźtzengewehr aufgestellt. Er bekämpfte einen ISIS-Terroristen auf eine Entfernung von 3540 m. Der Schuss wurde von einem Hochhaus abgefeuert. JTF2-Spezialeinheiten sind hauptsächlich mit der Terrorismusbekämpfung, ScharfschĂźtzenoperationen und der Geiselbefreiung beauftragt. Die Namen des ScharfschĂźtzen und seines Beobachters wurden (Stand 2023) nicht verĂśffentlicht.cite-ref-190[190]cite-ref-191[191]cite-ref-192[192]
Die Bundeswehr setzte in Afghanistan auĂer in der KSK und der QRF auch in den Infanteriekompanien ScharfschĂźtzen ein. Diese operierten schwerpunktmäĂig in Nordafghanistan von den drei groĂen BundeswehrstĂźtzpunkten Masar-e Scharif, Kundus und Faizabad aus.cite-ref-193[193]
Irak 2003â2011
Die von deutschen ScharfschĂźtzen während des Ersten Weltkrieges entwickelte Taktik des Lockvogels soll als Variante (âKĂśdernâ) bei der Besetzung des Irak 2003â2011 von amerikanischen ScharfschĂźtzen praktiziert worden sein. Die âKĂśder-Taktikâ wurde wahrscheinlich von der Asymmetric Warfare Group, einer Einheit der US-Army, die auf asymmetrische KriegsfĂźhrung spezialisiert ist, entwickelt. Wie aus Dokumenten eines Militärgerichts hervorgeht, wurden beim âKĂśdernâ militärische Gegenstände ausgelegt wie z. B. SprengschnĂźre, Plastiksprengstoff und Munition. Iraker die diese Gegenstände aufsammelten sollten getĂśtet werden. Captain Matthew P. Didier, AnfĂźhrer eines ScharfschĂźtzen-Aufklärungszuges des 1. Bataillons des 501. Infanterieregiments, gab in einer eidesstattlichen Erklärung an: âBeim KĂśdern legen wir einen Gegenstand aus, von dem wir wissen, dass er verwendet wird, um den Feind zu vernichten. Im Grunde legen wir einen Gegenstand aus und beobachten ihn. Wenn jemand den Gegenstand findet, ihn aufhebt und versucht damit zu verschwinden, stellen wir uns der Person, denn ich sehe das als Zeichen, dass sie den Gegenstand gegen die US-Streitkräfte einsetzen werden.â Inwieweit und in welchen Rahmen diese Taktik im Einsatz Anwendung fand und wie viele Menschen durch die KĂśdertaktik getĂśtet wurden, ist aufgrund militärischer Geheimhaltung unklar. Ăffentlich wurde diese Taktik, nachdem drei amerikanische ScharfschĂźtzen, Specialist Jorge Sandoval, Sergeant Evan Vela und Staff Sergeant Michael Hensley, des Mordes angeklagt wurden. Vela und Hensley erklärten den Ermittlern, dass der getĂśtete Iraker eine AK-47 bei sich gehabt habe und eine Bedrohung dargestellt habe. Andere Soldaten behaupteten jedoch, dass die AK-47 erst nach der ErschieĂung des Irakers neben ihm platziert worden sei. Da die angeklagten Soldaten die Waffen vermutlich erst nachträglich bei ihren Opfern platzierten, entsprach ihre Vorgehensweise nur teilweise der âKĂśder-Taktikâ. Die âKĂśder-Taktikâ wurde aber durch die Prozesse Ăśffentlich. Die Verteidiger argumentierten, dass die âKĂśder-Taktikâ den angeklagten Soldaten mĂśglicherweise TĂźr und Tor fĂźr ihre Taten geĂśffnet hat, weil es die rechtlichen Grenzen des TĂśtens in einem komplexen Kriegsgebiet verwischte.cite-ref-194[194]
Euromaidan
Bei den Protesten in der Ukraine zwischen Ende November 2013 und Februar 2014 kam es auch zu gezielten TĂśtungen durch ScharfschĂźtzen, deren Auftraggeber unbekannt sind. Der umstrittene Schweizer Historiker Daniele Ganser kam daraufhin zu dem Schluss, dass es neuerdings nur ein paar ScharfschĂźtzen braucht, um eine Regierung zu stĂźrzen.cite-ref-195[195]
Neuere Entwicklung bis heute
Im Korea- und im Vietnamkrieg setzte sich die Einsicht in die Bedeutung spezialisierter ScharfschĂźtzen durch, als man erkannte, dass das Verhältnis von abgefeuerter Munition zu tatsächlichen Treffern zu groĂ war. So schuf man in den Vereinigten Staaten so genannte Sniper schools, um die Soldaten im effizienten SchieĂen auszubilden. Die ersten militärisch konzipierten ScharfschĂźtzengewehre wurden erst Mitte der 1970er-Jahre entwickelt. Davor wurden teilweise Gewehre aus dem Zweiten Weltkrieg, Jagd oder Sportgewehre, in der Regel ohne ballistisches Absehen wie z. B. Mildot, verwendet. Das gebräuchlichste Absehen war Absehen 6 oder auch Cross Hair genannt.
Wie in den meisten Staaten wurde auch in Deutschland die Scharfschßtzenausbildung nach dem Zweiten Weltkrieg vernachlässigt. Bis Mitte der 1990er-Jahre fand die Scharfschßtzenausbildung der Bundeswehr bataillonsintern in den Kampfkompanien statt und es gab einen zweiwÜchigen Scharfschßtzenlehrgang (Zielfernrohrschßtze G3) fßr Reservisten. Die Bundeswehr setzte bis dahin das G3A3 mit Zielfernrohr Hensoldt Fero Z-24, 4x30, Absehen 1 (German reticle) als Scharfschßtzengewehr ein. Ein Umdenken setzte erst mit den ersten Auslandseinsätzen ein. Fßr den SFOR-Einsatz und das KSK beschaffte die Bundeswehr 1997 das G22 und forcierte daraufhin die Scharfschßtzenausbildung. 2016 fßhrte die Bundeswehr das G29 ein. Es wird von C. G. Haenel in Suhl hergestellt und lÜste das G22 sukzessive ab.cite-ref-kso-196-0[196]
Technik
Standard-ScharfschĂźtzengewehre bis 1945
Effektive Reichweite und Streukreise (Präzision) verschiedener Gewehre
Die Präzision von Gewehren wird mittels des Streukreises angegeben. Streukreise werden mit 3 oder 5 Schuss ermittelt. Der Streukreis ist dabei die Entfernung der Mittelpunkte der zwei Schßsse, die am weitesten voneinander entfernt liegen. Streukreise werden in Cm oder in MOA (sechzigster Teil eines Winkelgrads) angegeben. Bei Cm muss die Entfernung (meist 100 m) mit angegeben werden. Dies entfällt bei MOA, da MOA ein Winkelmaà ist.cite-ref-197[197]cite-ref-198[198]
MOA ist ein WinkelmaĂ, welches sich mit zunehmender Entfernung im gleichen MaĂe vergrĂśĂert. 1 MOA ist auf
⢠100 m = 2,91 cm,
⢠200 m = 5,82 cm,
⢠300 m = 8,73 cm
⢠usw.
Das metrische GegenstĂźck zu MOA ist MilRad (ein Milliradiant = ein Tausendstel Teil eines Radianten). 1 MilRad ist auf
⢠100 m = 10 cm,
⢠200 m = 20 cm,
⢠300 m = 30 cm
⢠usw.
Im Gegensatz zur regulären Infanterie verwenden die meisten Scharfschßtzen spezielle Los-Nummern oder gar eigens fßr sie produzierte Munition mit geringen Fertigungstoleranzen.
Maximale Reichweiten fßr gängige Scharfschßtzenkaliber
| Patrone/Kaliber | Maximale effektive Reichweite |
|---|---|
| 5,56 Ă 45 mm NATO ( .223 Remington ) | 300â500 m |
| 7,62 Ă 51 mm NATO ( .308 Winchester ) | 800â1000 m |
| 7,62 Ă 54 mm R | 800â1000 m |
| .300 Winchester Magnum | 900â1200 m |
| .338 Lapua Magnum | 1300â1600 m |
| .408 Chey Tac | 1500â2000 m |
| .50 BMG ( 12,7 Ă 99 mm NATO ) | 1500â2000 m |
| 12,7 Ă 108 mm (russisch) | 1500â2000 m |
| 14,5 Ă 114 mm (russisch) | 1900â2300 m |
Absehen (Fadenkreuz)
â
Hauptartikel
:
Absehen
Wie in allen technischen Bereichen gab es auch bei den Absehen eine historische Entwicklung. So wurde bei den deutschen Armeen bis Ende des Zweiten Weltkrieges meist das Absehen 1 (German reticle) verwendet. Die Bundeswehr setzte beim G3A3 mit dem Zielfernrohr Hensoldt Fero Z-24, 4x30 das Absehen 1 sogar noch bis Anfang der 1990er-Jahre ein. Das Tätigkeitsabzeichen Scharfschßtze/Zielfernrohrschßtze der Bundeswehr hat als Wappen ebenfalls ein Absehen 1. Im Korea- und Vietnamkrieg wurde meistens mit dem Sportabsehen Crosshair oder mit dem Jagdabsehen Duplex Crosshair gearbeitet. Seit den 1970er-Jahren findet in der Regel das Mil-dot oder eine abgewandelte Form des Mil-dot Verwendung.
Die verschiedenen Absehen mit den verschiedenen Einsatzzwecken:
⢠Crosshair: Wird meist von SportschĂźtzen verwendet, da diese in Wettkämpfen auf vorher festgelegten Distanzen schieĂen. Das feine Absehen findet aber auch Verwendung in der Varmintjagd (z. B. Jagd auf Kojoten). Da sich im jagdlichen Bereich die Entfernungen immer ändern, wird das Crosshair im jagdlichen Bereich meist mit einem ballistischen HĂśhenturm (zur Ănderung der Entfernung) verwendet.
⢠Duplex Crosshair: Klassisches Jägerabsehen fßr Entfernung bis 200 m. Wird darßber hinaus geschossen, dann meist in Verbindung mit einem ballistischen HÜhenturm. In Deutschland dem Absehen 4 sehr ähnlich.
⢠German reticle: Im Deutschen auch Absehen 1 genannt. Das Absehen 1 wurde grĂśĂtenteils in den deutschen Armeen in beiden Weltkriegen verwendet und im jagdlichen Bereich noch bis in die 1970er-Jahre. Es hat den Vorteil, dass das Ziel auf der Spitze aufgesetzt werden kann und somit nicht den Zielbereich verdeckt. Dies ist nĂźtzlich, wenn das Ziel sehr weit entfernt und zusätzlich noch sehr klein ist.
⢠Target dot: Wird in niedrigen VergrĂśĂerungen oftmals auf Bewegungsjagden (z. B. DrĂźckjagd) verwendet. Meist ist der Punkt im Zentrum zusätzlich noch rot beleuchtet. Ohne Kreuz bzw. nur als Rotpunkt mit keiner oder nur mit einer geringen VergrĂśĂerung wird es als Reflexvisier eingesetzt.
⢠Mil-dot: Klassisches Absehen fĂźr ScharfschĂźtzen oder fĂźr Jäger, die jenseits der 250 m jagen. Die Punkte sind meist ein Milrad (10 cm auf 100 m) auseinander. Im angloamerikanischen Sprachraum wird vereinzelt mit Winkelminuten (Minute of Angle, MOA = 2,91 cm auf 100 m) gearbeitet. Mit beiden MaĂeinheiten (Mil-dot oder MOA) kann der SchĂźtze/Jäger den Abfall der Kugel kompensieren und die Entfernung zum Ziel schätzen. In der Bildebene 1 funktioniert das in jeder VergrĂśĂerung, in der Bildebene 2 nur in einer bestimmten VergrĂśĂerung. Siehe: Absehen Die horizontalen Punkte werden als Vorhaltemarkierung genutzt, z. B. bei bewegten Zielen oder Seitenwind.
⢠Circle: Wird in niedrigen VergrĂśĂerungen oftmals von BehĂśrden (Polizei oder Bundeswehr) verwendet z. B. im Häuserkampf. Das Ziel kann durch den groĂen roten Kreis schnell erfasst werden. Meist ist der Kreis zusätzlich noch rot beleuchtet. Das Zielkreuz wird in der Regel auf 100 m eingeschossen und mit dieser Einstellung kĂśnnen Ziele im Nahkampf dann schnell mit dem roten Kreis erfasst und bekämpft werden.
⢠Old rangefinding: Extrem seltener Einsatz. Das zweite Kreuz kann fßr eine zweite Entfernung (Nahbereich) eingesetzt werden.
⢠Modern Rangefinding: Ist eine Mischung von Duplex Crosshair (klassisches Jagdabsehen) und Mil-dot. Wird meist von Jägern eingesetzt, die groĂes Wild bis 400 m jagen.
⢠SVD-type: Dragunow Absehen mit verschiedenen Haltepunkten (bzw. Winkel) fĂźr verschiedene Entfernungen. Links unten ist eine Entfernungsskala umgangssprachlich auch âEntfernungstreppeâ genannt. Wenn ein stehender Soldat (1,70 m) rechts eingepasst werden kann, dann ist er 200 m entfernt. Kann der Soldat ganz links auĂen eingepasst werden, dann ist er 1000 m entfernt. Auch wenn das SVD-type Absehen nach aktuellem Standard als veraltet gilt, so erfreut es sich auch heute noch groĂer Beliebtheit. Dies liegt hauptsächlich an den hohen Produktionszahlen der Dragunow und seiner âVerwandtenâ (wie z. B. dem PSL-Gewehr) und an der âEntfernungstreppeâ, die vor allem von Soldaten, denen kein hochpreisiger Entfernungsmesser zur VerfĂźgung steht, geschätzt wird. Des Weiteren fällt mit der âEntfernungstreppeâ die Umrechnung der GrĂśĂe mit den Milrad-Punkten weg und der SchĂźtze kann somit schneller die Entfernung zum Ziel schätzen und agieren.cite-ref-199[199]cite-ref-200[200]cite-ref-201[201]cite-ref-202[202]
Einsatzkonzepte
ScharfschĂźtzen
Scharfschßtzen (engl. Sniper) sind Soldaten, die eingebunden in eine Kompanie, meist auf weite Entfernungen bei Tag und Nacht feindliche Soldaten bekämpfen. Sie ßberwachen und sichern Räume und Objekte durch Feuer, klären Feinde auf und bekämpfen sie. Scharfschßtzen kämpfen in Zweiertrupps ßberwachend aus rßckwärtigen Feuerstellungen, eingebunden in die Truppe, selten hinter feindlichen Linien, aber auch tief im feindlichen Hinterland. Gruppenzielfernrohrschßtzen sind in ihre Teileinheit eingebunden.
Der 2-Mann ScharfschĂźtzentrupp â ein SchĂźtze (engl. Shooter oder Sniper) und ein Beobachter (engl. Spotter), der den SchĂźtzen unterstĂźtzt â wechseln sich in der Funktion SchĂźtze und Beobachter meist ab. Durch den Einsatz von ScharfschĂźtzen sollen die Kampfmoral des Feindes gemindert, Feindkräfte gebunden oder behindert, sowie Wehrmaterial oder SchlĂźsselpersonal ausgeschaltet werden. Dazu zählen in erster Linie feindliche ScharfschĂźtzen, feindliche FĂźhrer, Bedienungspersonal von GeschĂźtzen und Maschinengewehren, Funker, aber auch Radaranlagen und elektronische Zieleinrichtungen.cite-ref-203[203]
MaĂnahmen gegen ScharfschĂźtzen sind Stellungswechsel, wenn eine eigene Position erkannt wurde, der Einsatz von Periskopen, RauchkĂśrpern und eigenen ScharfschĂźtzen, die ins direkte Duell mit dem feindlichen ScharfschĂźtzen gehen (counter-sniping). Ist der ungefähre Standort eines ScharfschĂźtzen bekannt, kĂśnnen Artillerie und insbesondere MĂśrser, die dem Verband unterstehen, mit Sprengsplittergranaten eingesetzt werden. Eine PräventivmaĂnahme fĂźr FĂźhrungskräfte ist das Verbergen von äuĂerlichen Hinweisen auf militärische Ränge. Das militärische GrĂźĂen und Tragen von Offiziersuniformen unterbleibt. Ein berĂźhmtes Beispiel fĂźr die Wichtigkeit dieser MaĂnahme war der Tod des britischen Admirals Horatio Nelson bei der Seeschlacht von Trafalgar 1805: Ein franzĂśsischer ScharfschĂźtze, der sich beim Bord-an-Bord-Kampf mit dem englischen Flaggschiff Victory im Mars der Redoutable verschanzt hatte, erkannte den britischen Admiral anhand seiner goldbestickten Uniform und seinen Orden und verletzte ihn tĂśdlich.cite-ref-204[204]
Die Reichweite von Scharfschßtzengewehren kann in Ausnahmefällen bis zu 2500 Meter betragen. Sie ist von Waffe, verwendeter Munition und Witterungsverhältnissen abhängig. Die ßbliche Einsatzreichweite beträgt etwa 600 bis 800 Meter. Die geringste Distanz hängt von den Versteck- und TarnmÜglichkeiten ab. Es gab schon erfolgreiche Einsätze aus 90 Metern Entfernung. Wie bereits oben erwähnt, wurde ein Treffer aus einer Entfernung von 3540 Metern im Mai 2017 im Krieg gegen die islamistische Terrororganisation Islamischer Staat erzielt. Der Schuss wurde von einem AngehÜrigen einer kanadischen Spezialeinheit abgegeben. Das Projektil wurde aus einem McMillan Tac-50-Gewehr abgefeuert und flog ßber 10 Sekunden, bevor es sein Ziel traf.cite-ref-205[205]
Das Ăberleben des militärischen ScharfschĂźtzen hängt in erster Linie von seiner Tarnung durch Geländeausnutzung bei Annäherung und Bewegungslosigkeit sowie Ausweichen und richtigem Verhalten im Gelände ab sowie vom Vorhandensein von ausreichend getarnten und gedeckt erreichbaren Wechselstellungen. UnterstĂźtzt wird dies durch selbstgefertigte TarnanzĂźge, die auch ghillie suit genannt werden. FĂźr die Tarnung gilt die Regel: 80 % des Tarnmaterials aus der Natur (Sichtdeckung durch Ăste, Gras, Erde sowie Bewegungslosigkeit) und 20 % kĂźnstliches Tarnmaterial (Tarnanzug und TarnĂźberwurf).
Zur Ausstattung von ScharfschĂźtzen gehĂśrt spezifische AusrĂźstung â fĂźr den Spotter Spektiv, Windmesser und Barometer/HĂśhenmesser, da sowohl die Windstärke als auch die Lufttemperatur und Luftdichte durch HĂśhe Ăźber Grund Einfluss auf die Ballistik der ScharfschĂźtzenwaffe nehmen, sowie Laserentfernungsmesser und Unterlegmatten fĂźr die stundenlange Beobachtung. ScharfschĂźtzen sind daher auch in die FĂźhrungsunterstĂźtzung auf Gefechtsebene eingebunden und ermitteln den Chill-Faktor fĂźr die Gruppe und VorsorgemaĂnahmen im Kälteschutz fĂźr den Zug im Einsatzraum. FĂźr die Erstellung der Lagedokumentation durch die PsyOps liefern ScharfschĂźtzen laufende Bilddokumentationen durch Videoaufnahmen der Einsätze.
GruppenscharfschĂźtzen
âGruppenscharfschĂźtzeâ oder ZielfernrohrschĂźtzen sind in eine Gruppe eingebundene Soldaten, die Ziele bis 600 Metern Entfernung mit gezieltem Einzelfeuer bekämpfen. Diese Form war bereits in der Wehrmacht bekannt und wurde auch in die Infanteriegruppe der Bundeswehr Ăźbernommen. In der United States Army und dem United States Marine Corps werden diese Soldaten als Squad Designated Marksman bezeichnet, die ihre Gruppe (Squad) direkt unterstĂźtzen.
Diese Soldaten kämpfen als Bestandteil ihrer Gruppe, haben aber einen zusätzlichen Lehrgang absolviert. In der Bundeswehr waren die Gruppen-ZF-SchĂźtzen, heute GruppenscharfschĂźtzen, mit dem G3 A3 ZF, heute zumeist HK MR308 ausgestattet. Ihre Ausbildung erfolgte innerhalb der Kompanie und war vornehmlich schieĂtechnisch ausgelegt. In der US Army sind sie mit der modifizierten Variante Mk 12 SPR des regulären M16 (Zielfernrohr, schwerer Lauf, Zweibein) oder, wie z. B. bei den Marines, mit speziellen Gewehren, so genannte Designated Marksman Rifles (DMR), ausgerĂźstet. In der israelischen Armee heiĂen diese ZF-SchĂźtzen Kalat Saar. Wesentlicher Unterschied zwischen einem ScharfschĂźtzen und einem Gruppen-ZielfernrohrschĂźtzen ist, dass Ersterem taktisch ein Einsatzraum befohlen wird, dem Gruppen-ZielfernrohrschĂźtzen eine Stellung. âErfundenâ wurde das Konzept der Designated Marksmen wahrscheinlich während des Zweiten Weltkrieges, als man auf deutscher Seite ScharfschĂźtzen in Infanteriegruppen einband, damit diese sich besser gegen sowjetische ScharfschĂźtzen verteidigen konnten. Dasselbe wurde dann auch von den Amerikanern als Antwort auf deutsche ScharfschĂźtzen an der Westfront getan. Nach dem Krieg wurde dieses Prinzip in der Sowjetarmee standardmäĂig weitergefĂźhrt, bei der in jeder Infanteriegruppe ein SchĂźtze eingebunden war, der mit einem Dragunow-ScharfschĂźtzengewehr im Kaliber 7,62 Ă 54 mm R ausgerĂźstet war. In der Bundeswehr wurde bei der Infanterie (Grenadiere, Jäger, Fallschirmjäger und Gebirgsjäger) das Konzept mit zwei ZielfernrohrschĂźtzen je Gruppe mit HK G3 A3ZF, Zielfernrohrgewehr aus Serienproduktion, fortgefĂźhrt.
Präzisionsschßtzen
Als PräzisionsschĂźtze wird heute ein PolizeischĂźtze bezeichnet, der durch seine AusrĂźstung und Ausbildung in der Lage ist, auf grĂśĂere Distanz Ziele präzise zu treffen. Er hat und benĂśtigt jedoch nicht die âEinzelkämpferausbildungâ eines militärischen ScharfschĂźtzen.
PräzisionsschĂźtzen der Polizei und der Feldjäger der Militärpolizei haben den Auftrag, durch gezielte SchĂźsse eine extreme Gefahrensituation abzuwenden, also z. B. Verbrechensopfer zu retten. AuĂerdem dienen sie als Beobachter, was in den meisten Fällen ihre einzige Funktion bleibt, und helfen bei der Planung von SicherungsmaĂnahmen bei gefährdeten Ereignissen. Im Vergleich mit militärischen ScharfschĂźtzen ergeben sich fĂźr ihren Einsatz vĂśllig andere Beschränkungen und Rechtsgrundlagen, bedingt durch die Unterschiede von Polizeirecht und Kriegsrecht.
Auch der eigentliche Einsatz unterscheidet sich grundlegend: PolizeischĂźtzen schieĂen auf vergleichsweise kurze Entfernungen zwischen 50 und 120 Metern, um unbeteiligte Personen oder Geiseln nicht zu gefährden, während militärische ScharfschĂźtzen Distanzen von bis zu 2500 Metern abdecken. Sie stehen dabei in ständigem Kontakt zur Einsatzleitung, die auch das Ziel und den Zeitpunkt des Schusses klar festlegt. AuĂerdem mĂźssen PräzisionsschĂźtzen der Polizei mit dem ersten Schuss den Straftäter unbedingt an der Fortsetzung seiner Tathandlung hindern. Hierzu wird nach MĂśglichkeit der Hirnstamm des Straftäters anvisiert. Bei ZerstĂśrung des Hirnstammes wird der Getroffene augenblicklich handlungsunfähig (Mannstoppwirkung) und ist auch zu keinen reflexartigen Reaktionen mehr fähig.
Eine Tarnung spielt dabei keine so maĂgebliche Rolle wie bei den Streitkräften, da PolizeischĂźtzen in der Regel nicht durch Feindaufklärung und Beschuss bedroht sind und nach der Schussabgabe nicht verborgen bleiben mĂźssen. Ebenso dauert ein polizeilicher PräzisionsschĂźtzeneinsatz nur wenige Stunden, in denen sich die SchĂźtzen abwechseln kĂśnnen. Ein Problem fĂźr polizeiliche PräzisionsschĂźtzen in Deutschland ist die teilweise unterschiedliche Gesetzeslage hinsichtlich des finalen Rettungsschusses (siehe dort) in den einzelnen Bundesländern. Auch bei polizeirechtlich vorgesehenem finalen Rettungsschuss muss die VerhältnismäĂigkeit anschlieĂend von der Justiz geprĂźft werden.
Die Entwicklung des polizeilichen Scharfschßtzenwesens lässt sich mit dem Aufkommen des Terrorismus und der Schwerstkriminalität in den 1970er-Jahren ansetzen.
Der bekannteste Präzisionsschßtze ist der ehemalige FBI-Agent Lon Horiuchi. Beim Konflikt von Ruby Ridge schoss er, am 22. August 1992, auf 180 m auf Kevin Harris, den er aber nur verletzte. Beim zweiten Versuch ihn zu tÜten erschoss er versehentlich Vicki Weaver. Eine Anklage gegen ihn wegen fahrlässiger TÜtung wurde von mehreren Instanzen abgewiesen.cite-ref-206[206]
Aufbau der Präzisionsschßtzenausbildung in Deutschland
Als Geburtsstunde der polizeilichen PräzisionsschĂźtzen in der Bundesrepublik Deutschland kann die Geiselnahme vom 4. August 1971 in MĂźnchen angesehen werden. Es war der erste deutsche BankĂźberfall mit Geiselnahme durch Hans Georg Rammelmayr und Dimitri Todorov, die geplant Geiseln in einer Filiale der Deutschen Bank nahmen, um Geld und ein Fluchtauto zu erpressen. Die Einsatzleitung Ăźbernahm nicht die Polizei, sondern Oberstaatsanwalt Erich Sechser, unter Hinweis auf die Strafprozessordnung. Da es zu dieser Zeit in den Reihen der Polizei noch keine ausgebildeten PräzisionsschĂźtzen gab, forderte er âgute Jägerâ (Beamte mit Jagdschein und Jagderfahrung) an, da diesen der Einsatz von Langwaffen mit Zielfernrohren vertraut war. Laut einer NDR-Reportagecite-ref-207[207] beorderte Sechser diese jagdlichen Polizeibeamte noch am Einsatztag zum SchieĂtraining in eine Kiesgrube, um sich auf ihren Einsatz vorzubereiten. Da ihre Jagdwaffen aber nicht dienstlich geliefert waren, mussten sie auf Heckler & Koch G3 mit Zielfernrohren zurĂźckgreifen bzw. einsetzen, welche sich im Bestand der MĂźnchner Polizei befanden.
Diese Waffen lagen den Jägern aber nicht besonders, da diese vom Militär stammten und somit ein deutlich hĂśheres Abzugsgewicht von ca. 4Kg hatten. Im Vergleich zu einem klassischen Jagdgewehr ist das Abzugsgewicht bei halb- und vollautomatischen militärischen Waffen etwa doppelt so hoch. VerfĂźgt das Jagdgewehr Ăźber einen Stecher, wie die meisten Jagdgewehre des 20. Jahrhunderts, dann ist das Abzugsgewicht etwa viermal so hoch. Das hohe Abzugsgewicht bei Militärwaffen ist ein reiner Sicherheitsaspekt, der aber eher hinderlich fĂźr das präzise SchieĂen ist. Des Weiteren besitzt das G3, als militärische Infanteriewaffe, nicht die Präzision einer hochwertigen Jagdwaffe.cite-ref-208[208]cite-ref-209[209]
Von der Kiesgrube ging es dann direkt zum Einsatzort. Dort befanden sich u. a. Franz Josef StrauĂ und der damalige Innenstaatssekretär Erich Kiesl, die die Szenerie von den Fenstern des gegenĂźber der Bank liegenden Edelrestaurants Feinkost Käfer aus beobachteten.cite-ref-210[210] Franz Josef StrauĂ soll dabei sein eigenes Jagdgewehr zur LĂśsung des Falles angeboten haben, mit den Worten: âDiese Schweine knall ich persĂśnlich ab.âcite-ref-211[211] Oberstaatsanwalt Sechser befahl, dass die Täter âso rasch wie mĂśglich ausgeschaltet werdenâ sollten. Als das Fluchtauto bereitstand ging zuerst eine Geisel ins Auto. Kurz darauf folgte der Geiselnehmer Rammelmayr. Als ein PräzisionsschĂźtze das Feuer auf ihn erĂśffnete schossen sofort im Anschluss gleich mehrere Beamte mit ihren Pistolen und Maschinenpistolen, so dass ein regelrechter Kugelhagel von etwa 150 Schuss entstand.cite-ref-212[212] Der Geiselnehmer sowie die 19-jährige Geisel wurden dabei getĂśtet.cite-ref-213[213] Polizeipräsident Manfred Schreiber, mit dem Sechser sich bereits seit zwei Monaten in der Fachzeitschrift Kriminalistik Ăźber Kompetenzabgrenzung zwischen Polizei und Justiz stritt,cite-ref-igel-214-0[214] suchte Sechsers SchieĂbefehl danach zu rechtfertigen, âwann immer er danach gefragt wĂźrdeâ.cite-ref-215[215]
Als Folge der unkoordinierten SchieĂerei (und teilweise in Ăberlagerung mit der ein Jahr später stattfindenden Geiselnahme von MĂźnchen) wurde eine Reihe von MaĂnahmen ergriffen:
⢠GSG 9 und Spezialeinsatzkommandos (SEK) als speziell ausgebildete Einheiten fßr entsprechende Einsätze wurden gegrßndet,cite-ref-216[216]
⢠ausgebildete Präzisionsschßtzen wurden in die SEKs integriert,
⢠die organisatorischen Verantwortlichkeiten wurden definiert (Festlegung der Einsatzfßhrung in Händen der Polizei).
â
Hauptartikel
:
Spezialeinsatzkommando
â
Hauptartikel
:
GSG 9 der Bundespolizei
Psychologisches Anforderungsprofil
Scharfschßtzen sollen besonders stressresistent, ausgeglichen, geduldig und intelligent sein. Diese Fähigkeiten werden benÜtigt, da Scharfschßtzen im Einsatz meistens auf sich gestellt sind, häufig einer sehr monotonen Aufgabe nachgehen und unabhängig in kleinen Gruppen bzw. alleine operieren. Deshalb mßssen sie in der Lage sein, Entscheidungen selbst zu treffen, auf neue Situationen zu reagieren und zahlreiche Informationen auszuwerten.
Beispielsweise lernt der SchĂźtze während einer Observation, die Stunden oder Tage dauern kann, das Ziel mit all seinen menschlichen Eigenheiten (Lachen, Essen und anderen Dingen des normalen Lebens) kennen und kann dessen Mimik sehen. Gleichzeitig stellen die beobachteten Personen keine persĂśnliche Bedrohung dar und wissen im Normalfall nicht von der Gegenwart des SchĂźtzen. Dabei kann eine Subjektivierung einsetzen, bei der die Zielperson zu einem Menschen wird, den man zu kennen glaubt. Deshalb soll der SchĂźtze fähig sein, auch bei Individualisierung der Zielperson abzudrĂźcken, ohne dabei ĂźbermäĂig unter dem von ihm verursachten Tod des getĂśteten Menschen zu leiden. Nicht selten ist wegen dieser Individualisierung psychologische Betreuung nach einem Einsatz erforderlich.cite-ref-219[219]
Bekannte ScharfschĂźtzen
⢠Preussen Konigreich Friedrich Rittmßller, erster bekannter Schßtze, der um 1806 in den Koalitionskriegen nach dem Prinzip des Gruppenscharfschßtzen agierte
⢠Vereinigtes Konigreich Thomas Plunket, Schßtze, der am 3. Januar 1809 Brigadegeneral Auguste François-Marie de Colbert-Chabanais auf 140 m tÜtete
⢠Deutsches Reich Georg MĂźhlberger (1880âunbekannt), Träger der Bayerischen Tapferkeitsmedaille in Goldcite-ref-bayrisches-kriegsarchiv-1928-51-1[51]
⢠Australien Billy Sing (William Edward Sing) (1886â1943), erfolgreicher australischer ScharfschĂźtze in der Schlacht von Gallipoli
⢠Deutsches Reich Leonhard Schober (1887âunbekannt), Träger der Bayerischen Tapferkeitsmedaille in Goldcite-ref-bayrisches-kriegsarchiv-1928-51-2[51]
⢠Deutsches Reich Wilhelm BĂźttner (Soldat) (1887âunbekannt), Träger der Bayerischen Tapferkeitsmedaille in Silber und dem Militärverdienstkreuz 2. Klassecite-ref-bayrisches-kriegsarchiv-1928-51-3[51]
⢠Vereinigtes Konigreich Arthur Fulton (1887â1972), erfolgreicher britischer ScharfschĂźtze und Olympionike
⢠Deutsches Reich Karl Riedl (1890âunbekannt), Träger der Bayerischen Tapferkeitsmedaille in Goldcite-ref-bayrisches-kriegsarchiv-1928-51-4[51]
⢠Deutsches Reich Georg Herrnreiter (1891â1916), hochdekorierter ScharfschĂźtze im Ersten Weltkrieg
⢠Kanada Francis Pegahmagabow (1891â1952), Lance Corporal; nach bestätigten AbschĂźssen der erfolgreichste ScharfschĂźtze im Ersten Weltkrieg
⢠Finnland Simo Häyhä (1905â2002), Leutnant; nach bestätigten AbschĂźssen der erfolgreichste ScharfschĂźtze der Militärgeschichte
⢠Deutsches Reich NS Friedrich Pein (1915â1975), Oberjäger der Wehrmacht und Ritterkreuzträger
⢠Sowjetunion 1955 Wassili Grigorjewitsch Saizew (1915â1991), Hauptmann; bekannt durch sowjetische Propaganda in der Schlacht um Stalingrad
⢠Sowjetunion 1955 Ljudmila Michailowna Pawlitschenko (1916â1974), Major und erfolgreichste ScharfschĂźtzin des Zweiten Weltkriegs
⢠Deutsches Reich NS Bruno Sutkus (1924â2003), mit 52 gewonnenen ScharfschĂźtzenduellen der erfolgreichste Counter-Sniper der Militärgeschichtecite-ref-scharfsch-tzen-2004-119-1[119]
⢠Deutsches Reich NS Matthäus Hetzenauer (1924â2004), Gefreiter; gilt als der erfolgreichste ScharfschĂźtze der Wehrmacht
⢠Deutsches Reich NS Josef (Sepp) Allerberger (1924â2010), lt. Albrecht Wacker Ritterkreuz 1945, welches nicht im Bundesarchiv nachgewiesen istcite-ref-220[220]
⢠Australien Ian Robertson (1927â2014), australischer Warrant Officer; erfolgreicher ScharfschĂźtze im Koreakrieg und bekannter Fotografcite-ref-221[221]
⢠China Volksrepublik Zhang Taofang (1931â2007), bekannter chinesischer ScharfschĂźtze im Koreakrieg
⢠Vereinigte Staaten Carlos Hathcock (1942â1999), Gunnery Sergeant des US Marine Corps
⢠Vereinigte Staaten Charles (Chuck) Mawhinney (1949â2024), erfolgreichster ScharfschĂźtze des US Marine Corps
⢠Vereinigte Staaten Randall Shughart (1958â1993), Sergeant First Class der US Army; fiel 1993 in der Schlacht von Mogadischu
⢠Vereinigte Staaten Gary Ivan Gordon (1960â1993), Master Sergeant der US Army; fiel 1993 in der Schlacht von Mogadischu
⢠Vereinigte Staaten Chris Kyle (1974â2013), Navy SEAL; erfolgreichster ScharfschĂźtze der US-Geschichte
⢠Vereinigtes Konigreich Craig Harrison (* 1974), ehemaliger britischer Corporal; Scharfschßtze mit dem weitesten tÜdlichen Präzisionsschuss unter Kampfbedingungen, der namentlich bekannt ist
⢠Irak Juba (the Bagdad Sniper) ist das Pseudonym eines anonymen, wahrscheinlich irakischen, ScharfschĂźtzen, der im irakischen Widerstand (2003â2011) kämpfte. Er erlangte durch das Onlinestellen seiner TĂśtungsvideos, welche die TĂśtungen mehrerer amerikanischer Soldaten mit einem Dragunow-ScharfschĂźtzengewehr zeigt, groĂe BerĂźhmtheit. Vom US-Militär wurde die Vermutung geäuĂert, dass es sich auch um eine ScharfschĂźtzengruppe handeln kĂśnnte.cite-ref-222[222]
Bekannte Personen, die durch ScharfschĂźtzen den Tod fanden
Durch deutsche ScharfschĂźtzen im Ersten Weltkrieg
⢠Private James MacKenzie (â 19. Dezember 1914) Victoria-Kreuz-Träger
⢠Sergeant Richard Francis Charles Yorke (â 22. Dezember 1914), Olympiateilnehmer 1908 und 1912
⢠Brigadegeneral Sir John Edmond Gough (â 22. Februar 1915), Victoria-Kreuz-Träger
⢠Korporal Jack Sheffield (â 13. März 1915), FuĂballer
⢠Lieutenant William Glynne Charles Gladstone (â 13. April 1915) AttachĂŠ und Politiker
⢠Brigadegeneral James Foster Riddell (â 26. April 1915)
⢠Lieutenant Ronald Poulton (â 5 Mai 1915), Rugby Union Spieler und Kapitän der englischen Nationalmannschaft
⢠Brigadegeneral George Colborne Nugent (â 31. Mai 1915)
⢠Second Lieutenant James Elliot Balfour-Melville (â 25. September 1915), Cricketspieler
⢠Generalmajor Sir Thompson Capper (â 27. September 1915)
⢠Leutnant Harcourt Ommundsen (â 30. September 1915), zweimaliger Olympiasilbermedaillengewinner
⢠Captain Thomas Charles Reginald Agar-Robartes (â 30. September 1915), Politiker
⢠Lord Lieutenant-Colonel Ninian Crichton-Stuart (â 2. Oktober 1915), britischer Politiker
⢠Captain Charles Sorley (â 13. Oktober 1915), Poet
⢠Brigadegeneral John Frederick Hepburn-Stuart-Forbes-Trefusis, (â 24. Oktober 1915)
⢠Alwyn Bramley-Moore (â 4. April 1916), Politiker
⢠Lieutenant Alec Leith Johnston (â 22. April 1916), Schriftsteller
⢠Second Lieutenant James Marsden Simpson (â 9. Mai 1916), Yorkshire Rugby StĂźrmer
⢠Brigadegeneral Frederick James Heyworth (â 9. Mai 1916)
⢠Korporal Harold Chadwick Meadowcroft (â 1. Juli 1916), FuĂballer
⢠Second Lieutenant Donald Simpson Bell, (â 10. Juli 1916), Victoria-Kreuz-Träger
⢠Major Billy Congreve (â 20. Juli 1916), Victoria-Kreuz-Träger
⢠Second lieutenant Henry Samuel Teed (â 24. Juli 1916), Maler
⢠Captain The Hon. Richard Stanhope (â 16. September 1916), Olympiateilnehmer 1908
⢠Leutnant Edward Wyndham Tennant (â 22. September 1916), Poet
⢠Lieutenant Colonel William Drysdale DSO (â 29. September 1916), Cricketspieler
⢠Sergeant Donald Forrester Brown (â 1. Oktober 1916), Victoria-Kreuz-Träger
⢠Captain Cyril Stanley Rattigan (â 13. November 1916), Cricketspieler
⢠Captain Frederick Courteney Selous (â 4. Januar 1917)
⢠Brigadegeneral Charles Bulkeley Bulkeley-Johnson (â 11. April 1917)
⢠Lieutenant Robert Grierson Combe (â 3. Mai 1917), Victoria-Kreuz-Träger
⢠Lieutenant Dennis George Wyldbore Hewitt (â 31. Juli 1917), Victoria-Kreuz-Träger
⢠Captain Thomas Riversdale Colyer-Fergusson (â 31. Juli 1917), Victoria-Kreuz-Träger
⢠Brigadegeneral Francis Earl Johnston(â 7. August 1917)
⢠Brigadegeneral Ronald Campbell Maclachlan (â 11. August 1917)
⢠Captain Harold Ackroyd (â 11. August 1917), Sanitätsoffizier und Victoria-Kreuz-Träger
⢠Brigadegeneral Alexander Colin Johnston (â 16. September 1917)
⢠Brigadegeneral Francis Aylmer Maxwell (â 21. September 1917)
⢠Korporal William Charles Clamp (â 9. Oktober 1917), Victoria-Kreuz-Träger
⢠Private Alexander Decoteau (â 17. Oktober 1917), kanadischer Langstreckenläufer indianischer Herkunft
⢠Private Edward John Didymus (â 12. April 1918), FuĂballer
⢠Sergeant Alfred Joyce Kilmer (â 30. Juli 1918), Poet, Schriftsteller und Journalist
⢠Oberleutnant Alfred Gaby, Victoria-Kreuz-Träger (â 11. August 1918)
⢠Captain Edward Lyman Abbott (â 14. August 1918), Rugbyspieler
⢠Lance Corporal Henry Norwest (â 18. August 1918)
⢠Sergeant Samuel Forsyth (â 24. August 1918), Victoria-Kreuz-Träger
⢠Second Lieutenant Henry Lamont Simpson (â 29. August 1918), Poet
⢠Sergeant Thomas Charles Benfield (â 19. September 1918), FuĂballer
⢠Lieutenant Colonel Bernard William Vann, (â 3. Oktober 1918), Victoria-Kreuz-Träger
⢠Private George Edwin Ellison (â 11. November 1918 um 9:30 Uhr). Er war der letzte britische Soldat, der im Ersten Weltkrieg fiel. Sein Todesort (Mons) ist ca. 7 km Luftlinie westlich vom Todesort von George Lawrence Price entfernt.
⢠Soldat de première classe Augustin TrĂŠbuchon (â 11. November 1918 um 10:45 Uhr). Er war der letzte franzĂśsische Soldat, der im Ersten Weltkrieg fiel.cite-ref-223[223]
⢠Private George Lawrence Price (â 11. November 1918 um 10:58 Uhr). Kanadischer Soldat. Er gilt als der letzte Soldat des Britischen Weltreiches, der im Ersten Weltkrieg (zwei Minuten vor Eintreten des Waffenstillstands) fiel.
Durch deutsche ScharfschĂźtzen im Zweiten Weltkrieg
⢠Captain George Charles Grey (â 30. Juli 1944), Politiker
⢠Major Maurice Joseph Lawson Turnbull (â 5. August 1944), Cricketspieler
⢠Brigadegeneral James Edward Wharton (â 12. August 1944)
⢠Korporal James L. Mooney, Jr. (â 12. August 1944), American-Football-Spieler
⢠Major William Cavendish, Marquess of Hartington, (â 9. September 1944), getĂśtet von einem ScharfschĂźtzen der Waffen-SS
⢠Staff sergeant Sherwood Henry Hallman (â 14. September 1944), Träger der Medal of Honor
⢠Lieutenant Colonel Robert George Cole (â 18. September 1944), Träger der Medal of Honor
⢠Staff Sergeant Robert Toshio Kuroda (â 20. Oktober 1944), Träger der Medal of Honor
⢠Sergeant Charles F. Carey Jr. (â 9. Januar 1945), Träger der Medal of Honor
⢠Sergeant Aubrey Cosens (â 26. Februar 1945), Victoria-Kreuz-Träger
⢠Second Lieutenant Harry J. Michael (â 14. März 1945), Träger der Medal of Honor
⢠Private First Class Raymond J. Bowman (â 18. April 1945) berĂźhmt durch das Foto âDer letzte Tote des Kriegesâ des Kriegsreporters Robert Capa im Life Magazinecite-ref-224[224]
⢠Captain Ian Oswald Liddell (â 21. April 1945), Victoria-Kreuz-Träger
⢠Major Josef Gangl (â 5. Mai 1945), getĂśtet von einem ScharfschĂźtzen der Waffen-SS, bei der Rettung des ehemaligen franzĂśsischen Premierministers Paul Reynaud
Sonstige
⢠Richard LÜwenherz wurde am 29. März 1199 von einem Armbrustschßtzen verwundet und erlag am 6. April 1199 seinen Verletzungen.
⢠Brigadegeneral Simon Fraser vermutlich durch den amerikanischen PräzisionsschĂźtzen Timothy Murphy (â 7. Oktober 1777)
⢠Admiral Nelson durch den franzĂśsischen Marineinfanteristen Robert Guillemard aus ca. 50 m Entfernung (â 21. Oktober 1805) in der Schlacht von Trafalgar
⢠Brigadegeneral Auguste François-Marie de Colbert-Chabanais (â 16. Oktober 1809) durch den britischen PräzisionsschĂźtzen Thomas Plunkett auf ca. 140 m.cite-ref-elbierzodigital-com-24-1[24]
⢠Brigadegeneral Amiel Weeks Whipple durch einen Berdan PräzisionsschĂźtzen (â 7. Mai 1863)
⢠Generalmajor Hiram Gregory Berry durch einen konfĂśderierten PräzisionsschĂźtzen (â 3. Mai 1863)
⢠Generalmajor John Fulton Reynolds durch einen konfĂśderierten PräzisionsschĂźtzen (â 1. Juli 1863)
⢠Brigadegeneral Henry Normand MacLaurin (â 27. April 1915), durch einen tĂźrkischen ScharfschĂźtzen bei Gallipoli
⢠Sub-Lieutenant Arthur Walderne St Clair Tisdall (â 6. Mai 1915), Victoria-Kreuz-Träger, durch einen tĂźrkischen ScharfschĂźtzen bei Gallipoli
⢠Brigadegeneral Paul Aloysius Kenna (â 30. August 1915), Victoria-Kreuz-Träger, durch einen tĂźrkischen ScharfschĂźtzen bei Gallipoli
⢠Private Bruce Kingsbury, Victoria-Kreuz-Träger, durch einen japanischen ScharfschĂźtzen (â 29 August 1942)
⢠Colonel Joseph F. Hankins, ranghĂśchster Marine bei der Schlacht um Peleliu, durch einen japanischen ScharfschĂźtzen (â 3. Oktober 1944)
⢠Oberst Harold C. Roberts durch einen japanischen ScharfschĂźtzen (â 18. Juni 1945)
⢠Hans Georg Rammelmayr (â 4. August 1971 MĂźnchen) deutscher Bankräuber und Geiselnehmer, durch bayrische Polizeibeamte mit Jagdschein und Jagderfahrung.
⢠Gabriele Moreno Locatelli (â 3. Oktober 1993) italienischer Friedensaktivist. Durch einen serbischen ScharfschĂźtzen, als er mit einer Friedensfahne in den Händen die BrĂźcke Most Suade i Olge Ăźberquerte.
⢠Zoran ÄinÄiÄ serbischer Ministerpräsident. (â 12. März 2003) in Belgrad von Zvezdan JovanoviÄ auf 135 m mit einem Heckler & Koch G3 SG 1
⢠Wladimir Andonow, berĂźchtigter SĂśldner der Gruppe Wagner durch einen ukrainischen ScharfschĂźtzen (â Juni 2022) in Charkiw.cite-ref-226[226]
⢠Thomas Matthew Crooks (â 13. Juli 2024) wurde von einem ScharfschĂźtzen des Secret Service in Butler erschossen.cite-ref-227[227]
Mediale Rezeption
Zahlreiche Filme und Fernsehserien widmen sich dem Thema ScharfschĂźtzen:
⢠1993â2008: Die ScharfschĂźtzen (Sharpe, Fernsehserie)
⢠1993: Sniper â Der ScharfschĂźtze (Sniper)
⢠1998 The Battle â Vertrauter Feind (Originaltitel: Shot through the heart)
⢠2001: Duell â Enemy at the Gates (Enemy at the Gates)
⢠2005: Jarhead â Willkommen im Dreck
⢠2007: Shooter
⢠2009 The Sniper (Hongkong)
⢠2014: American Sniper
⢠2015: Red Sniper â Die TodesschĂźtzin (ĐиŃва Са ХоваŃŃОпОНŃ)
⢠2017: The Wall
Siehe auch
Literatur
Monographien
⢠Albrecht Wacker: Im Auge des Jägers. Der Wehrmachtsscharfschßtze Sepp Allerberger. VS-Books, ISBN 978-3-932077-27-2.
⢠Charles Henderson: Todesfalle. Die wahre Geschichte eines ScharfschĂźtzen in Vietnam. (Ăber Carlos Hathcock). Heyne, MĂźnchen 1993, ISBN 3-453-03687-5.
⢠Jan Boger: Jäger und Gejagte. Die Geschichte der Scharfschßtzen. Motorbuch, Stuttgart 1987, ISBN 3-87943-373-9.
⢠Eric L. Haney: Delta Force â Im Einsatz gegen den Terror. Ein Soldat der amerikanischen Elite-Einheit berichtet. Goldmann, MĂźnchen 2003, ISBN 3-442-15215-1 (Zum Thema psychologisches Anforderungsprofil auf S. 162 ff.).
⢠Peter Brookesmith: Scharfschßtzen. Geschichte, Taktik, Waffen. Motorbuch, Stuttgart 2004, ISBN 3-613-02247-8.
⢠Ian V. Hogg (Text), Ray Hutchins (Fotos): Moderne Scharfschßtzengewehre. Motorbuch, Stuttgart 2004, ISBN 3-613-02014-9.
⢠David L. Robbins: Krieg der Ratten. Heyne, MĂźnchen 2001, ISBN 3-453-19001-7 (Ăber den Aufbau einer ScharfschĂźtzen-Schule in Stalingrad während des Zweiten Weltkrieges).
⢠Peter Senich: Deutsche ScharfschĂźtzen-Waffen 1914â1945. Motorbuch, Stuttgart 1996, ISBN 3-613-01732-6.
⢠Mark Spicer: Scharfschßtzen. Motorbuch, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-613-30586-1.
⢠Stefan Strasser: Sniper. Militärisches und polizeiliches Scharfschßtzenwissen kompakt. 2. Auflage. Ares, Graz 2011, ISBN 978-3-902475-63-3.
⢠Siegfried F. HĂźbner: ScharfschĂźtzen-SchieĂtechnik: SchieĂausbildung der ScharfschĂźtzen. Kienesberger, 1999, ISBN 3-923995-16-4.
⢠Jack Coughlin: Shooter: The Autobiography of the Top-Ranked Marine Sniper. Amistad 2005, ISBN 0-06-447290-6.
⢠Martin Pegler: Out of Nowhere: A History of the military sniper. Osprey Publishing, 2004, ISBN 1-84176-854-5.
⢠H. Hestketh-Prichard: Sniping In France 1914â18. With Notes on the Scientific Training of Scouts, Observers, and Snipers. Helion and Company, 2004, ISBN 1-874622-47-7.
⢠Reinhard Scholzen: Die Infanterie der Bundeswehr. Motorbuch, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-613-03293-4.
⢠Chris Kyle (mit Jim DeFelice, Scott McEwen): Sniper: 160 tĂśdliche Treffer â Der beste ScharfschĂźtze des US-Militärs packt aus. Riva, 2012, ISBN 978-3-86883-245-7 (Autobiografie von Chris Kyle im Irakkrieg).
Zeitschriften
⢠Visier: Scharfschßtzen. Visier-Magazin. (Sonderausgabe, 34). Bad Ems 2004, ISBN 3-9809243-2-7.
⢠Interview (1967) von Hauptmann Hans Widhofner mit den WehrmachtsscharfschĂźtzen Matthäus Hetzenauer (345 TreffschĂźsse), Josef Allerberger (257 TreffschĂźsse) und Helmut Wirnsberger (64 TreffschĂźsse). Alle drei waren beim Gebirgs-Jäger-Regiment 144 der 3. Gebirgs-Division. Erschienen in Truppendienst, Ausgabe 1967 Teil I: S. 109â113, Teil II: S. 224â229, Teil III: S. 297â299.
Dienstvorschriften
⢠US Army Field Manual 23â10 Sniper Training.
⢠Bundeswehr Zentrale Dienstvorschrift (ZDv) 3/132 Das Scharfschßtzengewehr G22.
⢠Bundeswehr Heeresdienstvorschrift (HDv) 216/721 Der Scharfschßtze.
⢠Nachdruck der Dienstvorschrift MB-60/6 der ehemaligen Nationalen Volksarmee: Einsatzgrundsätze fßr Scharfschßtzen. Enforcer 1997, ISBN 3-939700-00-2.
⢠Merkblatt 25/4 der Wehrmacht Anleitung fßr die Ausbildung und den Einsatz von Scharfschßtzen vom 15. Mai 1943, ISBN 978-3-7534-9960-4.
Weblinks
Commons
: ScharfschĂźtzen
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: ScharfschĂźtze
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
⢠Wehrmacht Scharfschßtzenausbildungsfilm, Deutsch mit englischen Untertiteln
⢠Neureiter, Markus u. a.: Scharfschßtzen.
⢠Teil I, in: Truppendienst, Folge 279, Ausgabe 5, 2004
⢠Teil II, in: Truppendienst, Folge 280, Ausgabe 6, 2004
⢠Bundeswehr-Channel bei YouTube: Nachgefragt: Scharfschßtzen im Krieg (Video, 16 min, 28. April 2023)
⢠US-SportschĂźtze und Youtuber Henry Chan schieĂt mit einem 98er Gewehr und einem Zeiss Zielvier Zielfernrohr (4-facher VergrĂśĂerung) auf 1005 m
⢠Reportage ßber Scharfschßtzen im Ersten Weltkrieg (englisch)
Einzelnachweise / Anmerkungen
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